Zum Thema Hundesteuer in Hechingen eine Lesermeinung von Walter Wadehn aus Hechingen.
Dass Kommunen bei knappen Ressourcen nach höheren Einnahmen schielen, ist verständlich. Steuererhöhungen auf Bundesebene wehren die Christdemokraten meist damit ab, dass erst einmal Einsparpotentiale geprüft und ausgeschöpft werden müssten. Unterschlagen wird bei der Diskussion im Hechinger Rathaus, dass es im vergangenen Jahr zu einer exorbitanten Verteuerung der Grundsteuer B kam.
Diese Reform wurde in Hechingen nicht aufkommensneutral gestaltet, sondern satt abgezockt. Für viele Hechinger Bürger hat sich die Steuer oft mehr als verdoppelt. In Palmer Manier verlangt die Hechinger CDU die Aufstellung von Blitzern, nicht um etwa die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sondern um neue Einnahmen zu kreieren.
Dass die Christdemokraten dann auch noch die Erhöhung der Hundesteuer vorschlagen, ist schlicht eine unverschämte Dreistigkeit. Die Hundesteuer stammt aus einer Zeit als die Hundesteuer noch eine Feudalsteuer des kleptomanischen Adels war. Deren eigene Hunde waren natürlich von der Steuer befreit.
In Hamburg wollte die CDU wenigstens die Hundesteuer für Tierheimhunde abschaffen. So viel Fortschrittlichkeit verbietet sich für die Christdemokraten in der schwäbischen Provinz. Ich kenne in Hechingen mehrere Menschen, besonders Ältere, die Hunde aus Tötungsstationen gerettet haben und bei sich als treue Begleiter pflegen. Diese Leute geben jährlich über 1000 Euro an Nahrungsmitteln aus, Tierversicherungen und Tierarztrechnungen, wovon der Staat jedes Mal 19 Prozent als Mehrwertsteuer einstreicht. Der Hundebesitzer bezahlt daher ohne Hundesteuer dem Staat über 300 Euro jährlich, ohne jegliche Gegenleistung. Da die Hundesteuer dem allgemeinen Stadthaushalt zufließt, werden die Einnahmen nicht für eingezäunte Hundewiesen oder Tütenspender direkt verwendet.
Treuster Begleiter des Menschen
Hunde sind die ältesten und treuesten Begleiter des Menschen. Hunde fördern nachweislich unsere Gesundheit und schützen viele Menschen vor Einsamkeit. Dass unsere Kommunalpolitiker dies bewusst nicht kapieren wollen, macht mich wütend.
Die Millionenmetropole München verlangt nur 100 Euro und nicht unverschämterweise 150 Euro wie Rangendingen. Aber vielleicht bezahlen wir zukünftig auch eine Vogelsteuer, da diese Tiere ja auch ihre Hinterlassenschaften manchmal auf Straßen und Gehwegen hinterlassen. Die politische Phantasie unserer gewählten Volksvertreter neue und höhere Steuern und Beiträge zu erheben ist nicht nur grenzen-, sondern manchmal auch schamlos.
Man sollte sich die Namen der Kommunalpolitiker für die nächste Wahl gut merken, die diesen Vorschlag unterstützen. Meine Stimme bekommen sie nicht.
Walter Wadehn, HechingenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.