Das Impfinteresse im KIZ hat zwar nachgelassen, doch Sonderimpfaktionen werden von den Bürgern im Kreis dennoch gut angenommen. Foto: benjaminnolte – stock.adobe.com

Die Corona-Entwicklung im Kreis Rottweil fasst Landrat Wolf-Rüdiger Michel in der Telefonkonferenz am Donnerstag so zusammen: "Das ist jetzt die Pandemie der Ungeimpften". Zwar sei die Inzidenz zurückgegangen, dennoch ist die Zahl der jüngeren, ungeimpften Menschen, die wegen Covid ins Krankenhaus müssen, recht hoch.

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Kreis Rottweil - Der Schwerpunkt der Corona-Infizierten liegt demnach aktuell bei den 20- bis 59-Jährigen. Der Großteil der 17 Fälle, die zuletzt im Krankenhaus behandelt werden mussten, sei ungeimpft. "Den Jungen macht es nichts – das gilt nicht mehr", so Michel. Verantwortlich dafür sei die aggressivere Delta-Variante, erklärt Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt. Deren Übertragbarkeit sei zudem höher. Auch ein erst wenige Wochen altes Kind habe jetzt wegen einer Covid-Erkrankung zwei Tage stationär behandelt werden müssen. Und man unterscheide durchaus, ob die Behandlung durch das Virus nötig werde, oder aufgrund anderer Erkrankungen.

Aktuell gebe es täglich etwas 29 neue Fälle pro Tag. Drei Ausbrüche im Kreis seien zu verzeichnen, darunter einer in einer Firma mit bislang 14 Fällen. Im September habe es bislang 606 Corona-Infektionen gegeben, das seien mehr, als in der ganzen ersten Welle im vergangenen Jahr.

Laut Michel haben sich seit Ende Februar 2020 bis jetzt 8810 Bürger im Kreis Rottweil mit dem Corona-Virus infiziert. Bislang seien 166 Todesfälle zu beklagen, zuletzt seien erfreulicherweise keine weiteren hinzugekommen. Das Thema Infektionen durch Reiserückkehrer klinge langsam ab. Mit der Inzidenz von 115 (Stand Donnerstagmorgen) sei man aber immer noch auf dem unrühmlichen zweiten Platz im Land, gleichauf mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis.

Die Impfquote von 57,4 Prozent liege rund zwei Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Aber, so betont Michel, mit Blick auf vergleichbare Landkreise im ländlichen Raum stehe man sogar besser da. Bislang gab es im Kreisimpfzentrum 72 450 Impfungen, davon 36 000 Zweitimpfungen.

Am 30. September um 15 Uhr ist dann endgültig Schluss im KIZ in Rottweil, berichtet die ärztliche Leiterin Martine Hielscher. In KW 37 wurden noch 1167 Personen geimpft. Der Impfsonntag sei ein Erfolg gewesen. "Wir hoffen, dass auch in der letzten Woche noch einige vorbeischauen", so Hielscher. Der Impfstoff, der dann noch übrig ist, werde an Mobile Impfteams oder die Hausärzte gegeben. Der Landrat dankt allen, die im Kreisimpfzentrum bislang "Großartiges geleistet" hätten, stellvertretend nannte er Kreisbrandmeister Nicos Laetsch und Martine Hielscher.

Es dürfe nicht verschwiegen werden, dass die KIZ-Mitarbeiter auch Unschönes erleben mussten, zum einen im Frühjahr, als der Impfstoff knapp war, und Menschen, die sich unbedingt impfen lassen wollten, ihren Frust beim KIZ ausgelassen hätten, aber auch durch vehemente Impfgegner. Nun sei man überzeugt, dass die Haus- und Betriebsärzte die Impfungen gut weiterführen. Die Sonderimpfaktionen hätten gezeigt, dass das Interesse weiter da ist. "Wir hoffen, dass wir im Herbst/Winter dann vielleicht bei einer Impfquote von 70 oder sogar 80 Prozent sind", zeigte sich Michel überaus optimistisch.

Veränderungen kündigen sich laut Ordnungsamtsleiter Thomas Seeger bei den Schulen an. Die dreimalige Testpflicht für Schüler pro Woche soll zeitnah in die Corona-Verordnung aufgenommen werden. Der Blick gehe nun verstärkt auf die Hospitalisierungs-Inzidenz und die Auslastung der Intensivbetten (AIB). Dies werde nicht kreisweit, sondern landesweit erfasst. Man befinde sich aktuell in der untersten von drei Warnstufen.

Im Pflegebereich sei die Entwicklung stabil. Es gebe einen bestätigten Fall bei einer Beschäftigten. Rund die Hälfte der Einrichtungen im Kreis habe ein Mobiles Impfteam für Auffrischungsimpfungen angefordert, kleinere Häuser machen dies über die Ärzte vor Ort – bei denen künftig grundsätzlich der Fokus in Sachen Impfungen liegen wird.