Als Problemstrecken hinsichtlich der Geschwindigkeit und Lärmentwicklung bezeichnete Bürgermeister Dengler insbesondere die Bereiche Nonnenmiß, Gompelscheuer und Poppeltal sowie die Simmersfelder Steige. (Symbolfoto) Foto: rcfotostock - stock.adobe.com

Gemeinderat debattiert über richtige Maßnahmen. Banner und Geschwindigkeitsdisplays im Gespräch.

Enzklösterle - Im Zuge sinkender Corona-Infektionszahlen in der Region ist im Oberen Enztal mit einem wieder ansteigenden Tagesausflugsverkehr auch eine deutliche Zunahme des Straßenverkehrs zu beobachten.

Verbunden damit ist eine Steigerung des Verkehrslärms durch zu schnelle und zu laute Motorräder, mit dem sich der Gemeinderat von Enzklösterle bei seiner jüngsten Sitzung befasste. Dabei stimmte das Gremium einem Beitritt der Gemeinde zum Bündnis gegen Motorradlärm zu und beauftragte die Verwaltung, die Reduzierung von Verkehrs- und Motorradlärm weiter voranzutreiben und in Abstimmung mit dem Gemeinderat eine schnellstmögliche Umsetzung zu realisieren.

Nutzungskonflikt liegt auf der Hand

Vorausgegangen war eine Aussprache über Möglichkeiten zur Reduzierung des Verkehrslärms im Kurort. Der Nutzungskonflikt zwischen dem Erholungsbedarf von Einwohnern und Gästen und dem Motorradlärm trete hauptsächlich bei schönem Ausflugswetter, abends und am Wochenende beziehungsweise an Feiertagen auf, hatte Bürgermeister Sascha Dengler in der Sitzungsvorlage zu diesem Tagesordnungspunkt ausgeführt.

Schon am 29. Juli 2019 sei die gemeinsame "Initiative Motorradlärm" vom Land und von Kommunen mit dem Ziel initiiert worden, dem weit verbreiteten Lärmproblem in der Öffentlichkeit mehr Gewicht zu verleihen. Bei einer Arbeitssitzung am ­2. Dezember 2019 mit mehr als 70 Vertretern von Kommunen und Landkreisen seien die Inhalte des Forderungskatalogs zur Reduzierung von Motorradlärm erörtert worden. Bezogen auf Klagen von Bewohnern über zunehmende Lärmbelästigungen und auch mit Forderungen nach einem Streckenverbot für Motorräder wolle die Gemeinde Enzklösterle allerdings niemanden aussperren. Dafür aber die Motorradfahrer ermahnen, rücksichtsvoll und mit angepasster Geschwindigkeit durch den Schwarzwald zu fahren, so Bürgermeister Dengler in der Sitzungsvorlage. Angedacht und teilweise schon umgesetzt seien dazu Geschwindigkeitsmessungen seitens des Landkreises Calw, Motorradkontrollen mit Beamten des Polizeipräsidiums Pforzheim, die Aufstellung jeweils eines Banners in Nonnenmiß und am Beginn der Simmersfelder Steige. Die Begleitung dieser Maßnahmen in den sozialen Neztwerken sowie die Mitarbeit und Steuerung der Umsetzung weiterer Schritte gegen Motorradlärm innerhalb des Bündnisses kommen dazu. Die Anschaffung eines Lärmschutzdisplays wird von der Verwaltung unter anderem wegen der langen Straßenstrecken im Gemeindegebiet für nicht zielführend erachtet – nach Abzug der Förderung laufen noch Kosten von etwa 9000 Euro auf.

Einige Problemstrecken im Auge behalten

Als Problemstrecken hinsichtlich der Geschwindigkeit und Lärmentwicklung bezeichnete Bürgermeister Dengler insbesondere die Bereiche Nonnenmiß, Gompelscheuer und Poppeltal sowie die Simmersfelder Steige.

Erfolge erhofft er sich insbesondere von mobilen Messungen an wechselnden Stellen im Rahmen der Motorradkonzeption der Polizeidirektion Pforzheim. Gemeinderat Dieter Hoffmann forderte mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen und ebenso wie Gemeinderätin Madleen Kern häufigere Kontrollen. "Wir sind Luftkurort, wir wollen möglichst wenig Lärm", war die Forderung von Gemeinderat Stefan Waidelich.

Seinen weiteren Ausführungen zufolge habe sich der Verkehrslärm auch negativ auf die Punktevergabe und damit auf die Bewertung des Premium-Wanderwegs "Heidelbeerweg" ausgewirkt. Die beste Wirkung erhofft er sich von Anhaltekontrollen. Nur mit Verwarnungs- und Bußgeldern bei übermäßigem Lärm und bei Geschwindigkeitsüberschreitungen glaubte Hoffmann der Problematik beikommen zu können.

Er regte die Bereitstellung entsprechender Mess-Displays seitens des Landkreises und das Ausleihen an die Kommunen an. Gemeinderat Steffen Frey zeigte sich gegenüber der Aufstellung von Bannern zum Lärmschutz zurückhaltend, weil diese von Besuchern des Kurortes negativ interpretiert werden könnten. Hannah Winz als Leiterin der Tourist-Info sah eine Möglichkeit, dem Problem mit einer touristischen Komponente zu begegnen. Aufgestellt ist derzeit ein Geschwindigkeits-Display zwischen Nonnenmiß und Enzklösterle in einem auf eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h beschränkten Bereich.