Erich Kiefer verlässt das Finanzamt in Freudenstadt. Foto: Kiefer

Nach fünfeinhalb Jahren als Finanzamtsleiter in Freudenstadt ist für Erich Kiefer Schluss. Mit 65 Jahren verabschiedet er sich aber nicht etwa in den Ruhestand, sondern geht einer neuen beruflichen Herausforderung nach.

An der Attraktivität der Stadt liegt es nicht, dass Erich Kiefer sie nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze des Finanzamts wieder verlässt: „Ich war sehr gerne hier in Freudenstadt.“ Es sei eine seiner schönsten und produktivsten Berufsstationen gewesen, betont Kiefer, der seit 48 Jahren in der Finanzverwaltung tätig ist, im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Grund für seinen Abschied ist schnell erklärt: die Distanz zu seiner Heimat Offenburg. Etwa 130 Kilometer legt Kiefer täglich für den Hin- und Rückweg zur Arbeit zurück, verbringt insgesamt rund zwei Stunden im Auto. Vor allem im Winter sei die Strecke ein Problem.

 

Mit 65 Jahren denkt Kiefer aber noch nicht an den Ruhestand. Nicht nur, weil es in seiner Generation, den Babyboomern, zu viele Menschen gebe, die in den kommenden Jahren in Rente gehen würden. Auch persönlich ist Kiefer noch nicht bereit, sich zur Ruhe zu setzen: „Ich brauche noch Struktur im Leben.“ Stattdessen wartet nun eine neue Herausforderung auf ihn: Zum 22. März wird Kiefer neuer Leiter des Finanzamts Freiburg-Stadt.

Imageprobleme und Vorurteile gegenüber seiner Behörde werden Kiefer auch dort begegnen. Oft zu unrecht, findet er. „Wir führen die Gesetze nur aus.“ Und diese sollten ausgereifter sein, kritisiert der 65-Jährige. Es erfordere oft unzählige zusätzliche Verordnungen und Richtlinien, um ein Gesetz überhaupt ausführen zu können.

Appell an die Moral

Ungenauigkeiten und Schlupflöcher seien die Folge. Hier appelliert Kiefer auch an die Moral des Einzelnen. Beispielhaft nennt er die Energiepreispauschale. Als diese beschlossen worden sei, hätten manche Eltern ihr Kind für ein zweimonatiges Praktikum angemeldet, nur um von der Pauschale zu profitieren. Und bevor man nach Schlupflöchern suche, sollte man den Sinn und Zweck des Gesetzes beachten sowie Anstand und Moral walten lassen, meint Kiefer.

Der Finanzamtsleiter räumt mit einem weiteren Vorurteil auf: In den vergangenen 20 Jahren habe es in seiner Behörde landesweit keine Personalaufstockungen mehr gegeben. Vielmehr habe er in seiner Zeit in Freudenstadt die Effizienz verbessert, etwa durch die Neuordnung der Steuerfestsetzung, durch die aus acht Teams fünf wurden.

„Es geht fast rückwärts mit dem Personal“, unterstreicht er. Es sei schwierig, Nachwuchskräfte zu gewinnen. Dass die Arbeit beim Finanzamt trocken sei, findet Kiefer keineswegs: Er müsse oft auf Unvorhersehbares reagieren, das mache den Job so interessant. Und: „Man muss sich auch an kleinen Erfolgserlebnissen erfreuen.“ Kiefer unterstreicht die Relevanz seiner Behörde: „Ohne uns ginge nichts.“

Stolz auf die Digitalisierung

Das Finanzamt sei die am weitesten fortgeschrittene Behörde bei der Digitalisierung. „Darauf bin ich ein bisschen stolz“, sagt Kiefer. Die Steuererklärung sei durch das Programm Elster bereits deutlich einfacher geworden. Einfach genug? „Wir sind gut. Irgendwann sind wir sehr gut“, blickt Kiefer in die Zukunft, die er in Freiburg mitgestalten wird.

Wer Kiefers Nachfolger in Freudenstadt wird, steht bereits fest und soll zeitnah bekanntgegeben werden.