An die 40 Kühe des Bauernhofs können aus den Stallungen gerettet werden. Weiteres Vieh stand in einem nicht vom Brand betroffenen Stall. Der Brandschaden ist hoch. Allein am Gebäude beträgt er rund eine halbe Million Euro. Ursache ist wohl ein technischer Defekt. Foto: Schulz

Großbrand auf Bechle-Hof in Harthausen. Feuerwehr kann einen Teil des Viehbestands retten.

Epfendorf-Harthausen - Von Weitem ist das Schreien der Kühe zu hören: In der Nacht auf Mittwoch brennt das Ökonomiegebäude des Bechle-Hofs in Harthausen ab. 30 Jungtiere werden Opfer der Flammen. Brandursache ist wohl ein technischer Defekt, der Schaden geht in die Hunderttausende.

Mehr als 100 Einsatzkräfte der Gesamtwehr Epfendorf, der Oberndorfer Feuerwehr, der Schlauchwerkstatt Schramberg und des DRK sind vor Ort. Auch die Führungsgruppe samt Kreisbrandmeister Mario Rumpf macht sich ein Bild von der Lage. Und die ist dramatisch.

Nachdem die EVS die Stromleitung abgeklemmt hat, können die Feuerwehrmänner loslegen. Im Stallbereich, erklärt der Epfendorfer Kommandant Alexander Heim, hält Gott sei Dank die Decke. Rund 40 Tiere können unter den schwierigen Bedingungen auch mit Hilfe des Bauerns ins Freie gerettet werden. Kreisbrandmeister Rumpf spricht von einem »Himmelfahrtskommando«.

Unter den Wehrmännern sind auch Landwirte. Das ist in dieser Nacht hilfreich. Denn die völlig verstörten Kühe drängt es in ihre gewohnte Umgebung zurück, sie wollen wieder in den Stall laufen.

Am Ende sind fast alle Tiere in Sicherheit. Eines erliegt auf der Weide einer Rauchgasvergiftung. Im oberen Bereich des Ökonomiegebäudes kommt hingegen jede Hilfe zu spät. Es brennt komplett ab, 30 Tiere aus dem Jungviehbestand verenden.

Die baulichen Gegebenheiten auf dem Hof nennt Kommandant Heim »hervorragend«. Die Brandschutzmauer hält stand. Sie wird von der Feuerwehr gekühlt, so dass das direkt angrenzende Wohnhaus gerettet werden kann. Den Umständen entsprechend sei lediglich ein kleiner Wasserschaden entstanden. Die Küche hat etwas abbekommen. Eine weitere Befürchtung kommt gegen Mitternacht hinzu. Das Löschwasser droht, in den naheliegenden Füllbach überzulaufen. Der fließt über den Schenkenbach weiter in Richtung Neckar. Im weiteren Bachverlauf hat ein Fischzüchter seine Becken. Die Forellen könnten gefährdet sein, wenn das Löschwasser bis zu ihnen gelangt.

Doch die Grube des Bechle-Hofs reicht aus, um das Wasser aufzufangen. Eine Sorge weniger. Am nächsten Morgen, als die Grube nichts mehr aufnehmen kann, wird Wasser aus dem Füllbach gepumpt und direkt in die Kanalisation geleitet.

Noch in der Nacht hat das DRK Oberndorf auf dem Parkplatz des Gasthauses »Sonne« eine mobile Station eingerichtet. Fünf Personen müssen sie in der Brandnacht betreuen. Wirklich verletzt ist niemand. Eine seelsorgerische Betreuung gibt es ebenfalls.

Der Morgen danach. Es qualmt weiterhin und die überlebenden Kühe auf der Weide schreien noch immer. Sie müssten dringend gemolken werden, doch die angeforderte mobile Melkstation ist noch nicht da. Bürgermeister Peter Boch, der auch in der Nacht vor Ort war, bietet die Hilfe der Gemeinde an.

Der Kommandant der Harthauser Abteilung, Bernd Wiech, und seine Männer sehen nach einer anstrengenden Nacht müde aus. Bis um 4 Uhr früh haben sie gelöscht. Jetzt halten sie Brandwache, sind froh, dass sie einige Tiere retten konnten, traurig, dass bei den anderen nichts mehr zu machen war.

Und sie warten auf den Gutachter. Der soll laut Frank Grundke von der Staatsanwaltschaft Rottweil im Laufe des Tages vorbeikommen. Denn die Brandursache ist noch ungeklärt. Am Abend teilt dann Kommandant Heim mit, dass es sich vermutlich um einen technischen Defekt handelt, der Gutachter war inzwischen da. Wenn die Staatsanwaltschaft mit ihrer Arbeit fertig ist, so Wiech, werden die Überreste des verbrannten Gebäudes beiseite geräumt und die toten Tiere herausgeholt. Und ganz wichtig: Das Heu – die Ernte war teilweise schon eingefahren – muss raus. Denn darin könnten sich noch Brandherde verstecken.

Die Besitzerin des Hofs hat gar keine Zeit, über die Tragödie nachzudenken. Sie steht auf der Weide und packt an. Sie habe Hilfe, sagt sie und wartet auf die mobile Melkstation. »Die Feuerwehr hat ihre Sache gut gemacht, das können sie ruhig schreiben«, sagt sie leise. Sie habe sich den Wasserschaden schlimmer vorgestellt. Eine ihrer Töchter ist schwanger und musste in der Nacht noch zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden.

Laut Polizeibericht liegt der Gebäudeschaden bei 500.000 Euro. Zahlreiche Maschinen, unter anderem ein neuwertiger Traktor, verbrannten in der Maschinenhalle. Vermutlich sei der Brand im hinteren, nord-westlichen Bereich der Maschinenhalle entstanden, denn hier seien die Brandzehrungen am größten. Der Wert der verbrannten Maschinen dürfte ebenfalls im sechsstelligen Bereich liegen. Der Familie Bechle stehen noch schwere Zeiten ins Haus.