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Epfendorf Husseinis haben ihren Platz gefunden

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Afshin (von links), Ghafur, Mahbubeh, Sahra, Elaha und Sadjad Husseini sind ein Beispiel für gelungene Integration. Foto: Kitzler Foto: Schwarzwälder Bote

Von Afghanistan über Pakistan, Iran, Türkei, Mazedonien und Serbien bis nach Deutschland – die Familie Husseini hat einen weiten Weg hinter sich. In Epfendorf hat sie das Gefühl, endlich angekommen zu sein.

Epfendorf. "Das ist ein Beispiel für gelungene Integration", meint Maria Kitzler aus Epfendorf. Anfangs hat sie den Husseinis nur geholfen, Deutsch zu lernen. Mittlerweile ist zwischen ihr und den Afghanen eine Freundschaft entstanden. Kitzler zählt mit Katharina Hetzel, der Hausmeisterin des evangelischen Gemeindehauses, zu den engagierten Epfendorfern, die den Geflüchteten helfen, richtig in Deutschland anzukommen.

Seit fast drei Jahren lebt die Familie nun in Epfendorf. In ihrer eigentlichen Heimat arbeitete Familienvater Ghafur auf dem Bau, Sahra versorgte die bis dahin noch drei Kinder. Sie lebten in einem afghanischen 200-Seelen-Dorf, in dem jeder jeden kennt. "Fast wie in Epfendorf", scherzt Ghafur. Im Alltag war die Angst ihr ständiger Begleiter. Als die Taliban Sahras Bruder umbrachten, packte die Familie Nahrung und Getränke zusammen und flüchtete. "Wir hatten nur dabei, was wir am Leib trugen", erinnert sich Sahra.

Den größten Teil der Strecke seien sie zu Fuß gegangen, manchmal mit dem Bus gefahren, in Europa mit dem Zug, erzählt Ghafur. Damals war Tochter Elaha gerade einmal drei Jahre alt und musste teilweise getragen werden. Übernachtet haben sie in Autos, Restaurants, manchmal auf der blanken Erde. Mit einem Schleuser kamen sie über das Meer. Er versorgte sie auch mit Nahrung.

Wohin sie wollten? Einen festen Plan habe es da nicht gegeben, meinen die Eltern. "Egal wohin, Hauptsache irgendwo sein, wo man ohne Angst leben kann", sagt Ghafur. Diesen Platz haben die Husseinis gefunden.

Große Pläne für 2019

Bald feiern Ghafur und Sahra, die seit 15 Jahren verheiratet sind, Geburtstag. Beide wissen nicht genau, an welchem Tag sie geboren wurden. Lange gab es in dem Land am Hindukusch keine Geburtsurkunden oder andere offiziellen Dokumente mit dem Geburtsdatum. So wurde einfach der 1. Januar bei beiden eingetragen – bei Ghafur 1983, bei Sahra 1989.

Bei den Kindern wissen die Eltern aber genau, wann sie Geburtstag haben. Der Älteste, Afshin, kam im April 2006 zur Welt. Er hat bei Maria Kitzler gleich am zweiten Tag für Verwunderung gesorgt, als er fragte, wann man ihn denn kaufen könne.

Schließlich stellte sich heraus, dass es der sehnlichste Wunsch des jungen Afghanen ist, Profi-Fußballer zu werden. In Epfendorf ist der Achtklässler zudem als Turner und Tischtennisspieler aktiv. Auch der neunjährige Sadjad ist sportlich aktiv. Die sechsjährige Elaha konzentriert sich besonders auf die Schule. Die kleine Mabubeh kam vor zwei Jahren in Deutschland auf die Welt.

Auch Ghafur und Sahra haben ihren Platz gefunden. Sie hilft bei der evangelischen Kirchengemeinde beim Eindecken der Tische und beim Aufräumen. Auch beim "Café Komm" ist die junge Afghanin aktiv. Ghafur kümmert sich vor allem um die Außenanlagen.

Anfangs war die Sprachbarriere ein großes Problem. Die Familie sprach weder Deutsch noch Englisch. Zudem konnten Ghafur und Sahra weder lesen noch schreiben. Das hat sich geändert. "Die beiden sind fleißige Schüler", weiß Kitzler. Bei der Verständigung habe der aus dem Iran stammende Epfendorfer Arzt Manouchehr Hedyehlou sehr geholfen. "Ghafur hatte eine ganze Weile ein Problem mit dem ›ü‹", erzählt Kitzler lachend. Statt "Gemüse" hieß es immer "Gemeuse".

Manchmal hätten sie Heimweh, gibt Ghafur zu, doch den Husseinis gefällt es in Epfendorf gut. Der größte Unterschied zwischen hier und ihrer Heimat sei vor allem, dass so viel drinnen stattfinde. "In Afghanistan wird draußen gegessen. Man ist immer Teil der Gemeinschaft", erklärt der Familienvater.

Dreimal hat er schon Probe gearbeitet, strebt eine Arbeitsstelle in der Industrie an. Sahra will derweil unbedingt besser schreiben lernen. Sie könnte sich einen Beruf als Altenpflegerin vorstellen. Bis es soweit ist, möchte sie in einem Restaurant als Kellnerin arbeiten. "Sahra ist ungeduldig. Sie will am liebsten so schnell wie möglich etwas machen und die Wohnung noch vollends einrichten", erklärt Maria Kitzler. Dabei wohnen die Husseinis erst seit gut zwei Wochen dort.

Parallel besuchen beide Elternteile einen Sprachkurs an der Volkhochschule. Ghafur hat für 2019 vor allem einen großen Wunsch: eine Arbeitsstelle finden. Jetzt, wo sie wissen, dass sie sicher sind, wollen sie die Chance ergreifen, sich ein gutes Leben aufzubauen.

 
 

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