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Enzklösterle Das Bärlochkar ist einer von "20 Lieblingsplätzen" im Naturpark

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Petra Jung führt eine Wanderung zum Bärlochkar. Foto: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Enzklösterle. Der Bannwald Bärlochkar in Enzklösterle zählt für Schwarzwald-Guide Petra Jung zu ihrem ganz besonderen Lieblingsplatz im Nordschwarzwald, "weil man hier auf wilden Pfaden in die Geheimnisse des Waldes eintauchen kann". Der Name gibt Hinweise auf eine längst vergangene Zeit, als im Schwarzwald noch Bären lebten und das große Felsloch im Herzen des Schutzgebietes Namensgeber für den Wald wurde, der als Bannwald viele Besonderheiten bietet.

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord zählt zu den größten Naturparks in Deutschland und feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund ist eine Broschüre entstanden, die "20 ausgewählte Lieblingsplätze" von zertifizierten Natur- und Landschaftsführern präsentiert, die für Einheimische und Gäste gleichermaßen problemlos zu erwandern sind. "Wesentlich attraktiver ist jedoch eine geführte Wanderung mit einem professionellen und sachkundigen Führer, der zu den einzelnen Themenbereichen spannende und wissenswerte Details vermittelt", sagt Jung, zertifizierter Schwarzwald-Guide, "staatlich zertifizierte Waldpädagogin" und freie Mitarbeiterin ihr Wissen bei Outdoor-Führungen im Infozentrum Kaltenbronn mit Leidenschaft vermittelt.

Fasziniert von der Urtümlichkeit der Wälder in einem der letzten intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas entdeckte Jung bei einer Wanderung ihre Liebe zum Enztal. "Das Wildseemoor auf dem Kaltenbronn zählt zum Quellgebiet der Eyach und diese mündet in die Enz", erklärt die Fachfrau.

Das Eyachtal ist Naturschutzgebiet und als naturbelassener Lebens- und Rückzugsraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist darin der Bannwald Bärlochklar ein besonderes Refugium. Denn anders als bei bewirtschafteten Waldflächen gibt es in diesem Waldschutzgebiet keine Holzernte. Der Wald bleibt sich selbst überlassen und kann sich somit ohne menschliche Einflussnahme ungestört entwickeln. "Seit fast drei Jahrzehnten wird hier kein Baum mehr gepflanzt oder gefällt und auch kein abgestorbenes Holz mehr entnommen", erklärt Petra Jung das System des Naturwaldreservates.

Bannwald – dieser Begriff lässt aufhorchen. Denn es handelt sich nicht um ein Gebiet, das dem Menschen verschlossen ist, sondern vielmehr um einen Schutzwald, der nicht zerstört werden darf. "Das besondere an diesem Gebiet ist die Entstehungszeit vor über 30 000 Jahren. Das war zur letzten Eiszeit, als hier klirrende Kälte herrschte und sich durch das Abschmelzen und Abrutschen der Gletscher die wannenförmigen Mulden im Nordschwarzwald gebildet haben."

Die "Augen des Schwarzwalds"

Die als "Kar" bezeichneten Plätze, die sich mit Wasser füllten, werden auch als die "Augen des Schwarzwalds" bezeichnet. Markantes Beispiel für den Nordschwarzwald ist dafür der Mummelsee. "Was das Bärlochkar für mich im Besonderen auszeichnet, ist seine eher geringe Bekanntheit. Hier gelingt es einem – im Gegensatz zum Mummelsee – viel eher, in Abgeschiedenheit und Stille die Natur genießen zu können", berichtet Jung, die auf den kleinen Tümpel am Fuß des Großen Bärlochs verweist, der einst ein Karsee gewesen sein könnte. Hier haben es die Bäume besonders schwer. Die Wurzeln können nicht tief genug in den Boden eindringen, da Sauerstoff fehlt und starke Stürme zur Entwurzelung führen.

Der Bannwald hat einen eigenen, individuellen Charakter und bietet darüber hinaus Besonderheiten, die auch für einen Schwarzwald-Guide eine besondere Faszination ausüben. "Meine Passion gehört dem Lebensraum Totholz", erklärt Jung, die sich intensiv mit der "Metarmorphose der Bäume" beschäftigt und das ökologisch komplexe System mit den einfachen Worten "Kreislauf des Lebens" beschreibt. "Man muss nur auf seine Sinne vertrauen, um festzustellen, dass ein sich im Zerfall befindlicher Baum Leben in überschäumender Fülle bietet." Für natürliche Wälder ist das ein charakteristisches Merkmal und spielt im Ökosystem des Bannwaldes eine zentrale Rolle. Von Totholz sind unzählige Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien, Insekten, Pilze, Flechten und Moose abhängig. Ob als Nahrung, Lebensraum oder ­Baumaterial."

Einige Fledermäuse, Spechte, Insekten oder Käfer können ohne Alt- und Totholz nicht leben. "Mit der Zersetzung des Holzes entsteht ein günstiges Kleinklima, der Boden wird mit Nährstoffen versorgt, was wiederum zur Naturverjüngung beiträgt", so Jung, die zudem erklärt: "Und letztendlich profitieren alle davon."

Wer mehr über die "aufregend wilden Urwälder" im Bärlochkar erfahren möchte, kann sich zur Führung von Schwarzwald-Guide Petra Jung am Sonntag, 2. August, anmelden über die Homepage des Infozentrums Kaltenbronn, www.infozentrum-kaltenbronn.de/anmeldung, oder per Telefon unter 07224/65 51 97.

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