Das Trinkwassernetz der Stadt ist grundsätzlich in einem guten Zustand. Doch es gibt Problemzonen. Und der Klimawandel setzt die Wasserversorgung zusätzlich unter Druck.
„Wir haben die Trinkwasserversorgung auf Herz und Nieren geprüft“, sagte Ingenieur Marcel Riegel vom Technologischen Zentrum Wasser (TWZ) im Gemeinderat. Das TWZ hat gecheckt, wie leistungsfähig Rohre und Speicher aktuell sind und ob diese Kapazitäten auch in der Zukunft reichen werden. Riegel stellte dort die Ergebnisse dieser Untersuchung im Gremium vor.
Woher kommt das Wasser? Unterlengenhardt bekommt sein Wasser aus dem Hochbehälter Reute, Maisenbach-Zainen vom Hochbehälter im benachbarten Oberlengengardt. Beinberg hat einen eigenen Hochbehälter. Der wiederum ist mit dem Wasserturm in Unterhaugstett verbunden. Beide zusammen gewährleisten, dass auch in Monakam genug Trinkwasser ankommt. Die Kernstadt greift auf gleich drei Hochbehälter zurück: Lengenbach, Diebsfeld, Kaffeehof II. Das Wasser in den Hochbehältern der Kernstadt stammt vor allem aus neun eigenen Quellen. Glasbrunnen, Steinachquelle, alte und neue Stadtquelle, Bischofsbrunnen, vordere Steinbergquelle, Brandquelle und Kollbrunnen - das Wasserwerk Finkenberg leitet das gesammelte Wasser schließlich weiter. Alte und neue Stadtquelle müssen saniert werden. Und weil die Steinbergquelle mikrobiologisch belastet ist, verwendet die Stadt deren Wasser nicht mehr. Zum Teil wird die Innenstadt auch mit Wasser aus dem Zweckverband Schwarzwaldwasserversorgung beliefert. Der wiederum beliefert auch alle Stadtteile auf der Höhe.
Teilweise hohe Verluste im Netz Fast 470 000 Kubikmeter Wasser verbraucht die Stadt insgesamt im Schnitt pro Jahr. Eingespeist werden aber fast 515 Kubikmeter. Das zeigt, dass durch undichte Stellen im Netz Wasser verloren geht. In der Kernstadt ist dieser Verlust mit 27 000 Kubikmetern jährlich mengenmäßig am höchsten. Das entspricht einem Verlustanteil von elf Prozent. Anteilsmäßig sind die Verluste in Maisenbach-Zainen aber noch höher. Über 21 Prozent des Wassers gehen hier verloren, bevor es überhaupt in den Häusern ankommt. „Dort ist eine Sanierung des Wassernetzes nötig“, sagte Ingenieur Riegel. In allen anderen Stadtteilen lägen die Verluste unter zehn Prozent. Diese Werte seien in Ordnung. Er sah in diesen Orten keinen Sanierungsbedarf.
Kernstadt auch in Zukunft gut versorgt Riegel geht nicht davon aus, dass die Einwohnerzahl der Stadt bis 2050 stark wächst. Auch der Bedarf an Wasser verändere sich deshalb nicht erheblich. Die Speicherkapazitäten seien also grundsätzlich ausreichend. Riegel erklärte, dass der Verbrauch zwar gleich bleibe, aber der Tagesspitzenfaktor steige. Der gibt das Verhältnis vom maximalen zum durchschnittlichen Tagesverbrauch an. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um Folgendes: Kann das Wassernetz auch an besonders heißen Tagen den Bedarf decken? Durch den Klimawandel kämen diese heißen Tage häufiger vor, so Riegel. In der Kernstadt sei die Lage aber sicher, erklärte er. „Die Quellschüttungen bleiben stabil“, sagte Riegel.
Komfortable Situation
Auch in heißen Jahren bei leichten Rückgängen hätten die Quellen in der Vergangenheit mindestens dreimal so viel Wasser geliefert, wie die Kernstadt überhaupt entnimmt. Also selbst im Worst-Case-Szenario sehe es auch in Zukunft noch gut aus. In guten Zeiten sprudele aus den Quellen sogar das Zehnfache der benötigten Wassermenge. „Sie haben eine komfortable Situation bei der Eigenwasserversorgung“, resümiere Riegel.
Manche Stadtteile bekommen Probleme In den Stadtteilen sehe es teilweise schlechter aus. Während Riegel in Möttlingen und Beinberg künftig keine Probleme erwartet, könnte in Maisenbach-Zainen, in Unterlengenhardt, in Monakam und in Unterhaugstett das Wasser an heißen Tagen knapp werden. Hier liegen die von Riegel bis 2050 prognostizierten maximalen Tagesbedarfe über dem, was sie von der Schwarzwaldwasserversorgung beziehen dürfen.
Zwei Lösungen
„Da muss man sich Gedanken machen“, sagte Riegel. Es gebe grundsätzlich zwei Lösungen. Die Stadt könne vermehrt auf ihre eigenen Quellen setzen und mit diesem Wasser auch die Hochbehälter der Stadtteile beliefern. Aber dafür müssten neue Leitungen gebaut werden. Und die seien teuer. Die nötigen Investitionen bezifferte Riegel auf etwa vier Millionen Euro. Die andere Möglichkeit sei die Bezugsrechte bei der Schwarzwaldwasserversorgung zu erhöhen, um den steigenden Maximalbedarf abzudecken. Das sei vermutlich günstiger. Stadt und Gemeinderat müssen sich nun überlegen, wie sie reagieren.