Monika Opferkuch genießt in ihrem Erdhügelhaus vor allem das besondere Raumklima. Im Sommer bleibe es kühl und im Winter warm. Foto: Nadja Varsani

Die Erdhügelhäuser in der Donaueschinger Südstadt wurde gebaut, bevor Nachhaltigkeit ein Schlagwort wurde. Eine „Hüglerin“ berichtet aus 30 Jahren Wohnerfahrung.

„Am Anfang wurden wir belächelt“, erinnert sich Monika Opferkuch, Bewohnerin der ersten Stunde. Heute, rund 30 Jahre später, gelten die Erdhügelhäuser im Süden Donaueschingens als Vorreiter einer Bauweise, die Ressourcen schont und sich harmonisch in die Landschaft einfügt.

 

Anfang der Neunziger habe sie mit ihrem Mann nach Wohnraum gesucht und sei schließlich über einen Zeitungsartikel auf die innovative Neubausiedlung aufmerksam geworden.

„Wir sind erst später dazugekommen, weil eine Partei abgesprungen ist, und haben uns gleich in den Haustyp verliebt“, erzählt die 60-Jährige.

Das Konzept habe das Paar direkt angesprochen, lange bevor „Nachhaltigkeit“ zum Schlagwort wurde, entstand die Ökohaussiedlung unter Einhaltung bestimmter Kriterien: Einbeziehen lokaler Materialien, Nutzung des Aushubs als Dachaufbau und eine Bauform, die wenig Ressourcen verbraucht. Von Beginn an sei an das Miteinander gedacht worden. Auf dem Areal stehen 24 Häuser in drei Bauweisen, alle eint der ökologische Gedanke. „Wir haben eine sehr lebendige Nachbarschaft, sind untereinander befreundet und feiern Quartiersfeste“, berichtet Opferkuch über die heutige Situation.

In seinem Zwei-Personen-Haushalt in Donaueschingen hat Michael Blaurock für Strom, Heizung und Warmwasser im Jahr Kosten von 600 Euro, wie er sagt. Foto: Nadja Varsani

Die Hausbesitzer der Erdhügelhäuser teilen nicht nur Ideale, sondern auch die Heizungsanlage, was ein günstigeres und ökologischeres System ermöglicht. Bei dem Bau wurde eine Erdgasheizung eingerichtet und durch eine Solaranlage ergänzt. Große Südfenster bringen Wärme durch Sonneneinstrahlung und geben den Häusern eine lichtdurchflutete, offene Atmosphäre. Kleine Nordfenster lassen wenig Wärme hinaus. In Heizöl umgerechnet brauchen die Häuser rund sechs Liter pro Quadratmeter. Im Vergleich liegen Häuser der gleichen Errichtungszeit bei zwölf bis 15 Litern pro Quadratmeter.

Die Fertigbauweise habe es der Donaueschinger Hausgemeinschaft ermöglicht, viel am Bau selbst zu machen. Foto: Nadja Varsani

Gerade arbeitet die Hausgemeinschaft daran, die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Michael Blaurock ist einer der Energieexperten der Hausgemeinschaft und hat sich von Beginn an intensiv mit dem Energiesystem der Erdhügelhäuser beschäftigt. „Wir haben kürzlich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt-Peak (kWp) in Betrieb genommen. Der erzeugte Strom versorgt künftig zwei neu errichtete Wärmepumpen. Perspektivisch rechnen wir damit, nur noch rund zehn Prozent des Energiebedarfs über Gas decken zu müssen“, erklärt Blaurock.

Bei der Errichtung der Häuser wurde versucht, weitestgehend natürliche Materialien zu verwenden. "Unsere Fenster sind mit Kork aufgeschäumt", erklärt Monika Opferkuch. Foto: Nadja Varsani

Am Anfang sei das Interesse an den experimentellen Häusern enorm gewesen. „Hier kamen teilweise Reisebusse mit Menschen an, die sich anschauen wollten, wie wir wohnen“, erinnert sich Monika Opferkuch. Das lag auch daran, dass sie mit dieser Bauform Pioniere im Land waren.

Dass sie nicht auf Erfahrungen gängiger Architekturkonzepte zurückgreifen konnten, habe auch zu Chaos in der Bauphase geführt. Es ging etwa darum, ein geeignetes Heizungssystem zu finden oder das Konzept von Trockentoiletten umzusetzen. „In einigen Punkten mussten die Idealisten unter uns dann doch Abstriche machen.

Aus den Trockentoiletten wurde nichts, und der Keller unter den Häusern musste aufgrund statischer Gegebenheiten betoniert werden. Gerne hätten wir auf industriell veredeltes Material verzichtet“, berichtet Opferkuch.

„Es gab viele Bedenken, vor allem, was die Statik des Dachs angeht. Die Befürchtungen waren, dass das Dach den Belastungen von Erde und Schnee im Winter nicht standhält. „Aber 33 Jahre später stehen sie immer noch“, sagt Opferkuch. Rund 160 Tonnen Aushub seien auf den Dächern verteilt worden. Die Dachisolierung bestehe vorwiegend aus natürlichen Materialien wie Gips, Zellulose und Wollfilz.

Monika Opferkuch zeigt Zeitungsartikel aus der Vergangenheit. Mittlerweile sei das Interesse an den ungewöhnlichen Häusern zurückgegangen. Foto: Nadja Varsani

Mittlerweile sei die Neugierde zurückgegangen. So gerne wie sie hier lebe, wundere es sie sehr, dass es nicht mehr Nachahmerprojekte gebe. In dieser Bauform wisse sie nur von weiteren Häusern in Rottenburg am Neckar. „Für viele Menschen ist es suspekt, kein richtiges Dach zu haben, und die Rundung der Häuser fängt bei 1,20 Raumhöhe an. Das führt dazu, dass es wenig Stellfläche gibt.“

Heute wohnt die Musiklehrerin alleine im Haus. Die beiden Töchter sind erwachsen und ausgezogen, und von ihrem Mann habe sie sich getrennt: „Ich lebe hier zwar alleine, aber ich fühle mich nicht einsam. Das liegt an der besonderen Wohnform und an der Gemeinschaft, die über die Jahre gewachsen ist. Auch nach mehr als 30 Jahren ist es für mich gigantisch, hier zu wohnen.

Die Ökosiedlung

Die Planungen
zum ökologischen Quartier entstanden 1991 aus einer Idee des damaligen Stadtbaumeisters Hans Bunse und des ehemaligen Umweltberaters Gerhard Bronner. Errichtet wurden die Erdhügelhäuser von der Bönnigheimer Architektengruppe „Archi Nova“. Neben den neun Erdhügelhäusern zählen Blockholzhäuser und Solarreihenhäuser zur Nachbarschaft.