Die HFU-Rektorin Alexandra Bormann (links mit Mikro) im Gespräch mit Manuel Hagel (rechts). Foto: Cornelia Hellweg

Sommertour mit Manuel Hagel als CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2026 macht Station in Schwenningen.

„Ins Gespräch kommen“ steht im Fokus der Sommertour von Manuel Hagel. Der 37-Jährige ist CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag Baden-Württemberg und will der nächste Ministerpräsident des Landes werden. Die nächste Landtagswahl ist für den 8. März 2026 terminiert. Das dient außerdem dazu, sich im Land bekannter zu machen. Denn laut Umfragen kennen mehr potenzielle Wähler seinen Herausforderer von den Grünen, Cem Özdemir.

 

Mannheim, Stuttgart, Ulm, am Donnerstagabend Villingen-Schwenningen und am Freitag Karlsruhe sind die Stationen dieser Hagel-Tour. Der Stopp im Oberzentrum ist der einzige in einem eher ländlichem Raum. Veranstaltungsorte sind für so ein Format eher ungewöhnlich. In Stuttgart war man in einem Hip-Hop-Club zu Gast, in Schwenningen ist die Lagerhalle von Helios Ventilatoren hergerichtet. Außerdem hatte er vor dem Abendtermin die Gelegenheit zu einem Abstecher in die Helios-Arena genutzt und die Babyklappe von der ProKids-Stiftung mit Joachim Spitz besichtigt.

„Wir haben die Anfrage bekommen und zugesagt“, berichtete Günther Müller von der Geschäftsleitung von Helios Ventilatoren auf Anfrage am Rande der Veranstaltung.

Das CDU-Tourteam hatte tribünenartig angeordnete Sitzbänke in Form einer kleinen Arena hingestellt. Ein riesiger roter Ventilator sorgte an diesem Sommerabend für frischen Wind. Gekommen waren rund 150 Personen, eine ganze Reihe CDU-Mitglieder aus VS und der Region, darunter OB Jürgen Roth, Renate Breuning als Ehrenvorsitzende der CDU-VS, der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Karl Rombach oder der CDU-Landtagskandidat Andreas Braun. Aber auch Besucher aus der weiteren Region gaben sich später bei Wortmeldungen zu erkennen. Dazu gehörte beispielsweise der Freiburger Finanzbürgermeister Stefan Breiter oder Mathieu Coquelin von der Fachstelle Extremismusdistanzierung in Sindelfingen. Entsprechend breit gefächert waren die Themen, die nach seinem Eingangsstatement an Manuel Hagel herangetragen wurden: Krise in der Automobilindustrie, Kinderbetreuung, Finanzierung der Kommunen, Bildungs- und Hochschulpolitik, der Umgang der CDU mit der Alternative für Deutschland (AfD).

Von Kitas bis zur AfD

Den Abend leitete Johannes Hellstern als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes ein. „Manuel Hagel ist das zweite Mal innerhalb eines Jahres in VS zu Gast – und außerdem mein Jahrgang.“ Dann betritt Manuel hagel den Ring – und los geht’s. Die Ermunterung zu Beginn, doch bitte rege Fragen zu stellen, hätte es wohl nicht gebraucht. Gebeten wurde darum, dass die jeweilige Frage nicht länger als 30 Sekunden dauert. Die Veranstaltung selber war auf 90 Minuten ausgelegt. Ein Gongschlag, so die Ankündigung, werde das Ende markieren.

Stand Rede und Antwort: Manuel Hagel Foto: Cornelia Hellweg

Nicht jammern sondern die Ärmel hochkrempeln und Probleme anpacken und lösen, lief als roter Faden durch seine Ausführungen. Diese Haltung sieht er als „Spirit“, mit dem Baden-Württemberg ein leistungsstarkes Land geworden sei. „Schauen wir nicht immer nur auf die Lauten sondern auf die Leute, die die Ärmel hochkrempeln und keine Zeit haben zu schreien, weil sie schaffen.“ Irgendwann zieht Hagel dann die Anzugjacke aus und steht selber mit aufgekrempelten Hemdsärmeln am Mikro.

