Seit über 35 Jahren unterstützt die Initiative Eine Welt die Arbeit des Entwicklungshelfers Rudi Reitinger in Segundo Montes. Er berichtet über das von ihm über viele Jahre aufgebaute Projekt und stellt seine Nachfolger Digna Orellana und Carlos Tabora vor.
„Als ich 1984 als Katastrophenhelfer in ein Flüchtlingslager nach El Salvador kam, war eigentlich vorgesehen, dass ich für ein Jahr bleibe.“ 41 Jahre später ist Reitinger, inzwischen 76 Jahre alt, immer noch vor Ort und derzeit auf Besuch in seiner Heimat.
Hier berichtet er über das von ihm über viele Jahre aufgebaute Projekt Acedim (Asociación Centro de Desarrollo Integral de Morazán), bittet um finanzielle Unterstützung und stellt seine Nachfolger Digna Orellana und Carlos Tabora vor.
Dieser Tage waren die drei auf Einladung der Initiative Eine Welt zu Gast im Ökumenischen Zentrum. Während sich Digna um die Universitätsstipendien kümmert und als Schriftführerin agiert, ist Carlos administrativer Chef des Vereins und für die Buchhaltung zuständig.
Stipendien für Jugendliche
Ein Film zeigte auf beeindruckende Weise, was von den derzeit 27 Mitarbeitern so alles geleistet wird. Man fördert demnach durch die Vergabe von Stipendien Jugendliche unter der Bedingung, dass sie aus armen Familien stammen, 150 Stunden in sozialen Projekten mitarbeiten und gute schulische Leistungen zeigen.
Ein Stipendium, informierte Digna Orellana, koste 1920 Dollar pro Jahr. Neue Stipendiaten könnten am Gymnasium Segundo Montes unter den Optionen Technik, Landwirtschaft sowie Touristik wählen. Rund 90 Prozent der späteren Studienabsolventen blieben im Land, das diese Fachkräfte dringend benötige.
Kinder- und Jugendarbeit
Des Weiteren, ergänzte Rudi Reitinger, engagiere sich „Acedim“ beispielsweise auch in der Kinder- und Jugendarbeit, mit einem Ausbildungszentrum, einer Volksbibliothek, Sport- und Freizeitmöglichkeiten sowie einem Altenzentrum. Unterstützung von staatlichen Stellen? Weitestgehend Fehlanzeige.
Hannelore und Martin Eberenz von der Initiative Eine Welt erläuterten, dass die dortige Armenspeisung den Schwerpunkt der Hilfe der St. Georgener Gruppe darstelle. Auch viele alleinstehende Senioren erhielten so regelmäßige Mahlzeiten.
Medizinische Versorgung
Zusätzlich leiste man dort Betreuung und bei Bedarf medizinische Versorgung. Reitinger ging auch auf die allgemeine politische Situation in El Salvador ein.
Zahlreiche Banden, die sogenannten Maras, sorgten für eine dramatische Sicherheitslage mit überbordender Kriminalität. Ihnen habe der 2019 gewählte Präsident Bukele – selbst autoritär und rücksichtslos herrschend – den Krieg erklärt. Er habe den Ausnahmezustand ausgerufen.
Viele Auszeichnungen
Unter den rund 85000 Inhaftierten im Land gebe es viele Unschuldige. Rudi Reitinger erhielt für sein jahrzehntelanges Engagement hohe Auszeichnungen: 1996 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2005 die Staufermedaille Baden-Württemberg und 2024 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
Finanzielle Unterstützung
Wichtiger als diese Ehrungen wären ihm sicherlich – das wurde in der anschließenden Gesprächsrunde deutlich – dringend benötigte „handfeste“ finanzielle Unterstützung für sein Lebenswerk gewesen. Die fehlte indes von staatlicher Seite.
So richtig „in Rente“ geht Reitinger aber dann doch noch nicht. Er wird in Segundo Montes bleiben und den Kollegen von „Acedim“ weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen.