Geschichte: Römische Münze wirft ungeklärte Fragen auf / Ortskenntnisse kommen Historiker zugute

Von Götz Bechtle

 

Enzklösterle. Zwölf Jahre ist es her, dass von der Gemeinde das "Heimatbuch Enzklösterle" herausgegeben wurde. Eine große Zahl von Autoren wirkte daran mit. In 30 ganz unterschiedlichen Artikeln wird darin vor allem über die Vergangenheit berichtet, aber auch die Gegenwart kommt nicht zu kurz.

Im Jahrbuch Nr. 21 des Landkreises Calw, ebenfalls aus dem Jahr 2003, berichtete Johann Ottmar über "eine römische Münze aus Enzklösterle." In der vergangenen Woche war Ottmar nun in Enzklösterle, um Feststellungen zur Geschichte der Gemeinde aufzuzeigen und zu erklären.

Warum sich Ottmar, der seit Jahrzehnten in Mössingen (Landkreis Tübingen) wohnt, mit Enzklösterle beschäftigt, ist rasch erklärt: Sein Vater Adam war Revierförster in Enzklösterle und Johann Ottmar wuchs dort bis 1956 auf. Dann zog die Familie nach Bad Liebenzell um. Er studierte in Tübingen Geschichte, Englisch und wissenschaftliche Politik und wurde daraufhin Gymnasiallehrer.

Grenzsteine interessierten den Historiker schon immer. Da er aus seiner Enzklösterle-Zeit wusste, dass die kleine Enztalgemeinde an der württembergisch-badischen Grenze lag, wanderte er diesen Grenzverlauf in den 90er-Jahren ab, um die noch vorhandenen Grenzsteine zu fotografieren und zu kartieren. Dabei kamen ihm seine Ortskenntnisse aus der Jugendzeit zugute. Damals fand er zwei Grenzsteine aus dem Jahr 1492 – wahrscheinlich die ältesten in dieser Gegend.

Aber auch die römische Münze, die in Enzklösterle gefunden wurde, ließ Ottmar keine Ruhe. Sie stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Gallienus und wurde wahrscheinlich zwischen 253 und 260 n. Chr. in Rom geprägt. Die Frage, wie die Münze ins Obere Enztal kam, wo es sonst keine römischen Spuren gibt, bleibt ungeklärt. Aber es musste einen Weg gegeben haben, der durch dieses Gebiet führte und der auch benutzt wurde. Schließlich entsteht keine Siedlung, ohne dass ein Weg dorthin führt, und umgekehrt wird ein Weg nicht gebaut, wenn er nicht benötigt wird.

Im Oberen Enztal stand noch nie ein Kloster

Ein anderes Thema in Ottmars Vortrag war die Frage nach dem "Klösterle". Der langjährige Stadtarchivar von Herrenberg, Roman Janssen, so Ottmar, habe in einer wissenschaftlichen Arbeit dargestellt, dass ein Kloster im Oberen Enztal nie bestanden habe, es jedoch eine Kapelle im Bereich des früheren Enzhofs gegeben haben könnte, die um 1270 erbaut worden sei.

Über die "Siedlerfamilien" Klaiber, Andler, Bäzner, Girrbach und Reiser, über die kirchliche und weltliche Quellen in verschiedenen Archiven zu finden sind, wurde ebenfalls gesprochen.

"Beiträge zur Geschichte von Enzklösterle" nennt sich das im Sommer 2015 erschienene umfassende Buch von Johann Ottmar, das mit einer Reihe von Berichten Einblicke in das Leben, Arbeiten und in die Gedankenwelt der Bewohner von Enzklösterle in früheren Zeiten gibt.