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Epfendorf Rinne für Lebewesen des "wilden Gesellen"

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Foto: Schwarzwälder Bote

An Weihnachten 1911 brannte zum ersten Mal elektrisches Licht in Talhausen. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das Wasserkraftwerk. Betreiber Reinbert Günter erzählt von den Ursprüngen und der aktuellen Baumaßnahme, die so manchen Spaziergänger neugierig gemacht haben dürfte.

Epfendorf-Talhausen. Im Talhausener Wasserkraftwerk läuft nur eine Turbine, der Wasserstand ist niedrig. "Inzwischen läuft alles vollautomatisch. Ich muss nur zur Kontrolle herkommen", sagt Reinbert Günter und zeigt auf das Display.

Wenn die Fischaufstiegsanlage, die derzeit parallel zum Neckar gebaut wird, fertig ist, werden ihm voraussichtlich zehn Prozent seines Absatzes fehlen. Dennoch kommt er um den Bau nicht herum. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt ihn vor.

Das Wasserkraftwerk wurde einst gebaut, um die Talhausener Mühle mit Energie zu versorgen. Reinbert Günter kam 1946 in den kleinen Ort. Seine Großmutter war eine geborene Schönborn, verstarb jedoch früh, weshalb ihre Tochter, Günters Mutter, von den Schönborns aufgezogen wurde. August Schönborn gründete 1869 die Mühle.

Günters Mutter erbte sie und das Wasserkraftwerk (von Emil Schönborn erbaut). Reinbert Günters Vater übernahm die Geschäfte in der Mühle. Sohn Reinbert ließ sich zum Müller ausbilden und ging auf Wanderschaft. 1954 stieg er ins Geschäft in der Talhausener Mühle ein.

Während diese 2007 stillgelegt wurde – nur das Getreidesilo wird noch im Nebenbetrieb verwendet – ist das Wasserkraftwerk noch heute in Gang. Es wurde einst gebaut, um die Mühle mit mehr Energie zu versorgen. Anfangs übernahm diese Arbeit ein Wasserrad am Schlossbach Richtung der Herrenzimmerner Ruine, später eine Turbine, dann sogar eine Dampfmaschine.

Schließlich kam das Wasserkraftwerk, das elektrischen Strom ermöglichte und damit 1911 auch das allererste Licht in Talhausen leuchten ließ, wie Reinbert Günters Mutter ihrem Sohn einst erzählt hatte.

Bis 1996 versorgte das Wasserkraftwerk acht Gemeinden mit Strom, ehe Reinbert Günter das Stromnetz an den Vorgänger der EnBW, die EVS, verkaufte. Die erste größere Leitung führte von Talhausen nach Dunningen, in erster Linie, um der Wehle-Brauerei Energie zu liefern. Dort gab es verwandschaftliche Verbindungen.

Den Schönborns wurde damals ein unbefristetes Wasserrecht eingeräumt. "Diese Maßnahme jetzt ist ein Eingriff ins Nutzungsrecht", sieht Reinbert Günter die Baumaßnahme nicht unkritisch.

Es geht um die so genannte ökologische Durchgängigkeit beim Neckar. Staumauern, Wehre und Wasserkraftanlagen sind für Fische und Wasserlebewesen "Wanderhindernisse". Deshalb sollen Maßnahmen getroffen werden, um die Hindernisse passierbar zu machen. Die bislang vorhandene Fischtreppe wurde als nicht ausreichend klassifiziert. Stattdessen muss eine Fischaufstiegsanlage, auch Umgehungsgerinne genannt, gebaut werden.

Seit dem Frühjahr wird parallel zum Neckar eifrig gearbeitet. Rund 150 Meter lang wird die Rinne, die vor dem Stauwehr abzweigt und weiter hinten wieder zum Neckar geführt wird.

In der Rinne werden links und rechts Steine gesetzt, die einen Spalt in der Mitte lassen, damit die Fische durchschwimmen können. Hinter den Steinen gibt es eine so genannte Ruhezone, in der die Fische verweilen können, ehe sie weiter "wandern". Drei Meter Höhenunterschied gilt es, auf den 150 Metern Strecke zu überwinden, jeweils in Zehn-Zentimeter-Stufen.

Ende Oktober soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. Für Reinbert Günter bedeutet sie, dass bei einem geforderten Wasserdurchlauf von rund 600 Litern pro Sekunde durch das Gerinne die Stromerzeugung im Kraftwerk um rund 80 000 Kilowattstunden im Jahr reduziert wird. Das entspricht bei einer Jahresproduktion von rund 850 000 Kilowattstunden einem Verlust von fast zehn Prozent.

"Ökologisch mag das vernünftig sein, es beschneidet aber die Produktion von Strom", gibt Reinbert Günter zu bedenken. Wie viel tatsächlich durch die Lappen geht, wird nur die Zeit zeigen. "Beim Wasser muss man mit langen Zeiträumen rechnen."

Zudem befürchtet er auch viel Aufwand in Zusammenhang mit der Unterhaltung des Gerinnes, das regelmäßig von Unrat befreit werden muss. Am Wasserkraftwerk erledigen das Gröbste zwei eingebaute Rächen. "Der Neckar ist manchmal ein wilder Geselle", weiß Günter. Auch vom Hochwasser blieb Talhausen so manches Mal nicht verschont.

Ein weiterer Aspekt ist der, dass die Wiese, die zum Grundstück der Firma gehört, durch das Umgehungsgerinne verkleinert wird und zu einer so genannten Magerrasenwiese werden soll, die nur einmal im Jahr gemäht werden darf, was sie für den derzeitigen Pächter weniger interessant mache, so Günter.

Generell stört den Talhausener, dass die rechtlichen Vorgaben praktisch keinen Gestaltungsspielraum zulassen. Stattdessen muss er quasi gute Miene zum "bösen" Spiel machen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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