Eine lebendige Stadt ist nie zu Ende gedacht, entwickelt, gebaut. Foto: Kristoff Meller

Die aktuelle Debatte zeigt: In den kommenden Jahren wird sich Lörrach abermals deutlich verändern und weiterentwickeln.

Ein Blick auf die Entwicklung Lörrachs belegt: Die Lerchenstadt hat die vergangenen Jahrzehnte im Flug genommen. Sie hat sich stärker und besser entwickelt als die meisten vergleichbaren Städte dieser Größenordnung. Vor diesem Hintergrund liegt der Gedanke nah, dass sich dieser Wandel allmählich verlangsamen müsse. Die zurückliegenden fünf Jahre zeigen indes ebenso wie die aktuelle politische Debatte: Abgesehen von zwischenzeitlichen Phasen des Luftholens ist das Gegenteil der Fall. In den kommenden zehn Jahren wird sich das Stadtbild nochmals deutlich verändern.

 

Wandel zeugt von Vitalität und Gestaltungswillen

Eine lebendige Kommune ist nie zu Ende gedacht, entwickelt, gebaut. Wandel, Anpassung und Justierungen zeugen von Vitalität und Gestaltungswillen: Das zeigt sich auch an den zahlreichen Arealen, die nun neu überplant werden. Meilensteine der Innenstadtgestaltung waren zuletzt die Eröffnung des LÖ. und die Umgestaltung der Palmstraße. Mit dem neuen Zentralklinikum des Landkreises, der Lauffenmühle und der Neuen Mitte Nordstadt der Wohnbau Lörrach werden im Norden Lörrachs Akzente in den Themen Gesundheitswesen, nachhaltige Gewerbeansiedlung und Wohnraumversorgung gesetzt.

Wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Bildung

Wie nun bekannt wurde, sollen im Stadtzentrum mit der Bebauung des St. Elisabethen-Areals ebenfalls (bezahlbare) Wohnungen geschaffen werden. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Areal des Kreiskrankenhauses in einem Transformationsprozess. Angedacht ist „ein lebendiges, nachhaltiges Quartier für alle Generationen“, so beschreibt es die Verwaltung, in dem gleichfalls mehrere Themen – etwa Wohnen, Dienstleistung, Gesundheit – ausgerollt werden. Interessanterweise plädiert das vorwiegend vom Handel getragene Unternehmernetzwerk „Pro Lörrach“ dafür, dort keine weiteren Einzelhandelsflächen zu etablieren. In dieser Hinsicht hat Lörrach eine Größenordnung erreicht, die nicht weiter ausgebaut werden sollte. Könnte das benachbarte Vogelbachareal in die Flächenentwicklung einbezogen werden, würde dies die Möglichkeiten abermals erweitern.

Auf der Südseite der Innenstadt befindet sich das Köchlin-Gelände, sprich: das ehemalige KBC-Firmenareal, vor dem Entwicklungssprung. Dort wird Gewerbe die zentrale Nutzungsvariante sein, aber auch Bildung (DHBW) und Wohnen werden dort eine Rolle spielen.

Von der unsicheren Perspektive zur Idee und zur Umsetzung

An einigen dieser Wandelareale ist gut zu beobachten, wie sich Prozesse in einer Stadt Schritt für Schritt vollziehen können: Von der unsicheren Ausgangslage mit Fragezeichen bei den Flächenperspektiven über die erste Erörterung von Ideen und inhaltlichen Kontroversen zur Annäherung und Konkretisierung der Vorstellungen bis hin zu Kompromiss und Konzept – und schließlich zur Umsetzung mit grünem Licht aus den Gremien.

Zukunftsthemen: Stadtklima, Strukturwandel und Digitalisierung

Unterdessen beschäftigen sich parallel Arbeitsgruppen wie „Grün und Blau“ oder Projekte wie „Neue Balance“ und „Smart City“ mit Herausforderungen wie Stadtklima, dem Strukturwandel in der Innenstadt und Digitalisierung. Dass auch diese Prozesse mit Unsicherheiten und Fragen verbunden sind, ist kein Anlass für Argwohn – wie dies gelegentlich kolportiert wird. Auch Debatten und Kontroversen zeugen – wenn sie konstruktiv und zielführend ausgetragen werden - von der Stärke einer Stadt.