Glücklich im Kreise seiner Spieler: VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nach dem 3:0 in Mönchengladbach. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hat in drei Wettbewerben die Chance, Großes zu erreichen – eine Entwicklung erfreut Sebastian Hoeneß besonders.

Ein paar Extrarunden musste der Flieger des VfB Stuttgart drehen, bevor er am Sonntagabend in Echterdingen laden konnte. Der massive Schneefall beeinträchtigte den Verkehr auch in der Luft, die Landebahn musste mehrfach geräumt werden. Nach ein paar Runden hatte das Kreisen und Warten ein Ende, der Tross der Weiß-Roten konnte am Abend nach dem 3:0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach sicher im winterlichen Ambiente landen.

 

Die Bahn war also erst nach einigen Schwierigkeiten frei – was wunderbar ins übergeordnete Bild in diesen Tagen passte. Denn auch in der Bundesliga-Partie in Mönchengladbach klappten die Dinge vorher erst nach einigen Wacklern und Widerständen. So hielt der Keeper Alexander Nübel in der Anfangsphase einen Handelfmeter, ehe das Team von Sebastian Hoeneß das Steuer übernahm und die Sache souverän in den sicheren Hafen lenkte.

Die Entwicklung in der Europa League

Bahn frei also auch hier am Ende im Bundesliga-Auswärtsspiel – was sich allerdings in einem anderen Wettbewerb so wohl erstmal nicht darstellen wird. Denn der direkte Weg ins Achtelfinale der Europa League ist ja nach dem 0:2 bei der AS Rom und vor dem letzten Spieltag der Ligaphase gegen Young Boys Bern am Donnerstag (21 Uhr) tabellarisch schon arg versperrt. Weshalb der VfB vermutlich eine Extrarunde in den Play-offs wird drehen müssen, um in der Runde der letzten 16 Teams zu landen.

Das Team von Sebastian Hoeneß ist gefestigt

Allerdings: Zumindest nach den jüngsten Gesamteindrücken lässt sich sagen, dass das Team für die nächsten Aufgaben gewappnet ist – auch für mögliche Umwege und Extraschleifen. Für erfolgreiche Manöver braucht es gefestigte Abläufe und Routinen. Und genau das haben die Stuttgarter in ihrem Repertoire zu bieten. Denn das 3:0 in Mönchengladbach kurz nach einem kräftezehrenden Europa-Trip nach Rom samt bitterer Niederlage taugt als Blaupause für einen Reifeprozess.

In der vergangenen Saison noch brach das Hoeneß-Team nach dem ernüchternden Aus in der Champions League gegen Paris St-Germain ein paar Wochen lang regelrecht ein. In diesen Wochen nun ist eine allgemeine Entwicklung zu beobachten, die der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth in Mönchengladbach so umschrieb: „Wir sammeln immer noch Erfahrung, haben uns aber schon seit der vergangenen Saison weiterentwickelt.“

Was Wohlgemuth meint: Der gesamte Verein hat sich auf den Rhythmus mit den Europapokal-Partien eingestellt. „Wir haben die neuen Erfahrungen mit einfließen lassen: in der Belastungssteuerung, in der schnellen Umstellung nach den Spielen – und darin, sich von Ergebnissen nicht emotional leiten zu lassen und sich schnell wieder neu aufzustellen.“

Aktuelles Beispiel: das 3:0 von Mönchengladbach drei Tage nach dem 0:2 von Rom. Gefestigt, fokussiert und dominant trat der VfB nach dem Nackenschlag auf – wie ein Spitzenteam also. „Die Mannschaft“, sagt Wohlgemuth, „wirkt stabil, geduldig, überlegt und bedacht, das ist ein Zeichen der Entwicklung.“

Dem wollte Trainer Hoeneß später auf dem Mönchengladbacher Pressepodium nicht widersprechen. Der Coach blickte im Detail auf die Fortschritte seiner Elf. „Unsere Laufleistungen sind gut und häufig besser als beim Gegner, unsere Zweikampfquoten sind außergewöhnlich – das ist die Basis“, sagte Hoeneß. In Mönchengladbach etwa hatte der VfB in Summe eine fast sagenhafte Quote von 62 Prozent an gewonnenen Zweikämpfen und lief knapp drei Kilometer mehr als der Gegner.

Solche Zahlen machen jeden Trainer stolz. „Dass wir kicken können und gute Abläufe haben, wissen wir“, sagte Hoeneß weiter: „Aber die Basis ist, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen, hohe Balleroberungen zu haben und diese am Ende auch zu nutzen.“

Alexander Nübel hält den Elfer von Gladbachs Haris Tabakovic. Foto: IMAGO/Sven Simon

Die fehlende Effizienz aber war ja das Problem gewesen in den drei Partien gegen Eintracht Frankfurt (3:2), Union Berlin (1:1) und in Rom, weshalb Hoeneß nun nach dem 3:0 von Mönchengladbach die Floskel der „Momentaufnahme“ bemühte: „Wenn der Elfer für Gladbach reingeht und wir am Ende nur 1:1 spielen, dann sehen die Fragen anders aus. Ich wehre mich dagegen, jetzt alles in eine schöne Verpackung zu legen – wir sind gut unterwegs, das wissen wir, und das Gefühl hatten wir auch nach der Niederlage in Rom.“

Das große Ganze und die allgemeine Entwicklung im Blick zu behalten, unabhängig von den jeweiligen Ergebnissen, das liegt im nüchternen und sachlichen Naturell des Fußballlehrers Hoeneß – der auch nach Siegen niemals abhebt und auf dem Boden bleibt.

Was nicht ausschließt, dass der VfB-Express in den nächsten Wochen in drei Wettbewerben zum Höhenflug ansetzt: Die Bahn ist frei, um Erfolge zu landen.