Ex-Fußballtrainer Christian Streich (links) stand Moderator Markus Knoll im Europa-Park-„Teatro“Rede und Antwort. Foto: Piskadlo

Christian Streich war im Europa-Park und sprach darüber, welche Lehren er aus seiner Karriere gezogen hat. Dabei gab er der jungen Generation einiges mit auf den Weg.

„Vom frühen Morgen bis zum späten Abend sind hier sehr viele Menschen mit verschiedenen Talenten und Rollen unterwegs – ein dynamisches Gefüge, das wir heute Europa-Park nennen. Hier geht es zu wie in einer großen Mannschaft“, begrüßt Park-Seelsorgerin Andrea Ziegler rund 300 Besucher im „Teatro“-Saal anlässlich des Jahresabschlusses der Volksbank Lahr. Ihre Worte sind bewusst gewählt, denn in wenigen Minuten kommt ein Mann auf die Bühne, der Experte in Sachen Teamarbeit ist: Ex-Fußballtrainer Christian Streich. Er sei jemand, der die drei Leitwörter des Abends „Vielfalt, Führung und Miteinander“ verkörpere und mit Bodenständigkeit begeistere. „So kommen wir ganz nah an den Kern der Weihnachtszeit“, betont Ziegler. Mit dieser Meinung ist sie am Dienstagabend offenbar nicht allein. Streichs Weg vom Sitzplatz bis zur Bühne wird mit lautem Beifall begleitet.

 

Niederlagen muss man mit Mut begegnen

Moderator Markus Knoll begrüßt ihn und bringt den 60-Jährigen mit seiner ersten Frage zum Grübeln. „Weltmeisterschaft 1986, das Tor von Diego Maradona – ,die Hand Gottes’. Wie viel Glaube steckt in Fußball?“ Streich entgegnet mit einem kurzen „Puh“, antwortet anschließend: „Ein Stadion ist wie eine kultische Stätte. Die Verbundenheit unter den Fans ist die Sehnsucht nach Nähe – und das gilt überall auf der Welt. Dennoch glaube ich, dass Religion Spiritualität braucht und dass Fußball nicht zu viel aufgebürdet werden darf.“

Streich war 29 Jahre lang als Trainer aktiv

29 Jahre lang war Streich als Trainer beim SC Freiburg tätig – anfangs für die Jugend, von 2012 bis zu seinem Karriereende im vergangenen Jahr hatte er die Chef-Position inne. In dieser Zeit wurden nicht nur Erfolge gefeiert, auch bittere Niederlagen musste er einstecken. „Wie geht man damit um – und wie kann man das aufs Privatleben übertragen?“, will Knoll wissen. Streich hat hierzu eine klare Meinung: „Eine Niederlage ist per se nicht schlimm, sondern die Konsequenzen. Der Druck steigt und die Atmosphäre verändert sich. Aber man muss Mut haben und gegen seine Angst arbeiten.“ Auf die Frage, ob die Gesellschaft „mutlos“ geworden sei, entgegnet der Experte: „Das finde ich nicht.“ Demnach kenne er viele junge Menschen, die neue Wege beschreiten und sich einbringen würden. „Was es in Zukunft brauchen wird, ist Zivilcourage“, ist sich Streich sicher.

Streich spricht sich gegen Klischees aus

Apropos junge Menschen: Was kann ihnen der langjährige Fußball-Coach auf den Weg geben? „Offen sein und Stereotypen vergessen. Im Europa-Park arbeiten mehr als 100 Nationen – das würde nicht funktionieren, wenn man nur Menschen aus Freiburg einstellen würde. Es geht um die Talente – nicht, woher man kommt“, trifft es Streich auf den Punkt. Demnach rede man heutzutage viel über Werte, ob man sie jedoch lebt, sei eine andere Frage. Deshalb lautet sein Appell: „anderen zuhören und reflektieren.“ Auch er nehme sich das jedes Mal als Neujahrsvorsatz.

„Und wie wird Weihnachten bei den Streichs gefeiert?“, fragt Knoll. „Wie bei anderen Menschen auch – essen, mit der Familie zusammen sein, dann wieder essen“, sagt der 60-Jährige lachend. Auch einen Baum darf im Wohnzimmer des Ex-Sportlers nicht fehlen – „selbst gesägt“, betont er stolz.

Info – Zur Person

Christian Streich wurde am 11. Juni 1965 in Weil am Rhein geboren und schlüpfte dort auch zum ersten Mal in Fußballschuhe. Später wechselte er unter anderem zum FV Lörrach, zu den Stuttgarter Kickers und 1987 schließlich zum SC Freiburg. Nach einem Wechsel zum Freiburger FC beendete er 1990 seine Profikarriere und kehrte fünf Jahre später als Jugendtrainer zum Sportclub zurück. Anfang 2012 wurde er zum Cheftrainer ernannt und hatte die Position bis zu seinem Ruhestand zum Ende der Saison 2023/24 inne.