Absage an Atomstrom

Gefragt nach der Energiepolitik der Bundesregierung, erteilte Hagel eine erneute Nutzung von deutschem Atomstrom eine Absage. Dann müsse man neue Atomkraftwerke bauen. Die aber wolle niemand vor der eigenen Haustür haben, und das Problem Endlagerung sei nicht gelöst. Für ihn sind erneuerbare Energien die Zukunft. Bis die Infrastruktur aber soweit sei, werde man Gas als Brückentechnologie benötigen. Außerdem müsse man sich auf die Infrastruktur für grünen Wasserstoff konzentrieren.

Angesprochen auf Aspekte der Bildungspolitik gab er sich als Anhänger des gegliederten Schulsystems zu erkennen. Anders als bei der Sozialpolitik sieht er die Notwendigkeit, hier eher mehr Geld zu investieren bei Setzung anderer Schwerpunkte als bisher. Zum Beispiel bei der Verbesserung der Sprachkompetenz und sonstiger Grundfertigkeiten im Kindergarten. Lernen in der Grundschule solle sich konzentrieren auf Rechnen, Schreiben, Lesen, Bewegung, musische Erziehung. Außerdem brauche es insgesamt mehr Erziehung zu Medienkompetenz.

Fragen aus dem Publikum. Foto: Cornelia Hellweg

Nahezu leidenschaftlich fiel die Antwort aus auf die Frage des Umgangs der CDU mit der AfD. Er komme aus der Landwirtschaft und arbeite auf dem Bau, sagte Elias Kunz aus Rottweil. „Bei politischen Diskussionen auf der Arbeit driften die Meinungen öfter nach Rechtsaußen. Wie kriegt man das wieder eingefangen zurück zur politischen Mitte?“ Für die CDU-Landtagsfraktion schließe er eine Koalition oder eine koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der AfD aus, unterstrich Manuel Hagel.

Besinnung auf Grundwerte

„Wir werden mit diesen Leuten nichts machen. Wir haben keine gemeinsamen Ziele und sehen viele Themen fundamental anders.“ Er berief sich auf die Anfänge der CDU nach dem Zweiten Weltkrieg und unter Konrad Adenauer. „Wir sind gegründet worden, um das Land vor Extremisten zu schützen. Wir brauchen keine Brandmauer, weil wir die Brandmauer sind.“ Hagel machte einen Unterschied zwischen der AfD als Partei und ihren Wählern. Die möchte er zurückgewinnen für die bürgerliche Mitte.

Auch die aktuelle Kündigungswelle bei großen Automobil(zulieferer)unternehmen in Baden-Württemberg wurde angesprochen. Hagel hält nichts von einem Verbrennerverbot. „Unser Problem sind die Energieträger.“ Deswegen müssten mehr Ressourcen in Forschung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen fließen. Für eine weiterhin starke Wirtschaft in BW seien die Gesundheits- und Krebsforschung, die Verteidigungsindustrie und die KI-Industrie wichtige Stützen. „Alle Großen sind bei uns im Land.“ Bei der Gäubahn äußerte er sich „verhalten optimistisch, dass wir was hinbekommen.“

Als nach mehr als 90 Minuten der Schlussgong läutete, ging die Diskussion noch munter fast eine Stunde weiter und endete mit kräftigem Applaus.

Zur Person

Manuel Hagel
 wurde am 1. Mai 1988 in Ehingen an der Donau geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit dem Jahr 2026 gehört er dem Landtag Baden-Württemberg als Abgeordneter an. Seit 2021 ist er dort CDU-Fraktionsvorsitzender und außerdem seit 2023 Vorsitzender der CDU BW. Für die Landtagswahl 2026 ist er der Spitzenkandidat seiner Partei.