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Epfendorf Die doppelte Katastrophe

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Georg Bücheler ist eine Koryphäe in Sachen Kulissenbau. Foto: Schwarzwälder Bote

"Das war’s, jetzt ist alles kaputt" – das dachte Georg Bücheler, als er sah, wie Flammen aus dem Dachstuhl der alten Mühle schlugen. Für den Talhausener Künstler hat das Gebäude eine besondere Bedeutung. Und es kommt noch schlimmer: Das Gebäude ist offensichtlich mit Asbest belastet.

Epfendorf-Talhausen. Der Geruch von verbranntem Holz steigt sofort in die Nase, wenn man die alte Mühle betritt. Die Treppenstufen sind voller Asche und Schutt. Das Feuer, das am vergangenen Samstagmittag ausgebrochen ist, hat seine Spuren hinterlassen.

Im obersten Geschoss fällt der Blick auf das klaffende Loch im Dach. "Diese Stelle, der Übergang der beiden Dächer, war undicht", erklärt Bücheler. Deshalb wurden dort Schweißarbeiten vorgenommen. Als das Feuer ausbrach, wirkte der Durchlass, der es sonst ermöglicht, großformatige Bilder von einem Stockwerk ins nächste zu transportieren, wie ein Kamin.

Um es in den Griff zu bekommen, musste die Feuerwehr einen Teil des Dachs einreißen und den Zwischenboden öffnen. "Glücklicherweise hat die Feuerwehr in der Vergangenheit bereits geübt, was zu tun ist, wenn in der Mühle ein Feuer ausbricht. Deshalb ging alles ganz schnell", sagt Bücheler.

Oben, wo der Brand ausbrach, befindet sich seit 2005 sein Atelier. Auf den ersten Blick sieht der Raum, in dem Bilder, Plastiken und Materialien liegen, überraschend gut aus. Bei genauerem Hinsehen ergibt sich ein anderes Bild. "Alles ist nass und dreckig. Der Brand hat die Atmosphäre kaputt gemacht", meint Bücheler.

Künstler hält sich wacker

Zum Glück im Unglück habe er vor allem alte Bilder und Unvollendetes im Atelier untergebracht, sagt er. Die wird er nun wohl entsorgen. "Aber das passiert bei Künstlern ohnehin oft. Sie fangen etwas an, irgendwann gefällt es ihnen nicht mehr, und sie werfen es weg", weiß der 67-Jährige. Er hält sich wacker.

Doch es gibt einen weiteren Nackenschlag: Wie man jetzt herausgefunden hat, sind Atelier und teilweise auch die Mühle durch asbesthaltiges Material belastet. Das krebserzeugende Material soll in Platten enthalten sein, die auf dem Dach verbaut wurden. Heute soll das Gebäude gesperrt werden, eine Begehung ist dann verboten.

Dabei ist die Mühle für Bücheler noch viel mehr als ein Ort kreativen Schaffens. Sein Vater war einst Talhausens Müller. "Auf der Wanderschaft hat ihn die damals verhältnismäßig moderne Mühle beeindruckt, und er ist hier hängengeblieben", erzählt Bücheler. Für ihn, den Sohnemann, war es immer ein Traum, in der Mühle malen und werken zu können. Das Marode, Alte hatte seinen besonderen Charme. "Hier habe ich genug Platz, um auch großformatige Bilder mit etwas Abstand zu betrachten." Nun will er die Mühle nur noch als Lager verwenden. Gemalt und gebaut wird künftig bei ihm zu Hause im Sommerweg.

Kunst ist schon immer Teil von Büchelers Leben gewesen. "In meiner Schulzeit am Albertus-Magnus-Gymnasium war es das einzige Fach, in dem ich gut war", erinnert sich der gelernte Schaufensterdekorateur lachend. Aktuell arbeitet er an einer Bilderserie, die Talhausen panoramaartig in verschiedenen Epochen zeigen soll. "Der Ort ist ja nicht so groß. Das dürfte also machbar sein", sagt er grinsend.

Landschaften als Passion

Überhaupt sind Landschaftsbilder seine Passion. "Anfangs male ich eher abstrakt. Dann sehe ich etwas darin und arbeite es heraus. Meist wird es dann eine Landschaft", erzählt er. Das liegt vielleicht daran, dass Bücheler in den 1970er-Jahren lange auf Formentera, dann auf Ibiza und den Kanaren gelebt hat. Dort malte er Bilder für Touristen. Später kehrte er dahin zurück, um Auftragsarbeiten auszuführen.

Bücheler ist eine Koryphäe in Sachen Kulissenbau. Seine Säulen, Bögen, Piratenschiffe, Fels- oder Eislandschaften, Bäume, Wasserfälle und Wandbilder sind beinahe überall zu finden, unter anderem im "Adagio"-Club in Berlin, im "Mystery"-Park in Interlaken in der Schweiz, im Atlantisbad Obertshausen, am Feldberger Hof, im Donauaquarium Ulm, im Haus der Natur in Feldberg und im Steinwasen-Park in Kirchzarten. Aber auch im Ausland, etwa auf Gran Canaria oder in Polen, war er schon tätig.

Museen wenden sich vor allem deshalb an ihn, weil seine Landschaften und Plastiken stabil und begehbar sind. Dank des Talhausener Künstlers wird aus einem Raum mit Exponaten ein "Museum zum Anfassen". Auch das charakteristische Pferd an der Hauptstraße in Deißlingen wurde von Bücheler geschaffen. Zudem zeichnet er stets für das Bühnenbild des Schramberger Zunftballs verantwortlich. Erfahrung bringt der Talhausener genug mit. In seinem jahrzehntelangen Schaffen als Künstler gab es auch die eine oder andere kuriose Situation. Etwa als er den Mount Rushmore nachbilden sollte und Udo Jürgens in Berlin mit einem Talhausener Bekannten verwechselte und ihn fragte, was er denn hier mache – später traf er Jürgens durch Zufall noch einmal, diesmal in Portugal – oder als er für Reinhold Messner eine Höhlenlandschaft nachbildete.

Die Hauptkunst bei seinen Landschaften ist, die Übergänge zu modellieren und dadurch scheinbar reale Landschaften im Innenraum zu schaffen. Dabei ist es auch wichtig, sich nicht mit Details zu verzetteln. "Die Summe von Kleinigkeiten macht das Endbild aus, aber von Perfektionismus sollte man sich – in der Kunst und im Leben – verabschieden. Alles ist eine Entwicklung", sagt der Künstler.

Die Coronakrise hat Bücheler sogar mehr Aufträge als sonst verschafft. Viele Einrichtungen hätten sich entschieden, die Pause für eine Umgestaltung zu nutzen. Dabei gibt es nichts, was für Georg Bücheler zu schwierig ist. Der Künstler wächst mit seinen Aufgaben.

In Zukunft will sich der Talhausener wieder mehr auf seine eigenen Projekte konzentrieren. Und auch wenn das Atelier als Ort seines kreativen Schaffens und einige seiner Werke nun den Löscharbeiten zum Opfer gefallen sind, so ist dem Künstler das Wichtigste geblieben: sein Ideenreichtum.

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