Drogen, Waffen, verbotene Gegenstände – ähnlich wie auf diesem Bild, nur viel umfangreicher, dürfte das Beweismaterial nach den Durchsuchungen am Dienstag aussehen. Foto: Polizei Dortmund

Bei einer Razzia machten die Fahnder am Dienstagmorgen in vier Landkreisen fette Beute – nach Informationen unserer Redaktion soll den Einsatzkräften damit ein kräftiger Schlag gegen das erweiterte Netzwerk des VS-Rotlichtkönigs Boki gelungen sein. Die "United Tribuns" wurden nun verboten.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Das konnte sich sehen lassen: Große Mengen von Drogen im Wert von mehreren zehntausend Euro, Bargeld im fünfstelligen Bereich und elfmal klickten die Handschellen, sieben Personen sollen nach Vorführung beim Richter erst einmal in Haft gewandert sein. Die Polizei nennt es einen Schlag gegen das Organisierte Verbrechen, schreibt in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Staatsanwaltschaft Konstanz von eineinhalb Jahren intensiver Ermittlungsarbeit in dessen Vorfeld.

 

Zu früher Stunde in VS

In Villingen-Schwenningen waren die Einsatzkräfte am frühen Dienstagmorgen zu Gange. Schon zwischen 6 und 7 Uhr durchsuchten nach Informationen unserer Zeitung gleich drei Spezialeinsatzkommandos (SEK) Objekte in der Doppelstadt – es soll sich um Wohnungen von Personen gehandelt haben, die im Verdacht stehen, "überregional gewerbs- und bandenmäßig Zwangsprostitution und Handel mit Betäubungsmitteln betrieben zu haben".

Doch nicht nur dort nutzten die Fahnder die Gunst der frühen Stunde – gleichzeitig gab es Durchsuchungen in vier Landkreisen – neben dem Schwarzwald-Baar-Kreis waren das die Landkreise Konstanz, der Bodensee-Kreis und auch in Titisee-Neustadt wurde man tätig. Es war eine große, ganz offenbar konzertierte Aktion, zu der die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag jedoch noch schwiegen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz habe die erforderlichen Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt, Ergebnis der Razzien sei "umfangreiches Beweismaterial".

Kistenweise Beweismaterial

Den ganzen Tag über waren die Ermittler hinter den Kulissen dann auch im Einsatz, denn während der Durchsuchungen war kistenweise Beweismaterial aus den durchsuchten Objekten getragen worden. Noch am späten Nachmittag waren die Einsatzkräfte daher am Zählen, Erfassen der Beweismittel und nicht zuletzt mussten die Verdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden.

Zunächst gab es elf vorläufige Festnahmen, die Tatverdächtigen: zwischen 20 und 32 Jahre alt, ob der Sohn des international gesuchten und in Villingen-Schwenningen maßgeblich im Rotlicht-Milieu und bei den United Tribunes tätig gewesenen Armin Culum, genannt Boki, mit dabei war, wurde von der Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion nicht bestätigt. Auch einen Zusammenhang zu Bokis Imperium bestätigten die Ermittler nicht – jedoch habe das Polizeipräsidium Konstanz "bei dieser umfangreichen Aktion von Spezialeinheiten der Polizei, darunter auch Sondereinheiten benachbarter Bundesländer und Diensthunde" erhalten.

Erfolge hinter der Grenze

Ende August war schon einmal im Milieu aufgeräumt worden. Kroatische Medien berichteten von der Festnahme Nemir Culums, des Bruders des VS-Rotlicht-Königs Boki, der ebenso wie Boki selbst vor 13 Jahren, kurz vor einer geplanten Razzia geflohen war – Gerüchten zufolge sollen die Brüder den entscheidenden Hinweis damals aus Polizeikreisen erhalten haben. Einst zunächst nach Bosnien-Herzegowina geflohen, soll Nermin Culum nun an der Grenze zu Kroatien festgenommen worden sein – auf Grund und Boden der Europäischen Union. Ein Glücksfall für die Ermittler, hatte man sich in Bosnien-Herzegowina doch bis dahin geweigert, den internationalen Haftbefehl, der auch gegen Armin Culum vorlag, zu vollstrecken – selbst, als die Brüder aufgrund möglicher Verbindungen zu einem Mordfall kurzzeitig in Haft genommen wurden.

Den entscheidenden internationalen Haftbefehl sollen nun stattdessen Schweizer Behörden des Kantons Aargau erwirkt haben – für Nermin Culum ging es dann Berichten zufolge in die Auslieferungshaft nach Zagreb.

Der nächste Schlag im Rotlichtmilieu

Nun, knapp drei Wochen später, der nächste Schlag bei den Durchsuchungen am Dienstag. Bandenmäßige Zwangsprostitution und Handel mit Betäubungsmitteln, was in einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft nüchtern klingt, hat es in sich. Große Mengen an Drogen im Straßenverkaufswert von mehreren zehntausend Euro: Cannabis im mittleren zweistelligen Kilobereich, über zehn Kilogramm Amphetamin, über 1000 Ecstasy-Tabletten sowie ein komplett eingerichtetes Drogenlabor sei den Ermittlern in die Hände gefallen.

"Weiter beschlagnahmten sie Dopingmedikamente, Schreckschusswaffen, Messer und verbotene Gegenstände, aber auch Bargeld in Höhe eines mittleren fünfstelligen Eurobetrags und einen hochwertigen Audi RS5." Imponiergehabe und Muskelspiele, schnelle Autos mit starken Motoren, Drogen aller möglichen Art, inklusive Amphetaminen, und Waffen – typisch fürs Rotlichtmilieu, wo das illegale Geschäft in all seinen Facetten brummt.

Sie fackeln nicht lange

Die deutsche Justiz fackelte angesichts all dessen offenbar nicht lange – die Staatsanwaltschaft erwirkte gegen sieben der Personen Haftbefehle, die der zuständige Richter sofort in Vollzug setzte.

Und was ist nun mit Nermin Culum, Boki selbst und seinem Gefolge, zu dem auch ein Adoptivsohn gehören soll? Informationen unserer Zeitung, wonach auch der Sohn des Rotlicht-Königs der United Tribunes und weitere Akteure aus seinem Fahrwasser beim jüngsten Schlag gegen die organisierte Kriminalität betroffen gewesen sein sollen und wonach sich die bereits vor 13 Jahren aufgeworfene Schlinge um Armin Culum nun weiter zugezogen haben soll, bestätigten die Ermittlungsbehörden nicht, dementiert aber wurden sie bis zum gestrigen Abend jedoch ebenfalls nicht.