Josephine Stemmer ist als Klimaanpassungsmanagerin der Gemeinde Althengstett Ansprechpartnerin für Verwaltung und Bevölkerung. Foto: Marion Selent-Witowski

Hitzewellen, sinkende Grundwasserspiegel, Ernteausfälle, Waldbrände und Schäden durch Starkregen – beim Klimawandel und seinen Folgen will man in Althengstett gegensteuern. Eine Strategie dafür arbeitet Josephine Stemmer in den nächsten zwei Jahren aus.

Klimaschutz ist seit Jahren ein Schwerpunktthema der Kommunalpolitik in Althengstett. Der Klimaanpassung hingegen wurde bislang wenig Beachtung geschenkt, also der Frage, wie auf lokaler Ebene Anpassung an die Erderwärmung helfen kann, besser mit seinen Folgen umzugehen, Schäden in Grenzen zu halten und mögliche Chancen zu nutzen.

 

Förderung durch das Bundesumweltministerium

Förderung Im Mai 2022 war die Stelle des Klimaschutzmanagers ausgelaufen, eine Fortführung selbiger aber keine Frage, weil Klimaschutz ein fortlaufender Prozess ist, für den es weiterhin einen zentralen Ansprechpartner bei der Gemeinde geben soll. Deshalb hatte sich der Gemeinderat dazu entschlossen, der Stelle eines Klimaanpassungsmanagers zuzustimmen, wenn es dafür eine Förderung aus Bundesmitteln gibt, was nun der Fall ist. Ein weiterer Grund: Die Aufgaben in diesem Bereich werden künftig noch wachsen, vor allem durch weitere Anforderungen in der Klimaschutzgesetzgebung. Die vom Ratsgremium abgesegnete Stelle im Althengstetter Rathaus wurde befristet auf zwei Jahre ab dem 1. Juni eingerichtet. Die Stelle wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Aktivitäten der Kommune in diesem Bereich werden künftig mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes sowie der Klimaanpassungsstrategie des Bundes und des Landes Baden-Württemberg in Einklang gebracht. Kooperiert wird dabei auch mit dem Landratsamt und dem Regionalverband Nordschwarzwald.

Ziel Das Erstellen eines Integrierten Klimaanpassungskonzeptes für die Gemeinde Althengstett, um die zukünftigen Anpassungen and die Folgen des Klimawandel zu verstehen, Lösungsansätze zu planen und Finanzmittel zu besorgen, lautet das Ziel. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 250000 Euro, wovon die Gemeinde Althengstett 20 Prozent, also rund 44000 Euro, selbst tragen muss.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Obwohl es Möglichkeiten gibt, mit dem Klimawandel umzugehen, soll in der Gäugemeinde auch künftig der Klimaschutz nicht vernachlässigt werden, weil er unter anderem eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist: Je stärker der Klimawandel ausfällt, desto teurer werden auch die Maßnahmen zur Anpassung an seine Folgen. Auf tatkräftige Unterstützung wird Stemmer wie auch zuvor der Klimaschutzmanager der Gemeinde dabei durch die Mitglieder des Arbeitskreises Energie setzen können.

Konflikte zwischen Anpassung und Klimaschutz

Ein Beispiel für Klimaschutzmaßnahmen, die auch die Klimaanpassung fördern, sind gedämmte Häuser. Sie senken nicht nur den Energieverbrauch von Gebäuden, sondern mindern auch die durch den Klimawandel steigende Hitzebelastung im Sommer. Der Einbau von Klimaanlagen in Wohn- und Bürogebäuden wiederum kann auch zu Konflikten zwischen Anpassung und Klimaschutz führen. Während Klimaanlagen große Hitze erträglich machen und damit eine effektive Anpassungsmaßnahme darstellen, ist der erhöhte Stromverbrauch wiederum schlecht für das Klima aus. Synergien und Konflikte bei der Planung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu berücksichtigen, wird künftig eine der Kernaufgaben der neuen Klimaanpassungsmanagerin sein.

