Der Bad Liebenzeller Ex-Bürgermeister Dietmar Fischer Foto: Biermayer

Dietmar Fischer möchte im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen Bürgermeister werden. Warum tritt er wieder zu einer Wahl an? Und was bedeutet das für die Stadt Bad Liebenzell?

Acht Jahre war Dietmar Fischer Bürgermeister von Bad Liebenzell. 2022 wurde er abgewählt. 2024 schaffte er für die CDU den Sprung in den Gemeinderat. Zwischenzeitlich trat Fischer bei zwei weiteren Bürgermeisterwahlen an: in Bad Wildbad und in Eppelheim bei Heidelberg. Beide Male unterlag er klar. Nun will Fischer einen neuen Versuch starten. Er kandidiert bei der Bürgermeisterwahl in Bruchhausen-Vilsen. Bruchhausen-Vilsen liegt im Landkreis Diepholz in Niedersachsen, etwa eine Autostunde südlich von Bremen. Es handelt sich dabei um eine Samtgemeinde, einem in Niedersachsen üblichen Konstrukt. Hierbei schließen sich mehrere weiterhin eigenständige Gemeinden zusammen. Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen kommt so auf knapp 18.000 Einwohner. Der Flecken Bruchhausen-Vilsen ist ein staatlich anerkannter Luftkurort. Bisher ist dort der parteilose Bernd Bormann Bürgermeister der Samtgemeinde. Er kündigte aber bereits im vorigen Jahr an, aus Altersgründen nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Schnell warf Lars Bierfischer, unterstützt von der SPD, für die Wahl am 13. September seinen Hut in den Ring. Bierfischer ist schon Flecken-Bürgermeister. Die anderen Gemeinderatsfraktionen - dazu zählen CDU, FDP, Grüne und die Unabhängige Wählergemeinschaft - suchten gemeinsam nach einem Konkurrenten. Dabei fiel ihre Wahl auf Dietmar Fischer.

 

Dutzend Mitbewerber Wie die Kreiszeitung aus dem Landkreis Diepholz berichtete, hat Fischer sich dabei gegen ein Dutzend Mitbewerber durchgesetzt. Er kam demnach in eine engere Auswahl, überzeugte dort letztlich die vier Fraktionen persönlich von sich. „Er bringt Energie mit und Lust auf Herausforderungen“, zitiert die Kreiszeitung Torben Garbers, der für die CDU an dem Auswahlgespräch teilnahm. Fischer habe sich laut Gabers kompetent und erfahren präsentiert.

Warum tritt Fischer nach drei erfolglosen Versuchen wieder zu einer Bürgermeisterwahl an? Der Beruf begeistere ihn schlicht und ergreifend, sagt er unserer Redaktion. Man könne mit Menschen für Menschen Lösungen entwickeln. „Das Amt des Bürgermeisters gibt mir die Kraft, Motivation, Lebensfreude, Zufriedenheit und Spaß“, so Fischer. Auch er betont seine Erfahrung, die er einbringen könne, ebenso seine „Kreativität, Leidenschaft und Transparenz“.

Er wolle helfen, die Ideen der Bevölkerung durch den „Irrgarten Bürokratie und Verwaltung“ zu führen. Dass er sich in Bruchhausen-Vilsen bewerbe, liege daran, dass dort vier Gemeinderatsfraktionen gemeinsam nach einem Kandidaten gesucht hätten. „Spontan“ habe er seine Bewerbung dort eingereicht. „Was soll ich sagen, es entwickelte sich ein positives Gefühl, Interesse und Zuneigung. Ich freue mich auf eine neue spannende Zeit in Bruchhausen-Vilsen“, sagt Fischer.

Nach beruflichen Stationen in München, Österreich, der Schweiz und sei „jetzt scheinbar die Zeit für Norddeutschland und Niedersachsen gekommen“. Menschen und Region dort seien „liebenswert und besonders“.

Wie hoch sind Fischers Chancen? Fischer schätzt seine Chancen als hoch ein: „Eine Wahl gehe ich optimistisch und mit dem Ziel an, diese auch zu gewinnen. Als Person Dietmar Fischer mit all meinen Stärken und Schwächen möchte ich Menschen überzeugen und für die nächsten acht Jahre ihrer Gemeinde, ihrer Region und ihren Wünschen gerecht werden“. Aber die Entscheidung liege bei den Menschen vor Ort. Seine politische Vergangenheit sah Fischer nicht als Nachteil.

Zerwürfnis mit der CDU

Neben mehreren verlorenen Bürgermeisterwahlen und einem öffentlichkeitswirksamen Zerwürfnis mit der CDU landete er vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft warf im Untreue im Zusammenhang mit Pachtverträgen über städtische Grundstücke in den Talwiesen vor. Das Amtsgericht Calw sprach Fischer frei. „Selbstverständlich war meine politische Vergangenheit Thema bei den ersten Gesprächen“, erzählt er. Aber Fischer glaubt, dass sich die vier Fraktionen vielleicht gerade wegen dieser Erfahrung für ihn als Kandidaten ausgesprochen hätten.

Die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Verwaltung würden nicht einfacher. „Höhen und Tiefen erlebt zu haben, daraus zu lernen, stärken einen Menschen und eine Partnerschaft“, so Fischer. Es gelte „sturmerprobt“ neue Themen zu bewältigen.

Was heißt das für Bad Liebenzell? Aktuell sitzt Fischer im Gemeinderat. Theoretisch könnte Fischer auch nach einer Wahl zum Bürgermeister im Gemeinderat bleiben. Dafür müsste sein Hauptwohnsitz in Bad Liebenzell bleiben. „Ein Blick auf die Landkarte und die Frage dürfte sich fast von selbst beantwortet haben“, so Fischer. Er blicke mit Stolz auf seine „sehr erfolgreiche Zeit als Bürgermeister in Bad Liebenzell“ zurück. Seine Wahl ins Gremium haben ihn bestätigt, seine Energie für kommunale Themen einzubringen.

Nur ein Zwischenschritt?

Allerdings kandidiert er, seit er in den Gemeinderat gewählt wurde, schon zum zweiten Mal in einer anderen Kommune als Bürgermeister. War das Gemeinderatsmandat also immer bloß ein Zwischenschritt für ihn? Fischer antwortet schwammig. Sein Leben sei seit der Kindheit von Vereinen und Kommunalpolitik geprägt. Neue Lebensabschnitte orientierten sich nicht an Plänen, sie „passieren einfach“, sagt er, um danach Hermann Hesses „Stufen“ und dem jedem Anfang innewohnenden Zauber zu zitieren.

Ganz reale Konsequenzen

Fischers Abschied hätte für den Gemeinderat aber ganz reale Konsequenzen. Denn seine CDU-Fraktion hat keine möglichen Nachrücker mehr. Sie würde um einen Sitz schrumpfen. Dadurch änderten sich die Machtverhältnisse im Gremium. Und keiner der ursprünglich gewählten CDU-Kandidaten säße noch im Gremium. Ob Fischer verstehen kann, dass die CDU-Wähler enttäuscht wären? Die Kommunalwahl sei eine Personenwahl, antwortet er. Es sei schade, dass man 2024 nicht mehr Personen für die Kommunalpolitik habe begeistern können.

Sollte Fischer gehen, dürften manche in Bad Liebenzell aufatmen. Denn mit ihm ginge die im politischen Betrieb der Kurstadt wohl polarisierendste Figur der vergangenen Jahre.