Im Sommer 2021 erneuerte der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen in einem aufwendigen Verfahren die alten Rohre am Bohrloch zwei und drei der Johannisquelle. (Archiv) Foto: Strohmeier

Tiefe Geothermiebohrung sind in Bad Dürrheim nicht erlaubt. Wie erschließt dann der Mineralbrunnen seine Quellen und wie wurde das Sole-Bohrloch XI auf der Hirschhalde niedergebracht?

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Freiburg, gibt auch hier Auskunft – die Art der Bohrung und deren Durchmesser ist hier ein entscheidender Faktor.

 

Das Solebohrloch XI auf der Hirschhalde hat rund 300 Meter Tiefe, die letzte Mineralwasserbohrung, ebenfalls auf der Hirschhalde, geht auf etwa 200 Meter Tiefe.

„Beim Bau der Sole- und Mineralwasserbohrungen in Bad Dürrheim mussten tatsächlich Gips und Anhydrit führende Gesteine durchbohrt werden“, informiert Annika Nafz, Referentin Öffentlichkeitsarbeit am Regierungspräsidium Freiburg.

Aufwändiges Bohrverfahren

Im Gegensatz zu Erdwärmesonden-Bohrungen (EWS) wurden diese Bohrungen jedoch mit anderen, aufwändigeren Bohrverfahren und Ausbautechniken ausgeführt. Das Imlochhammerbohrverfahren, ohne Ausbau der Bohrung, mit Rohren war nicht geeignet.

Beim Imlochhammer(bohr)verfahren (drehschlagendes, direktes Spülbohren) wird das Gestein in kleine Fragmente zertrümmert und durch einen kontinuierlichen Luftstrom an die Oberfläche befördert. Dieses Bohrverfahren wird beim Bau von EWS vor allem aufgrund wirtschaftlicher Aspekte, geringerer Aufwand und Kosten bevorzugt.

Kleinerer Durchmesser

Das Imlochhammerverfahren wird mit relativ kleinen Bohrdurchmessern von üblicherweise 125 bis 135 Millimetern durchgeführt. Der Einbau von Schutzrohren ist in der Regel nicht notwendig. Das Bohrverfahren mit relativ kleinem Bohrdurchmesser kann unter Umständen jedoch große Schwierigkeiten beim Ausbau der Bohrungen verursachen; insbesondere bei komplexen oder kritischen Untergrundverhältnissen. Fehlerhafte Ausführungen von EWS-Bohrungen können gravierende Schadensfälle nach sich ziehen, weshalb in Baden-Württemberg die Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden (LQS EWS) eingeführt wurden. Diese regeln generelle und spezifische, der Geologie angepasste Anforderungen bei der Herstellung von Erdwärmesondenanlagen.

An besondere Untergrundverhältnisse angepasste Bohrungen haben größere Durchmesser – im Fall der Solebohrung XI zwischen 660 Millimetern oberflächennah und etwa 210 Millimetern in großer Tiefe, was den Ausbau mit teleskopartig, konzentrisch ineinandersteckenden Sperrohren, ermöglicht.

Zement dichtet Hohlräume ab

Diese Ausbaumethode stabilisiert das Bohrloch und dichtet es gegen das umgebende Gestein ab. Dafür wird Zement in den Hohlraum zwischen den einzelnen Rohren sowie den Rohren und dem Gestein eingebracht. So kann beispielsweise die natürliche Trennung von Grundwasserstockwerken, die beim Durchbohren aufgehoben wird, wiederhergestellt werden. Weiterhin kann Auslaugung von Gips und Quellen von Anhydrit dadurch entgegengewirkt werden.

Zusammengefasst unterscheiden sich EWS-Bohrungen und Wasserbohrungen, zum Beispiel zur Erschließung von Grund- und Mineralwässern, deutlich in ihrem Aufwand, in der verwendeten Technik hinsichtlich Ausführung und Ausbau sowie den damit verbundenen Herausforderungen.