Die in die Jahre gekommene Aussegnungshalle auf dem Ergenzinger Friedhof wird nach Meinung vieler Ergenzinger Bürger den Ansprüchen nicht mehr gerecht. Foto: Ranft

In Rottenburgs größtem Stadtteil Ergenzingen hat sich die Bestattungskultur verändert, und dies nicht nur pandemiebedingt. Das Prozedere der Trauergottesdienste, aber auch nichtkirchlichen Trauerfeiern hat sich fast komplett auf den Friedhof verlagert.

Rottenburg-Ergenzingen - Eines wurde dadurch mehr als deutlich: Die 1970 ihrer Bestimmung übergebene, mittlerweile zu kleine und nach der Nordseite offene Aussegnungshalle wird den Ansprüchen in heutiger Zeit nicht mehr gerecht. Es fehlt eine vernünftige Beschallung, Sitzplätze in der Trauerhalle gibt es infolge von Platzmangel nur für die Familienangehörigen der Verstorbenen und auch die sanitären Anlagen lassen zu wünschen übrig.

Moniert wurde das schon von vielen Bürgern, und auch den Ortschaftsräten ist dieses Manko ein Dorn im Auge. Bereits im Wahlprogramm für das Jahr 2019 hatten beide Fraktionen des Ortschaftsrates dieses Thema auf der Agenda. Die BfE-Fraktion (Bürger für Ergenzingen) sprach sich für eine neue, geschlossenen Aussegnungshalle aus, CDU und unabhängige Bürger plädierten für eine Sanierung oder Umgestaltung des bestehenden Baukörpers im Rahmen der Friedhofsanierung. Letztere zerschlug sich allerdings 2020, weil eine zwischenzeitliche Machbarkeitsstudie der Stadt dann das bestätigte, was vor etlichen Jahren, als dieses Thema bereits auf der Tagesordnung des Ortschaftsrates stand, festgestellt wurde: Nämlich, dass ein Umbau der Aussegnungshalle aus statischen und Gründen der Bausubstanz nicht möglich sei.

Im Jahr 2019 fasste der Rat dann einstimmig den Beschluss für den Bau einer neuen, geschlossenen und barrierefreien Trauer- oder Aussegnungshalle. Für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 wurden Planungskosten eingefordert. Diese fielen aber dem Rotstift zum Opfer. Für das Jahr 2022 startete man in Ergenzingen nun zum dritten Mal in Folge den Versuch, Planungskosten im städtischen Haushalt zu verankern.

Zwischenzeitlich wurde zwar der Friedhof in einigen Teilbereichen saniert (weitere Maßnahmen erfolgen noch), aber das Kernstück, eine den heutigen Bedürfnissen angepasste, barrierefreie Aussegnungs- oder Trauerhalle, lässt weiter auf sich warten.

Schlechte Akustik

Schon mehrfach ärgerten sich die Trauergäste darüber, dass sie von dem, was in der Aussegnungshalle ablief, trotz externer Beschallung nur Wortfetzen hörten, aber sonst nichts verstanden. Der Grund: Die Beschallung in der Aussegnungshalle wird von den jeweiligen Bestattern vorgenommen. Je nach Service des Bestattungsunternehmens – manchmal wird bei Bedarf auch ein zusätzlicher Lautsprecher aufgestellt – funktioniert die Übertragung dann eben gut oder schlecht.

Der Wahrheit halber sei allerdings erwähnt, dass die Trauergäste durchaus die Möglichkeit hätten, näher an die Aussegnungshalle zu rücken, dieses aber wohl aus zwei triftigen Gründen nicht tun. Zum einen, weil der gepflasterte Vorplatz voll der Witterung ausgesetzt ist, zum anderen, weil man eben Pietät gegenüber den Trauerfamilien wahren möchte.

Ob es dann sein muss, dass man den Familienangehörigen der Verstorbenen, die in der Aussegnungshalle wie auf dem Präsentierteller sitzen, in das Gesicht sehen kann, ist eine Frage, die wohl an anderer Stelle beantwortet werden muss. Jedenfalls wurde auch daran schon mehrfach Anstoß genommen.

Es mangelt an Sitzgelegenheiten

Ein weiteres Problem ist, dass die kirchlichen Trauerfeiern mit anschließendem Begräbnis relativ lange (bis zu anderthalb Stunden) dauern, die die Trauergäste stehend verbringen müssen, da es an genügend Sitzgelegenheiten in unmittelbarer Nähe der Aussegnungshalle mangelt. Insbesondere für ältere Mitbürger ist das eine Zumutung. Sie suchen dann eben einige der wenigen Bänke auf, (teilweise hundert Meter entfernt) oder verlassen – so unlängst geschehen – den Friedhof früher. Ein auswärtiger Friedhofsbesucher, dessen Namen wir nicht nennen dürfen, sagte dazu unlängst: "Gemesssen am Service auf den Friedhöfen in der Umgebung hat Ergenzingen den schlechtesten."

Vorübergehend und kurzfristig ließen sich wohl einige dieser Probleme aus der Welt schaffen. Unter anderem durch zusätzliche Sitzmöglichkeiten für ältere Mitbürger, eine vernünftige Beschallung seitens des Bestatters, oder durch eine Umstrukturierung innerhalb der Aussegnungshalle.

Ansonsten braucht der Ort einfach mittelfristig eine neue Trauerhalle, die den Ansprüchen, die Bürger an ihren Friedhof haben, auch gerecht wird. Eines ist allerdings sicher: Man wird selbst mit einer neuen Trauer- oder Aussegnungshalle nicht allen Anforderungen der rund viereinhalbtausend Einwohner umfassenden Gemeinde gerecht werden können. Insbesondere dann nicht, wenn eine große Trauergesellschaft einer Beerdigung beiwohnt. Aber zumindest der Service auf dem Friedhof würde sich gegenüber dem heutigen Stand der Dinge grundlegend verbessern.