Von Zypern nach Althengstett

Werdegang Stemmer wuchs bei Tiefenbronn im Enzkreis auf. In Freiburg hat sie auf Lehramt studiert, ein Jahr lang Deutsch in Irland unterrichtet, ihren Bachelor in Englisch und Geschichte gemacht, letztlich aber festgestellt, dass der Lehrerberuf doch nicht für sie infrage kommt. Zwischenzeitlich arbeitete sie für das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme im Bereich Projektmanagement und merkte schnell, dass das ihr Ding ist. In den vergangenen beiden Jahren war die 32-Jährige auf Zypern im Bereich Erneuerbare Energien-Forschung tätig.

Und jetzt von der Insel im östlichen Mittelmeer für einen beruflichen Neuanfang als Klimaanpassungsmanagerin nach Althengstett – wie kam das? „Meine Schwester lebt in Althengstett und hat mir von der Stellenausschreibung erzählt“, berichtet Stemmer im Gespräch mit unserer Redaktion. Da sie über kurz oder lang eh nach Deutschland habe zurückkommen wollen, habe sie sich beworben.

Jeder kann die Folgen des Klimawandeln schon spüren

Fühlbar „Der Klimawandel ist jetzt schon fühlbar“, betont die 32-Jährige. Das wisse beispielsweise jeder, dem in den vergangenen Jahren bei Starkregen der Keller überschwemmt worden sei. In nächster Zeit wird sie die drei Ortsteile kennenlernen und untersuchen, welche Klimawandelgefahren es dort gibt und daraus Maßnahmen ableiten. Wichtig ist ihr dabei der Dialog mit der Bevölkerung: „Ich mache das Anpassungskonzept nicht für das Rathaus, sondern für die Bürger“, sagt Stemmer. Wobei ihr Blick von außen auf das Mikroklima Gemeinde auch dazu dienen wird, die verschiedenen Abteilungen im Rathaus bei der Bearbeitung des Themas Klimaschutz und -anpassung näher zueinander zu bringen.

Gedankenspiele sollen zur Norm werden

„Die Erde erwärmt sich. Das ist nicht zu stoppen“, so Stemmer. Sie wolle – vor allem auch mit niederschwelligen Angeboten – aufzeigen, was auf lokaler Ebene getan werden kann, um besser mit dem Klimawandel umzugehen, „die Bürger sollen dabei mithelfen“. Es gelte, Gedankengänge zur Norm zu machen. Es stünden Entscheidungen nicht für das Jetzt an, sondern es müsse langfristig gedacht werden – etwa bei der Verwendung von Baumaterialien oder dem Einbau von Straßenbelägen.

Umgang mit unabwendbare Folgen

Klimaschutz
Hierbei handelt es sich um Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Erwärmung, vorrangig durch die Verringerung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan. Dazu zählen technische Maßnahmen wie die Erhöhung von Energieeffizienz oder der Ersatz von fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas durch erneuerbare Energien.

Klimaanpassung
Dabei geht es um Maßnahmen zur Anpassung an die sich durch den Klimawandel verändernden klimatischen Bedingungen: Begrünung und Beschattung, Bewässerung und Entwässerung, aber auch um den Aufbau von Monitoring- und Warnsystemen. Jede Kommune muss sich darauf einstellen, dass künftig intensivere Hitzeperioden, längere Trockenphasen und häufigere Extremwetterereignisse wie Starkregen auf sie zukommen. Die letzten Hitzesommer sowie Starkregen im Sommer 2021 und Überflutungen sind den Althengstettern noch bestens im Gedächtnis und haben sie für den Klimaschutz sensibilisiert. Um Schäden vorzubeugen, soll in der Gäugemeinde so früh wie möglich die Anpassung an Klimaveränderungen greifen – die zentrale Aufgabe der Klimaanpassung auf lokaler und regionaler Ebene.