Uwe und Edith Szameitat aus Epfendorf sind am liebsten mit dem Camper unterwegs. Foto: Szameitat

Uwe und Edith Szameitat aus Epfendorf gehen einem eher ungewöhnlichen Hobby nach: Das Ehepaar will jeden Landkreis in Deutschland besuchen – und dort einen Kaffee trinken. 94 sind schon abgehakt. Am Ende sind die Epfendorfer dabei aber noch lange nicht, wie sie uns auf einer Karte zeigen.

Morgens, 9 Uhr, in Epfendorf: Zeit für Edith und Uwe Szameitat, den ersten Kaffee aufzubrühen. „Zum Frühstück trinken wir tatsächlich Tee. Unsere Kaffeezeit beginnt erst danach, so zwischen 9 und 11 Uhr“, erklärt Edith.

 

Für die Szameitats ist Kaffee mehr als nur Wachmacher. Er ist Genuss und fester Bestandteil ihres Lebens – genauso wie Trips durch die Bundesrepublik übrigens. Auf eigene Faust losziehen und von Tag zu Tag bestimmen, wohin die Reise geht, „das ist unser Ding“, sagt Edith.

Der Camper und die Idee

Bereits Mitte der 2000er-Jahre hatte das Ehepaar, das sich vor 47 Jahren bei der Arbeit beim Schwarzwälder Boten kennengelernt hat und seit 40 Jahren verheiratet ist, einen umgebauten Renault Trafic, mit dem es herumreiste.

Als beide dann 2020 kurz vor dem Beginn der Pandemie auf der Touristikmesse CMT Camper anschauten, entschlossen sie sich spontan zum Kauf eines Exemplars. Im Oktober 2020 machten sich die Szameitats gleich auf den Weg ins Markgräflerland. Ehe es weiterging, legte der Lockdown die Reisepläne auf Eis.

Aber: „Wir wollten Deutschland unbedingt besser kennenlernen.“ In ihren Köpfen reifte der Gedanke, jeden Landkreis zu bereisen – und dort einen Kaffee zu trinken. „Auf diese Weise kommt man auch mal in Landkreise, die man sonst nicht auf dem Schirm hätte“, sagt Uwe Szameitat. An Pirmasens sei er beispielsweise schon ein paarmal vorbeigefahren, ohne von der schönen Innenstadt zu wissen.

Die Aktivitäten vor Ort beschränken sich aber nicht nur auf den Kaffeegenuss. Oft nimmt das Ehepaar an einer Stadtführung teil und schaut sich die Sehenswürdigkeiten an. Ihr Fazit nach 94 Landkreisen: „Irgendetwas Schönes hat jeder zu bieten.“

Die Liste der Reiseziele

Eine Liste mit allen Landkreisen hat sich Uwe Szameitat vom Statistischen Bundesamt besorgt. Dort sind aber nicht nur 298 Landkreise zu finden, sondern auch 106 kreisfreie Städte. Das kann ganz schön verwirrend sein.

Das Saarland mit sechs Landkreisen, darunter der Kreis Neunkirchen, glaubten die Szameitats beispielsweise schon bereist zu haben – bis sich herausstellte, dass der Verwaltungssitz dieses Landkreises gar nicht die Stadt Neunkirchen ist, sondern die Stadt Ottweiler. „Den Kreis mussten wir also wieder ausradieren“, sagt Uwe Szameitat lachend. Auf einer Karte hat er markiert, was schon bereist wurde.

Ein Schema ist dort nicht erkennbar. „Wir fahren immer spontan in einen Landkreis und überlegen dann von Tag zu Tag, wohin wir als nächstes reisen“, sagen die Ruheständler.

Von Mai bis Juli fuhren der 64-Jährige und seine Frau beispielsweise hoch nach Flensburg, dann weiter nach Dänemark, Schweden, Norwegen und wieder runter. 25 Städte und Landkreise nahmen sie auf dem Weg mit. „Dadurch, dass wir uns jeden Kreis anschauen wollen, fährt man nicht so lange am Stück und bekommt wirklich viele Eindrücke“, sagt Edith Szameitat. So habe man das Gefühl, ewig Urlaub gehabt zu haben, auch wenn es nur eine Woche war.

Die Orte für Kaffee-Genuss

Ihren Kaffee genießen die Epfendorfer am liebsten in kleinen Röstereien. Manchmal erfordert das eine intensive Suche und führt das Ehepaar in verwinkelte Gassen und zu echten Geheimtipps.

Den besten Kaffee fanden die Epfendorfer in Berlin. Foto: Szameitat

Den besten Kaffee fanden die Szameitats in Berlin – zugegebenermaßen kein Landkreis und keine Kreisstadt, sondern ein Stadtstaat – beim Coffee Circle Café im Wedding.

Richtig gut ist der Kaffee – natürlich aus dem Filter, nicht aus dem Automaten – für die Epfendorfer, wenn er viel Aroma und wenig Säure hat. In ihrem Camper genießt das Ehepaar natürlich morgens auch seinen Kaffee – per Mühle handgemahlen von Uwe Szameitat. „Da wackelt der ganze Wagen“, erzählt Edith lachend.

Der weitere Vorteil

Ein Plus der Reisen im Camper: „Wir leben unterwegs viel umweltfreundlicher. Wir verbrauchen in einer Woche so viel Wasser wie sonst manchmal an einem Tag“, erzählen die Epfendorfer.

Und, ist der Landkreis Rottweil auch schon abgehakt? Die Szameitats sehen sich an und lachen. Ausgerechnet, als sie sich den Heimatlandkreis vornehmen wollten, hätten sie in Rottweil kein Café finden können, das geöffnet war. Am Ende landeten sie in einer Bäckerei. „Da nehmen wir irgendwann einen zweiten Anlauf“, sagen sie. Die Reiseziele werden den Epfendorfern auf jeden Fall erstmal nicht ausgehen.