Das Ergebnis war erwartetermaßen teilweise knapp. In den unmittelbar betroffenen Teilorten von Oberndorf und der Gemeinde Fluorn-Winzeln ist man sich allerdings einig.
Langer Anlauf, viele und wiederholte Diskussionen, schwierige Entscheidungen: Das Thema Windenergieanlagen im Wisoch hat bewegt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und es blieb spannend.
Dass der Bürgerentscheid nach den Voten für die Landtagswahl auszuzählen war – das sieht das Gesetz so vor – macht es nicht weniger spannend. Was dagegen ganz einfach festzustellen ist: Sowohl in der Gesamtstadt Oberndorf wie auch in der Gemeinde Fluorn-Winzeln wollen die Bürger nicht, dass die Kommune Flächen für Windenergieanlagen im „Wisoch“ verpachtet. Beide Gemeinderäte hatten schon entsprechende Beschlüsse gefasst, in Fluorn-Winzeln gibt es bereits einen Vertrag mit dem Projektierer Badenova.
In der Doppelgemeinde ist das Ergebnis klar. Hier wurde immer wieder auch argumentiert, dass die Belastung durch Windenergieanlagen überproportional hoch ist. Denn neben den fünf geplanten Anlagen im „Wisoch“ – zwei im Oberndorfer Stadtwald, eine auf kommunaler und zwei auf privater Feldflur in Fluorn-Winzeln – gibt es ja die beiden lange bestehenden „FluWi“-Anlagen, die jetzt „repowert“ werden sollen, den kleinen Windpark in Waldmössingen und künftig sieben neue Anlagen nordwestlich von Fluorn.
Hohe Abstimmungsbeteiligung
In Winzeln wollten 400 Bürger (55,5 Prozent) dieses eine Windrad auf kommunaler Fläche nicht, 321 hätten der Gemeinde das „Go“ gegeben. In Fluorn sind 290 Bürger (60,9 Prozent) gegen das Projekt, 186 sind dafür. Es hätte mindestens 505 Stimmen gebraucht, um den Gemeinderatsbeschluss zu kippen – und dafür hat es gereicht.
Bürgermeister Rainer Betschner, Befürworter des Projekts, würdigt die mit 70,5 Prozent hohe Abstimmungsbeteiligung, bekennt aber: „Schade, dass die Argumente von Gemeinderat und Verwaltung nicht dazu geführt haben, die Mehrheit zu erringen.“ Was mit den privaten Flächen passiere, darauf habe die Gemeinde keinen Einfluss. „Ich werde nächste Woche den Vertrag mit der Badenova auflösen“, sagt Betschner. Die Frist endet am Freitag. Dennoch, so denkt er, werde das Projekt fortgeführt.
Ergebnis in Oberndorf knapper
Auf Oberndorfer Gemarkung wird dies definitiv nicht der Fall sein. Zwar verteilen sich die Wähler auf eine deutlich größere Fläche und sind auch topografisch getrennt, allerdings war die Stadt insgesamt wohl nicht groß genug, um die Voten, vor allem von den anliegenden Teilorten Beffendorf und Hochmössingen, aufzuheben. Dort sind die Ergebnisse mit 58,2 beziehungsweise 57,9 Prozent gegen die Verpachtung kommunaler Flächen ähnlich wie in Fluorn-Winzeln. Von vielen ein immer wieder genanntes Argument gegen das Vorhaben ist der Wald. Zwei große Windenergieanlagen im „Wisoch“? Für viele unvorstellbar. Bewohner etwa aus Aistaig oder Bochingen – dort ist neben der Autobahn ja auch ein Windpark geplant – sehen das anders.
Das Quorum – 2190 Stimmen wären nötig gewesen – ist deutlich übertroffen. Auffallend waren viele leere Wahlscheine. Was auch immer das bedeuten mag: Das Ergebnis liegt bei 52,1 zu 47,9 Prozent. Wie auch sein Amtskollege bedauert der Oberndorfer Bürgermeister Matthias Winter, dass es nicht gelungen ist, die Mehrheit der Bürger zu einem negativen Votum – also gegen die Ablehnung der Verpachtung der Flächen im Stadtwald – zu bewegen. Für ihn wichtig ist, dass man fair miteinander umgegangen ist. Der moderierte Dialog war ein Schlüssel dafür. Und der Umgang sei stets von Respekt getragen gewesen, sagt Winter. Auch das sei schon ein bisschen beispielgebend: „Ich bin froh, dass man die Bevölkerung nicht wieder zusammenführen muss.“