Im Eingangsbereich zu seinem Friseurgeschäft weist anhand der Jahrgangsbesten-Urkunde und des Meisterbriefs Sufean Hammo nicht nur seine Qualifikation nach, sondern zeigt sich mit den Vereinswappen von VfB Stuttgart und FC Barcelona auch als Fußball-Fan. Foto: Hans Schabert

Vom Geflüchteten zum Friseurmeister: Sufean Hammo führt in Bad Wildbad erfolgreich seinen eigenen Salon. Wie er es schaffte, Jahrgangsbester zu werden und was ihn antreibt.

Mit 15 Jahren kam Sufean Hammo, wie er erzählt, 2014 mit seiner Mutter aus dem Irak nach Deutschland. Sie landeten in Pforzheim, wo schon Verwandte lebten.

 

Als anerkannte Asylbewerber konnten sie bald den Rest ihrer zehnköpfigen Familie zu sich holen. Sufean Hammo hat einen älteren Bruder und sechs jüngere Geschwister. Dem Völkermord der IS-Terroristen an Tausenden Jesiden in ihrer Heimatregion Shingal entkommen, nahmen sie ihr Leben in Deutschland in die Hand.

Der junge Friseurmeister betreibt seit 2023 den „Wildbader Friseur-Salon“ in der Wilhelmstraße. An der Ecke zum Hofmannsteg machten früher dort ein Bettenausstatter, ein Eissalon und davor jahrzehntelang der den älteren Einwohnern noch bekannte Papier-Riexinger ihre Angebote.

Der an jedem Werktag aus der Goldstadt nach Wildbad pendelnde junge Unternehmer, der das anfängliche „Barber Shop“ in „Wildbader Friseur-Salon“ abgeändert hat, spricht bestes Deutsch.

„Haare machen war immer schon mein Hobby“

Arbeit hat er mit einem Kollegen und einem Auszubildenden im zweiten Lehrjahr wie die anderen Friseure in der Kernstadt genügend. Dies gilt umso mehr, als vor einigen Monaten der jahrzehntelang seine Dienste anbietende Rudi Beck mit über 80 Jahren seinen Betrieb aufgab.

Auf die Frage, wie er zu seinem Beruf kam, meint Sufean Hammo schmunzelnd: „Haare machen war immer schon mein Hobby.“ So war es für ihn nur logisch, an der Alfons-Kern-Schule in Pforzheim eine duale Ausbildung zu starten.

Als jahrgangsbester Geselle ausgezeichnet

Mit berechtigtem Stolz zeigt er seine Urkunde vom Juli 2022, mit der ihn die Friseurinnung Pforzheim/Enzkreis als jahrgangsbesten Gesellen „in Theorie und Praxis“ auszeichnete. „Es freut mich, dass ich an der Schule, wo ich einst lernte, heute unterrichten darf“, sagt er. Nicht ganz ein Jahr war vergangen, als ihm nach dem Besuch der Meisterschule die Handwerkskammer Köln den Meisterbrief ausstellte.

Im März 2023 standen die Räume in der Wilhelmstraße Bad Wildbad leer - Sufean Hammo ergriff seine Chance und eröffnete dort seinen Salon. (Archivfoto) Foto: Hans Schabert

Danach strebte er ein eigenes Geschäft an. In die Bäderstadt führte den mit seiner Familie in Pforzheim Lebenden der Hinweis eines Bekannten, dass die Räume in der Wilhelmstraße seit Langem leer stünden. Er konnte sie bekommen.

Wichtig sei ihm eine ansprechende Einrichtung gewesen. Ein Faible habe er für Farbe, erzählt er. Schneiden und Färben für Frauen übernimmt er generell selbst. Auch wenn er von Montag bis Samstag für Kunden mit oder ohne Termin geöffnet hat, ist der Montag deshalb bei ihm kein Frauentag. Da nimmt er sich eine Auszeit. Wenn er doch im Betrieb ist, besorgt er die Büroarbeit.

Ob er daran denke, irgendwann in seine alte Heimat zurückzukehren, verneint Sufean Hammo. Er habe in Deutschland einen Teil seiner Jugend verbracht und hier gelernt. In der Region Shingal bestehe – so ist auch in Wikipedia oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung nachzulesen – durch politische Machtkämpfe nach wie vor Gefahr für Leib und Leben.

Im Übrigen sei die Infrastruktur am Boden, und etwa ein geregelter Schulunterricht sei nicht gegeben. Er hat bereits die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt. In der MHP-Arena in Stuttgart schaut sich der VfB-Fan gerne Bundesligafußball live an. Gelegentlich reist er auch schon einmal zu einem Spiel des FC Barcelona. Gerade erweitert er, dadurch angeregt, seine nicht gerade knappen Sprachkenntnisse um Spanisch, weil es ihm „einfach gefällt“. Dieses soll zu Deutsch, Arabisch und Jesidisch hinzukommen.