Entwarnung im Calwer Krankehaus: Bisher wurden keine Mutanten bei den Tests gefunden. Foto: Fritsch

Die Hälfte aller veranlassten Tests sind inzwischen ausgewertet. 

Nach einem massiven Corona-Ausbruch am Krankenhaus in Calw konnte inzwischen die Hälfte aller Tests ausgewertet werden. Demnach wurden bei den Infizierten keine Coronavirus-Mutationen gefunden.

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Calw - Noch gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine Mutation des Corona-Virus für den massiven Ausbruch an den Kliniken Calw verantwortlich sein könnte. Von zehn ersten positiven Ergebnissen am Mittwoch hatte sich das Virus schnell verbreitet: Am Freitag waren bereits 53 Mitarbeiter und zehn Patienten infiziert.

Allerdings: Noch immer warten der Klinikverbund Südwest, zu dem das Krankenhaus gehört, und der Landkreis Calw auf weitere Ergebnisse vom Landesgesundheitsamt. Dort werden die Coronatests aus der Hesse-Stadt analysiert. "Mittlerweile liegt ein ausreichender Teil an Ergebnissen der Laboruntersuchungen auf Corona-Mutationen vor, um das Infektionsgeschehen einer vorläufigen Einschätzung unterziehen zu können", teilt der Landkreis Calw dazu am Dienstagabend mit. "Bislang kommen alle ausgewerteten Proben der Laboruntersuchungen zu dem Ergebnis, dass die positiv getesteten Fälle aus dem Krankenhaus nicht durch eine der bekannten Virusmutationen hervorgerufen wurden."

Am Dienstag stellte sich die Lage wie folgt dar: 66 Mitarbeiter sind infiziert, bei den Patienten ist kein weiterer dazugekommen, es bleibt also bei zehn. Stand Dienstag standen knapp 400 Beschäftigte unter Quarantäne. Das sind vor allem Mitarbeiter, "die unter die Pendler-Quarantäne fallen", erklärt Janina Müssle, die Pressesprecherin des Landkreises.

Denn seit Freitagabend, seit sich der massive Ausbruch offenbarte, müssen sich zum einen die Infizierten absondern, zum andern stehen solche Mitarbeiter, die am Freitag oder danach Dienst hatten unter Pendler-Quarantäne. Das heißt, sie dürfen sich nur in ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz aufhalten. Hart getroffen hat es deren Angehörige: Die mussten sich vorsorglich ebenfalls absondern. Immerhin gab es für sie am Montagabend gegen 20.30 Uhr eine gute Nachricht: Die Stadt Calw als Ortspolizeibehörde hob – in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt – ihre Quarantäne wieder auf.

Im Krankenhaus gilt unterdessen weiterhin ein stationärer Aufnahmestopp. Dort befinden sich noch 56 Patienten unter Quarantäne wegen des aktuellen Ausbruchs. Derzeit werden elf Covid 19-Patienten in dem Krankenhaus behandelt – unabhängig von den jüngsten Ereignissen. Drei von ihnen auf der Intensivstation.

Dass die Zahl der Mitarbeiter, die unter Pendler-Quarantäne stehen, steigt und inzwischen fast zwei Drittel der Belegschaft ausmacht, hat einen einfachen Grund: Zwar sind vorrangig Mitarbeiter im Einsatz, die bereits am Freitag im Dienst waren und sich ohnehin absondern müssen. Das allerdings hat seine Grenzen, schildert Ingo Matheus, der Unternehmenssprecher des Klinikverbunds Südwest. Mit jeder Schicht, die startet, kommen also noch mehr Mitarbeiter dazu, die sich dann nur noch zu Hause und in der Klinik aufhalten dürfen. "Das lässt sich gar nicht anders machen", erklärt Matheus. Ein Ausnahmezustand. Dennoch: "Der Teamgeist und das Engagement, der Zusammenhalt untereinander ist riesig."

Nächste Testrunde startet am Mittwoch

Die Mitarbeiter seien sehr betroffen von dem Ausbruch – gerade, weil sie zwölf Monate erfolgreich durch die Pandemie gekommen seien und in dieser Zeit weit über 200 Covid 19-Patienten behandelt hätten. Unterdessen will der Klinikverbund in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt noch einmal alle ohnehin strengen Hygienemaßnahmen überprüfen. Ein Leser unserer Zeitung hatte geschildert, als Patient für eine Untersuchung ohne vorherige Fiebermessung ins Krankenhaus gekommen zu sein – was nicht möglich sein sollte. Ingo Matheus vermutet, dabei könnte es sich schlicht um ein Missverständnis zwischen dem Sicherheitsdienst an der Pforte und dem betreffenden Patienten gehandelt haben.

Wer vergangene Woche ebenfalls in der Klinik war und sich nun Sorgen macht, der kann sich an die Hotline des Gesundheitsamts, Telefon 07051/160 160, wenden. In dieser Situation keinen Anruf vom Gesundheitsamt, das für die Nachverfolgung von Kontaktpersonen zuständig ist, zu bekommen, ist aus Sicht von Matheus eigentlich ein gutes Zeichen. Es bedeutet nämlich, dass der Betreffende keinen Kontakt mit einer infizierten Person – etwa Krankenhauspersonal – hatte.

Das ist im Klinikum inzwischen so gut wie unmöglich. Denn alle Mitarbeiter, die derzeit dort tätig sind, können einen negativen ersten PCR-Test vorweisen. Die nächste Testrunde startet am Mittwoch. Dann wird wieder das gesamte Personal getestet. Und es heißt wieder warten – auf die Ergebnisse des Tests, aber auch auf die restlichen Analysen in Sachen Mutation. Der Landkreis ist trotzdem schon jetzt zuversichtlich. Er teilt mit: "Zwar stehen noch weitere Ergebnisse aus, aber nach unserer Bewertung ist die Schwere des Ausbruchs am Krankenhaus Calw damit aber nicht maßgeblich durch eine der bekannten Virusmutationen hervorgerufen worden."

 Landkreis Calw

Der Landkreis nimmt Veränderungen mit Blick auf die Veröffentlichung der aktuellen Coronazahlen vor. Auf die Zahl der aktiven Infektionen und die Zahl der Genesenen verzichtet die Kreisbehörde künftig. Unter anderem weil die Quarantäne bei einer Infektion mit dem normalen Virus zehn Tage beträgt und die bei Mutationen 14 Tage, wird die Berechnung zu kompliziert. "Wir möchten den Bürgern aber trotzdem einen groben Überblick über das Infektionsgeschehen geben", erklärt Pressesprecherin Janina Müssle. Deshalb werde die Summe der positiven Fälle der vergangenen zehn Tage veröffentlicht, und die Neuinfektionen pro Kommunen werden weiterhin täglich vermeldet. Bei der Gesamtfallzahl sowie der Inzidenz verweist die Kreisverwaltung künftig auf das Landesgesundheitsamt (LGA) und verzichtet auf eigene Zahlen.

 Aktuelles

Im Kreis Calw wurden am Dienstag 29 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Neun Fälle entfallen auf Calw, sechs auf Althengstett, vier auf Altensteig, zwei auf Bad Liebenzell und je ein Fall auf Bad Herrenalb, Bad Teinach-Zavelstein, Egenhausen, Gechingen, Nagold, Ostelsheim, Schömberg und Simmersfeld In den Kliniken im Kreis Calw befinden 37 Personen, die positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet wurden, in stationärer Behandlung – sechs davon auf der Intensivstation. Der Inzidenzwert liegt bei 95,5.

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