Was mit dem Krankenhaus-Areal passieren wird, nachdem der Gesundheitscampus eröffnet ist, steht noch in den Sternen. Foto: Bernklau

Das Tage des alten Krankenhauses in Calw sind gezählt. Ende 2023 soll der Neubau im Stammheimer Feld stehen. Doch was geschieht mit dem Areal des Altbaus? Um dies zu beantworten, braucht es unter anderem Machbarkeitsstudien, meint Calws Oberbürgermeister Florian Kling. Große Teile eines Kreistags-Ausschusses sprachen sich nun aber gegen eine solche aus.

Calw - Rund 3,5 Hektar ist es groß, bebaut mit Gebäuden, die mindestens teilweise "schon aufgrund ihres Alters keine wirtschaftliche Perspektive mehr haben". So wird das Areal des Calwer Krankenhauses in Unterlagen zur jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses (VWA) des Calwer Kreistags beschrieben. Und da bereits in diesem Sommer die Baugenehmigung für den Krankenhaus-Neubau im Stammheimer Feld erwartet wird, scheint es an der Zeit zu sein, sich konkrete Gedanken über eine spätere Nutzung dieses Areals zu machen.

 

Verkauf an Quote für sozialen Wohnungsbau binden

Einen Anhaltspunkt hätte eine Machbarkeitsstudie für knapp 47.000 Euro liefern können, mit der unter anderem ein Verkaufspreis ermittelt werden sollte. Dazu wird es nun zunächst nicht kommen: Landrat Helmut Riegger zog das Thema in der jüngsten VWA-Sitzung zurück, weil die Zustimmung zu fehlen schien.

Jürgen Großmann (CDU-Fraktionssprecher), fehlte der Part der Stadt, die etwa ein Sanierungsgebiet ausweisen könne, Ursula Utters (SPD-Fraktionssprecherin) und Johannes Schwarz (Grünen-Fraktionssprecher) wollten den Verkauf an eine Quote für sozialen Wohnungsbau gebunden sehen und Volker Schuler (FWV-Fraktionssprecher) meinte, dass "zuerst die Stadt Calw einen Bebauungsplan" aufstellen solle. Riegger hingegen wollte mit der Studie eigentlich nur ein "Preisschild" für die Grundstücke haben, auf dem seiner Einschätzung nach ein Betrag "im zweistelligen Millionenbereich" stehen dürfte.

Für Bebauungsplan ist Stadt zuständig

Doch wie weit ist die Entwicklung des Areals überhaupt aus Sicht der Stadt Calw fortgeschritten? "Wir hatten eigentlich geplant, in der Frühjahrsklausur mit dem Gemeinderat das weitere Vorgehen seitens der Stadt zu besprechen. Diese konnte allerdings bisher coronabedingt nicht stattfinden", erklärt Calws Oberbürgermeister Florian Kling auf Anfrage unserer Zeitung.

Klar sei, Stand jetzt, dass sich die meisten Grundstücke und das alte Krankenhaus-Areal im Besitz des Landkreises befinden. "Das heißt, entweder der Landkreis entwickelt das Ganze zusammen mit der Stadt oder verkauft die Liegenschaften und der Käufer kümmert sich um die Nachnutzung", zählt Kling auf. "Die Stadt selbst ist natürlich involviert und Planungspartner, weil jede Entwicklung nicht ohne das notwendige Baurecht geht." Für den Bebauungsplan sei die Stadt zuständig. Einen solchen könne man für dieses Gebiet "aber nicht wie auf der grünen Wiese in einem Neubaugebiet aufstellen", stattdessen werde wohl eine städtebauliche Quartiersplanung benötigt. Vom Bebauungsplan wiederum hänge ab, was dort gebaut werden dürfe. "Und erst darüber lässt sich für einen Investor die Wirtschaftlichkeit berechnen", erläutert der Oberbürgermeister.

Von den Möglichkeiten der Bebauung, aber auch von den Abrisskosten, hänge dann wiederum der Kaufpreis für das Areal ab. Letztere seien aber vermutlich nur schwer zu ermitteln. Solange das Krankenhaus noch genutzt werde, könne dieses wohl nur oberflächlich begutachtet werden. "Es wird aber ohne Gutachten und Machbarkeitsstudien sowie Architekturplanungen nichts gehen", ist Kling überzeugt.

Stadt hat Interesse an einer geeigneten Nachnutzung

Die Stadt habe natürlich "großes Interesse an einer geeigneten Nachnutzung" und werde sich daher eng mit dem Landkreis über das weitere Vorgehen abstimmen. Grundsätzlich komme "auch ein Kauf durch die Stadt und damit eine eigenständige Entwicklung des Areals in Frage" – derzeit sei aber weder abschätzbar, ob dies finanziell gestemmt werden könnte, "noch ob der Gemeinderat dieses große Projekt als kommunales Projekt angehen möchte. In diesem Zusammenhang müsste auch geprüft werden, ob ein Sanierungsgebiet möglich wäre – allerdings fangen wir gerade erst mit dem Sanierungsgebiet am nördlichen Stadteingang an", gibt der Oberbürgermeister zu bedenken. Wie das Areal genutzt werden könnte, lasse sich insofern zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Bis ein mögliches Sanierungsgebiet, ein Bebauungsplan oder sogar eine konkrete Bebauung spruchreif werden, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Ob der Kreistagsausschuss so lange mit einer Machbarkeitsstudie abwarten möchte, bleibt abzuwarten.