Papst Franziskus ist am Ostermontag im Alter von 88 Jahren in seiner Residenz, der Casa Santa Marta, gestorben. Foto:  

Der Tod von Papst Franziskus am Ostermontag hat auch Lahrer Gläubige berührt. Geistliche aus der Region würdigen den Pontifex – und fordern, dass seine Ideen weitergetragen werden.

Noch am Sonntag hatte Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom den traditionellen Ostersegen „Urbi et Orbi“ gespendet. Zehntausende hatten sich versammelt, um ihrem Oberhaupt nah zu sein. Der Pontifex starb am Ostermontag im Alter von 88 Jahren. Er hatte seit 2013 an der Spitze der katholischen Kirche mit weltweit 1,4 Milliarden Gläubigen gestanden.

 

Dekan Johannes Mette: Der Chef des katholischen Dekanats Lahr hat die traurige Nachricht am Montag „eine Minute vor Beginn des Gottesdiensts in Reichenbach“ erhalten. Ministranten hätten ihn informiert. „Ich konnte das zuerst nicht glauben, ich brauchte einen Beweis.“ Die Ministranten haben ihn dann auf dem Handy die Medienberichte gezeigt. „Ich musste mich gleich darauf einstellen“, sagt Mette. So hat er direkt zu Beginn des Gottesdienstes den Besuchern die Botschaft verkündet. „Ein Raunen ging durch die Menge. Viele wussten es noch nicht“, so der Dekan.

Auch wenn Papst Franziskus angeschlagen war, hat Mette die Nachricht seines Todes überrascht. „Man könnte es so deuten, dass er alle Kraft zusammengenommen hat, um sich mit dem Ostersegen zu verabschieden“. Seine letzten öffentlichen Worte, vor allem der Aufruf zu Frieden, bezeichnet Mette als „sehr beeindruckend“. Der Dekan behält Papst Franziskus als „sehr glaubwürdigen Menschen“ in Erinnerung. Er sei zudem „ein sehr religiöser, spiritueller Mensch“ gewesen. Das klinge zwar wie eine Binsenweisheit, doch Mette meint damit, dass Franziskus „mehr Pfarrer als Papst“ gewesen sei, also nicht wie ein Lehrer oder Politiker auftrat.

Der Dekan hat den in Buenos Aires geborenen Papst auch dafür geschätzt, dass er „ganz nah an den Menschen“ dran war, vor allem auch an den Armen. Denn er habe, anders als europäische Päpste, Armut selbst miterlebt – etwa in den argentinischen Slums. So wünscht sich Mette, dass das neue Oberhaupt der katholischen Kirche Franziskus’ Gedanken weiterträgt, sich nicht im Vatikan „versteckt“, sondern vorwiegend Länder besucht, „die nicht so in der Öffentlichkeit präsent sind“.

Bernhard Dorner, Friesenheimer Pfarrer: Ähnlich wie Mette ging es Bernhard Dorner von der Friesenheimer Seelsorgeeinheit: Er habe die Nachricht erhalten, als er auf dem Weg zum Gottesdienst in Kürzell aus dem Auto ausgestiegen sei, erzählt er unserer Redaktion. Auch Gläubige hätten ihn sofort darauf angesprochen. Dorner hat daher den Gottesdienst umgestaltet, ein kurzes Gebet für den verstorbenen Papst zu Beginn eingebaut.

Der Pfarrer erinnert sich an Franziskus als „den Menschen zugewandt“ und „sehr authentisch“ – etwa weil er oft „wie ein Normalsterblicher“ in einem bescheidenen Fiat unterwegs war. Laut Dorner gilt es, für Franziskus’ Nachfolger den synodalen Prozess weiter zu verfolgen und die Menschen darauf neugierig zu machen, was den Glauben auszeichnet.

Wie an vielen Orten der Region ist in Friesenheim für Samstag ein Requiem, eine Totenmesse, geplant, verrät Dorner. Zudem werden täglich die Glocken für zehn Minuten im Gedenken an Franziskus läuten.

Stefan Allgaier, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der „Kirche an der Schutter“: Die Nachricht vom Tod des Papstes habe ihn überrascht. Immerhin habe der Heilige Vater noch am Ostersonntag den Gläubigen auf dem Petersplatz den Segen gespendet, sagt Allgaier unserer Redaktion.

Für ihn war Franziskus ein guter Papst, „ein Hoffnungsträger und Brückenbauer“, wie er es nennt. Franziskus habe sich um die Armen und Bedürftigen gekümmert, habe etwa stets am Gründonnerstag Häftlingen die Füße gewaschen. Die Geste erinnerte an das letzte Abendmahl, vor dem Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat.

Diese Zugewandtheit zu den Menschen hat Allgaier gefallen. Und auch, dass Franziskus ein Türöffner für Reformen in der katholischen Kirche war. Hier nennt Allgaier das Projekt der Welt-Synode – eine Kirche, die die Teilhabe aller ermöglichen soll.