Katja Reuter und Blindenführhund Frankie fühlen sich in Epfendorf pudelwohl. Foto: Cools

Diesem besonderen Duo kann man seit Kurzem in Epfendorf begegnen: Katja Reuter und ihrem Blindenführhund Frankie. Damit der seinen Job machen kann, gibt es im Umgang allerdings manches zu beachten. Uns erzählt Katja Reuter, wie man sich richtig verhält, was den Alltag als blinde Person erschwert, und welches Verhalten sie fassungslos macht.

Wer häufig zu Fuß im Dorf unterwegs ist, dürfte ihr schon begegnet sein: Katja Reuter ist vor Kurzem aus Niedereschach nach Epfendorf gezogen und fühlt sich hier sehr wohl. Keine Selbstverständlichkeit – als blinde Person hat sie auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht, vor allem, was den Umgang mit Blindenführhund Frankie angeht. Deshalb möchte sie aufklären.

 

Katja Reuter leidet unter der Erberkrankung Retinitis pigmentosa, einer Degeneration der Netzhaut. Es begann mit Nachtblindheit und einem schleichenden Gesichtsfeldverfall, der mit jedem Hormonschub – erst in der Pubertät, dann in der Schwangerschaft – schlimmer wurde. Mit etwa 26 Jahren war sie fast vollständig erblindet.

Heute, mit 53 Jahren, kann Reuter lediglich den Unterschied zwischen hell und dunkel erkennen, muss sich also ganz auf ihre anderen Sinne, insbesondere das Gehör, verlassen. Seit ihrem 21. Lebensjahr steht ihr ein Blindenführhund zur Seite – eine riesige Erleichterung für Reuter und deutlich hilfreicher als ein Blindenstock.

Große Akzeptanz

Frankie ist bereits ihr vierter Hund. Seit rund zwei Monaten sind sie Tag für Tag gemeinsam unterwegs und lernen sich immer besser kennen. Bei ihren Spaziergängen treffen sie immer wieder auf interessierte Bürger, die Kontakt aufnehmen oder helfen wollen.

Glücklicherweise sei die Akzeptanz des Blindenführhundes hier in Epfendorf, wie auch schon in Niedereschach, sehr groß, sagt Reuter. Als sie noch in Freiburg gelebt habe, sei sie viele Male aus Einkaufsmärkten herausgeworfen worden, weil sie einen Hund mit sich führte.

Assistenzhund darf nicht abgewiesen werden

Frankie ist ein Labradoodle, eine Kreuzung aus Labrador Retriever und Großpudel. Hunde dieser Rasse verlieren kaum Haare, erklärt Reuter, und gelten deshalb als hypoallergen.

Unabhängig davon gebe es nun glücklicherweise auch das Assistenzhundegesetz, nach dem der Blindenführhund Zutrittsrechte zu allen für den allgemeinen Publikums- und Benutzungsverkehr zugänglichen Anlagen und Einrichtungen habe. Dazu zählen ÖPNV, Restaurants und Geschäfte ebenso wie Arztpraxen und Krankenhäuser.

„Der Blindenführhund ist mit einem Rollstuhl vergleichbar. Niemand würde verlangen, den am Eingang abzugeben“, erklärt Katja Reuter.

Keine Ablenkung für Frankie

Wenn sie und Frankie draußen unterwegs sind, gibt es zudem manches zu beachten. Wichtig: Frankie müsse sich voll und ganz auf seine Aufgabe konzentrieren, dürfe also nicht abgelenkt werden – sei es durch Ansprechen, Streicheln, Anlocken oder Spielen, erklärt Reuter. Das könne sonst böse enden.

Sie bittet daher darum, generell vorher Kontakt mit ihr aufzunehmen – auch, falls Frankie auf jemanden zulaufen sollte, damit sie ihn zurückrufen könne.

Gefahrenzone Straßenverkehr

Großes Gefahrenpotenzial bietet der Straßenverkehr. Da sei sie im Laufe ihres Lebens schon mehrfach beinahe angefahren worden, beispielsweise von ausparkenden Autos, sagt Reuter. Frankie hilft ihr, indem er Bordsteine anzeigt, Hindernisse – auch solche in der Höhe – umgeht und im richtigen Moment, nämlich wenn Gefahr droht, den Befehl des Herrchens verweigert.

Die Verkehrsregeln beherrsche der Hund aber natürlich nicht. Deshalb sei sie dankbar, wenn man ihr Vorrang gewähre oder signalisiere, dass sie die Straße sicher überqueren könne.

Verbale Hinweise statt anfassen

Aber: Bitte nicht einfach am Arm packen und mitzerren, sagt Reuter aus Erfahrung. Da erschrecke man sich als blinde Person furchtbar. Am hilfreichsten sei ein freundlicher Hinweis.

Fahrer von Traktoren oder Baufahrzeugen bittet Reuter, besonders aufmerksam zu sein. Die Lautstärke der Fahrzeuge erschwere ihr die Orientierung.

Das könnte helfen

Was generell helfen würde: weiße Kontrastlinien, an Kreuzungen beispielsweise. Denn abgesenkte Bordsteine könne der Hund nur schlecht erkennen. Dass es in Epfendorf eine Blindenampel gebe, sei hingegen schon Luxus.

Beim Thema Inklusion hinke Deutschland leider insgesamt hinterher, sagt Reuter. In anderen Ländern habe sie den Umgang mit Menschen mit Handicap als viel normaler erlebt.

Enttäuscht von Reaktion

Die Hinweise zum Umgang mit Frankie hätte Katja Reuter gerne auch im Amtsblatt veröffentlicht, sagt sie. Das sei vom Bürgermeister aber abgelehnt worden. „Absolut daneben“, findet Reuter. Es handle sich ja nicht um eine x-beliebige Information.

Was sie generell stört: Oft werde viel über Inklusion geredet, im Alltag spüre man aber nichts davon. Besondere Angebote brauche sie gar nicht, sagt Reuter. „Mir reicht es, wenn die normalen Sachen funktionieren.“

Über Kontaktaufnahmen freue sie sich generell, aber man dürfe bitte auch nicht beleidigt sein, wenn sie mal keine Lust habe, Fragen zu beantworten oder sich zu erklären – oder wenn man angebotene Hilfe ablehne. „Wie jeder andere Mensch habe ich auch mal Tage, an denen ich dafür keinen Nerv habe.“

Leider denke mancher offenbar, als blinder Mensch müsse man besonders demütig sein, und alle blinden Menschen seien gleich, sagt Katja Reuter. Sicher gebe es auch Menschen mit Handicap, die gern mehr Hilfe hätten. Aber man müsse auch das Bedürfnis nach Selbstständigkeit respektieren.

Verhältnis auf Augenhöhe

Was der selbstständigen Masseurin in Epfendorf gefällt: Hier sei sie bisher nie von oben herab behandelt worden. Das hat sie auch schon anders erlebt. Als Katja Reuter schwanger war, habe das manchen zu einem abfälligen oder mitleidigen Kommentar animiert – und das direkt neben ihr, als wäre sie auch noch taub.

Es ist das, was sie am meisten kränkt: Wenn man sie unterschätzt und behandelt, als sei sie ein Kleinkind. „Ich habe schließlich ein Kind aufgezogen und meinen Mann bis zu seinem Tod gepflegt“, stellt sie klar. „Ich möchte einfach ganz normal behandelt werden.“