Unter Cheftrainer Martin Braun ist die TSG Balingen in der Regionalliga Südwest in ungeahnte Sphären vorgestoßen. Ein Hauch von Profifußball weht gelegentlich durch die Bizerba-Arena. Der 54-jährige Übungsleiter verdeutlicht in unserem Stichwort-Interview, was für ihn besonders wichtig ist.
Die TSG Balingen schwimmt auf einer Erfolgswelle. Vor wenigen Tagen hat nun auch Trainer Martin Braun seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Was macht den Menschen Martin Braun aus und was verbindet ihn mit der TSG Balingen? Wir sind der Persönlichkeit des Erfolgscoaches sehr nahegekommen.
Psychologie
"Ich bin gerade dabei, meine Bachelor-Arbeit für mein Fernstudium zu schreiben. Das ist für mich sehr spannend und sehr interessant. Ich habe den Eindruck, dass mir das Wissen hilft, Erleben und Verhalten von Menschen besser zu verstehen und darauf eingehen zu können."
Erfolg
"Erfolg heißt für mich, Ziele zu erreichen, individuelle Ziele und Gruppenziele. Jeder Klassenerhalt ist unter unseren Bedingungen bei der TSG Balingen ein großer Erfolg. Für mich heißt Erfolg auch, die Mannschaft und einzelne Spieler weiterzuentwickeln. Das ist die Grundlage für gute Tabellenplätze."
Zukunft
"Wenn ich ehrlich bin, kucke ich von Woche zu Woche und habe keinen langfristigen Plan. Das ist auch meine Lebenserfahrung. Deshalb habe ich auch einen Einjahresvertrag unterschrieben. Lange Verträge werden im Fußball sehr oft und sehr schnell gebrochen. Deshalb hat ein langer Vertrag für mich jetzt nichts mit Zukunft zu tun. Fußball ist für mich schon ein Thema, das mich sehr interessiert, doch es kann auch mal sein, dass es für mich eine Zeit ohne Fußball gibt."
Entwicklung
"Das größte Lebensmotiv ist für mich Persönlichkeitsentwicklung, also immer wieder darüber nachzudenken, wie man sich persönlich weiterentwickeln kann. Das finde ich sehr spannend. Das ist etwas, was mich ausmacht. Jeden Tag gibt es Gelegenheit darüber nachzudenken, was passiert gerade, was ist gut. Wo kann man Dinge ergänzen oder verändern im Umgang mit mir selbst und mit anderen Menschen."
Profifußball
"Es ist schon toll, wenn man sich ganz auf diesen Beruf konzentrieren kann. Die Gefahr besteht natürlich, dass man andere Dinge vernachlässigt. Ich hatte natürlich schöne Zeiten im Profifußball, es kann auch sein, dass ich mal wieder im Profifußball arbeite, aber das ist nicht unbedingt notwendig für mich, um ein zufriedenstellendes Leben zu führen."
Balingen
"Auch in Balingen ist Profifußball möglich, doch es muss Menschen geben, die bereit und in der Lage sind, erheblich mehr Geld zu investieren. Wenn das der Fall ist, kann die TSG Balingen darüber nachdenken, unter Profibedingungen zu arbeiten. In der Regionalliga ist meines Erachtens dafür ein Geldbetrag von mindestens zwei Millionen Euro alleine für die Mannschaft vonnöten. Man sieht ja auch, was die anderen Regionalligavereine ausgeben, um unter Profibedingungen zu arbeiten."
SC Freiburg
"Für mich ist das ein Verein, der mir sehr am Herzen liegt, weil ich im Breisgau als Spieler auch eine sehr schöne Zeit hatte. Zu vielen Verantwortlichen habe ich ich noch sehr gute Kontakte. Ich finde es auch sehr beeindruckend, dass alle zusammen es geschafft haben den Verein in den vergangenen 30 Jahren auf so ein Niveau zu bringen. Das finde ich sehr beachtlich und daher bin ich sehr emotional verbunden mit dem Sportclub."
Familie
"Familie ist für mich sehr wichtig. In guten, wie in schlechten Zeiten ist mir die Familie sehr nahe. Ich wohne ja auch wieder in Löffingen, meinem Geburtsort. Es ist sicherlich so, dass es Vereine gibt, wo es familiärer zugeht als in anderen, weil man sehr vertrauensvoll und respektvoll miteinander umgeht. Ich glaube schon, dass solche Vereine ein bisschen mehr Erfolg haben können, als es die finanziellen Mittel eigentlich hergeben."
Lebensziele
"Sportliche Ziele in diesem Sinne habe ich keine. Mein Ziel ist persönliche Entwicklung. Mich als Mensch zu entwickeln ist mein Lebensziel und vernünftig und angemessen mit den Mitmenschen umzugehen, das versuche ich hinzubekommen."
Spuren
Spuren hinterlassen finde ich etwas 'groß', aber ich freue mich schon, wenn ich das Gefühl habe, dass ich meine moralischen Werte so rüberbringen kann, dass ein paar Menschen denken, das ist eigentlich ganz in Ordnung."