Will das stambulante Pflegemodell endlich gesetzlich verankern: Karl Lauterbach. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Viele Jahre hat der Burladinger Unternehmensgründer, BeneVit-Chef und Buchautor Kaspar Pfister für eine gesetzliche Anerkennung seiner stambulanten Pflege gekämpft. Jetzt scheint er einen Erfolg verbuchen zu können.

Der Pflegeunternehmer Kaspar Pfister, dessen BeneVit-Gruppe nicht nur in Albstadt, Burladingen oder Mössingen sondern bundesweit zahlreiche Senioreneinrichtungen und Ärztehäuser betreibt, kämpft seit Jahren für einen Paradigmenwechsel in der Altenpflege. Dazu führte er unzählige Gespräche mit Politikern, schrieb Briefe und ein Buch über die „Pflegekatastrophe“ und mobilisierte die Öffentlichkeit.

 

Sein stambulantes Pflegemodell versteht sich als „Mitmach-Pflegeheim“, in dem nicht nur die Senioren selber, sondern auch ihre Angehörigen einen aktiven Part übernehmen können. Das heißt, Verwandte, so sie wollen, werden aktiv einbezogen, haben die freie Entscheidung über Grund- und Wahlleistungen. Angehörige können einen Teil der Pflegeleistungen selbst übernehmen und reduzieren dadurch die Pflegekosten oder erhalten selbst Leistungsentgelte.

Es sei, so Pfister, „ein zielgerechter Einsatz des Fachpersonals durch die Verknüpfung von ambulanter Individualität und stationärer Sicherheit“. Für ihn ein Meilenstein im Wandel in der Altenpflege.

Seit acht Jahren ein „befristetes Modellprojekt“

Sozusagen als befristetes Modell wurde das acht Jahre lang im BeneVit-Haus in Whyl betrieben, und von den zuständigen Behörden gab es dann knapp vor dem Auslaufen der Sonder-Genehmigung eine Verlängerung.

Dann machten auch 22 Bürgermeister aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und dem Saarland Druck. Darunter auch der Burladinger Stadtchef Davide Licht und seine Amtskollegen Frank Schroft aus Meßstetten, der damalige Albstädter OB Klaus Konzelmann und die Hettinger Bürgermeisterin Dagmar Kuster. In einem offenen Brief an die Sozialministerien und Bundestagsabgeordneten dieser vier Bundesländer, forderten sie eine zügige Reform der Pflegeversicherung sowie die Schaffung einer Rechtsgrundlage für das „stambulante Konzept“. Jetzt scheint der zuständige Bundesminister Karl Lauterbach ein Einsehen zu haben.

Neues Pflegekompetenzgesetz noch vor der Sommerpause?

In einer Pressekonferenz zum neuen Pflegekompetenzgesetz bestätigte er, dass das „Stambulante Modell“ im Sommer dieses Jahres eine gesetzliche Grundlage bekommen soll. „In dieser Pflegereform werden zudem die Leistungen variabler gemacht und so Pflegebedürftige besser und ihre Bedürfnisse entsprechend versorgt.“

Außerdem sollen gezielt Wohnformen gefördert werden, die eine Alternative sowohl zum betreuten Wohnen als auch zu den klassischen Pflegeheimen darstellen. „Es sollen gemeinschaftliche Wohnformen mit Pflege bis zum Lebensende ermöglicht werden“, hieß es in einer Verlautbarung aus seinem Ministerium.

Der Bund könne „Milliarden sparen“

Pfister reagierte prompt und sprach seinen Dank aus. Der Bund könne, wenn sich stambulant durchsetze, „Milliarden sparen“, versicherte er in einer Videobotschaft auf seiner Internetseite.

Auch die 22 Bürgermeister schickten einen weiteren Brief. „Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um Ihnen unseren aufrichtigen und ausdrücklichen Dank auszusprechen“, schrieben sie an Lauterbach. „Es freut uns sehr, dass Sie sich entschieden haben, die dringend notwendigen Reformen im Pflegegesetz anzugehen und ‚Stambulant‘ endlich eine gesetzliche Grundlage zu geben.“