Um Erdwärme nutzen zu können, musste ein Unternehmer in Efringen-Kirchen erst aufwändige Probebohrungen vornehmen lassen. Deren Ergebnisse stehen jetzt fest.
Am Anfang stand der Wunsch beim Unternehmen Rathberger in Efringen-Kirchen, bei Bau und Unterhalt des neuen Verwaltungsgebäudes besonders ressourcenschonend vorzugehen. Doch um, wie gewünscht, künftig Erdwärme für die Heizung und die Kühlung des Gebäudes nutzen zu können, waren zunächst aufwändige Probebohrungen nötig.
Im Seilkernbohrverfahren haben Spezialisten von Baugrund Süd einen kompletten Bohrkern freigelegt und an die Oberfläche geholt. Verschiedene Sedimentschichten – Mergelstein, Schichten von Sand- und Tonstein mit Fischschiefer sowie Küstenkonglomerat – sind darin deutlich sichtbar und künden von längst vergangenen Erdzeitaltern.
An dieser Stelle kann problemlos Erdwärme gewonnen werden
Das Ergebnis: Eine Sulfatführung konnte ausgeschlossenen werden. Das heißt, Gips und Anhydrit waren weder im Bohrkern noch aktuell im Bohrgut nachweisbar. Denn sonst wäre die Gefahr sehr groß gewesen, dass es zu einer Quellung kommt, die sich bis zur Oberfläche hin auswirken kann. Eine Entwicklung wie im nahegelegenen Staufen, wo sich infolge von Erdwärmebohrungen die ganze Stadt in die Höhe gehoben hat, ist damit nicht zu erwarten.
Das gelte übrigens auch für die nähere Umgebung, hält Patrick Blau fest. Als vom Land Baden-Württemberg bestellter unabhängiger Sachverständiger hat der Diplom-Hydrologe die Bohrungen von Beginn an begleitet.
Säuberlich aufgeteilt in Ein-Meter-Abschnitte wurde der Bohrkern der Probebohrung in eigens angefertigten, hölzernen Setzkästen abgelegt und Wissenschaftlern beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg zur Verfügung gestellt.
Dort herrschte große Freude, als der Bohrkern eintraf, in dem verschiedene Erdschichten vom erdgeschichtlich jüngeren Tertiär-Zeitalter bis zum weißen Jura enthalten sind. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse geben Aufschluss über das Erdaltertum im Bereich des Oberrheingrabens und finden Eingang in geologische Karten, erläutert Blau. Der Bohrkern selbst werde im Landesarchiv des LGRB eingelagert.
Rathberger hofft, dass andere Bauherren von der Beprobung profitieren
Für Unternehmer Harald Rathberger folgte darauf ersehnte Startschuss. Eine hohe sechsstellige Summe hat er in die Geothermiebohrung investiert, um den Bau wie geplant genehmigt zu bekommen. Er ist froh, dass die so gewonnenen Erkenntnisse nun wenigstens auch von anderen Bauherren genutzt werden können.
Die Bauarbeiten am Eingang des Gewerbegebiets „Beim Breitenstein“ begannen im Oktober des vergangenen Jahres. Wo vor einem Jahr noch Wiese war, ist jetzt ein vierstöckiges Bürogebäude im Bau. Auch die Firma Baugrund Süd, spezialisiert auf Erdwärmebohrungen, ist dieser Tage wieder vor Ort, um die insgesamt zehn Bohrlöcher für die Erdwärmesonden herzustellen.
Mitarbeiter ziehen im Dezember ein
Im Dezember soll das Gebäude bezugsfertig sein, erläutert Harald Rathberger. 30 moderne Büroarbeitsplätze für Planung, Engeneering und Verwaltung werden in dem vierstöckigen Gebäude geschaffen, dass komplett mit Erdwärme geheizt und im Sommer gekühlt wird. Es sei sein Kernanliegen, betont Rathberger, attraktive Arbeitsplätze für seine Mitarbeiter zu schaffen.