Der Kanal zum ehemaligen Wasserkraftwerk weist noch Spuren des letzten Hochwassers vom März dieses Jahres auf. Foto: Lück

Für den Kauf der Sprudelfabrik, die an der Eyach liegt und bei den Hochwasserschutz-Plänen eine Rolle spielt, gibt es keinen Landeszuschuss.

Da kommen Erinnerungen an die Flutkatastrophe im Ahrtal hoch. Die damalige zuständige Umweltministerin Anna Spiegel (Grüne, Rheinland-Pfalz) trat im April 2022 als Bundesfamilienministerin zurück. Grund: SMS-Protokolle legten nahe, dass Spiegel 2021 nicht rechtzeitig auf die drohende Flut reagiert hatte.

 

Jetzt geht es um Thekla Walter. Grüne Umweltministerin von Baden-Württemberg. Verschläft sie den Hochwasserschutz in Mühringen, für den vor zwei Jahren sogar eine Bürgeraktion demonstriert hat? Ist sie verantwortlich, wenn die nächste Flut der Eyach Mühringen davonspült?

OB Peter Rosenberger: „Wir haben dem Umweltministerium vorgeschlagen, dass es die alte Sprudelfabrik aufkauft. Die liegt mitten im Überschwemmungsgebiet. Durch den Kauf hat man eine bessere Möglichkeit, den Hochwasserschutz zu optimieren. Die Antwort ist ablehnend. Ich bitte alle Gemeinderäte, die Zugang zum Ministerium haben, einzuwirken!“

Das Wehr kurz nach dem verheerenden Hochwasser von 2013.

Abriss der alten Fabrik wäre hilfreich

Warum wäre der Kauf der Sprudelfabrik so wichtig?

Rathaussprecherin Inge Weber: „Der Hochwasserschutz in Mühringen kann auch ohne das Einbeziehen der Sprudelfabrik gelöst werden, man nutzt aber – möglicherweise einmalig vorhandene – Synergien nicht, die auch aus ökologischen Gründen mehr als sinnvoll wären.“ Mit dem Abriss der Sprudelfabrik und der Renaturierung der Fläche könnte das Wasser der Eyach bei Hochwasser schneller abfließen, so das Argument der Horber. Das soll helfen, verheerenden Hochwassern wie im Jahr 2013 vorzubeugen.

Doch Ministerin Walker lehnt ab. Das Rathaus: „Mit Schreiben vom 23. März hat Ministerin Theresa Walker diesem Vorschlag eine Absage erteilt. Gleichwohl wird erkannt, dass an der Gewässerökologie der Eyach Handlungsbedarf bestehe. Die Fläche im Bereich der ehemaligen Sprudelfabrik komme aus fachlicher Sicht des Ministeriums eher nicht in Betracht, auch die hohen Kostenrisiken werden mit angeführt. Eine Unterstützung beim Kauf der Industriebrache könne seitens des Ministeriums nicht in Aussicht gestellt werden.“

Stadt allein kann die Aufgabe des Landes nicht stemmen

Was tut das Rathaus?

Die Rathaussprecherin: „Die Stadt allein kann schon wegen der Zuständigkeit des Landes für begleitende Maßnahmen an Gewässern erster Ordnung (dazu zählt auch die Eyach) nicht tätig werden. Die Maßnahmen würden die finanziellen Möglichkeiten der Großen Kreisstadt Horb am Neckar bei weitem übersteigen.“

Aber: Das Rathaus hat im Hintergrund seinen Teil dazu beigetragen, das Mühringen sicherer vor Hochwasser werden kann.

Stadt Horb betreibt Wehranlage

Rathaussprecherin Weber: „Die Stadt Horb ist seit dem 1. Januar Eigentümerin und Betreiberin des Wehrs in Mühringen, das Teil der Wasserkraftanlage an der Eyach ist. Nachdem die bisherige Eigentümerin die Wasserkraftanlage aufgegeben hat, dort kein Strom mehr erzeugt wird und die dazugehörigen Liegenschaften und Grundstücke zum Verkauf standen, hat die Stadt die Grundstücke und baulichen Anlagen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erworben!“

So steht es um den Hochwasserschutz in Mührigen

Wie weit ist die Planung?
Das Rathaus: „Zuständig ist das Land. Das Rathaus hat angeboten, die Planung zu übernehmen. Im Jahr 2020 wurde das fixiert. Seitdem plant Ingenieurbüro Häberle. Das ist auch für die Eyach für das Regierungspräsidium Tübingen für die Hochwasserschutzplanung zuständig.

Kriegt Mühringen überhaupt Hochwasserschutz?
Unklar. Vor allem, wann. Die Rathaussprecherin: „Bei den vorbereitenden Untersuchungen und den hieraus abgeleiteten Planungsvorschlägen des Ingenieurbüros ergab sich schnell, dass auf den zur Verfügung stehenden Grundstücken entlang der Eyach aufgrund der beengten Situation mit dem Gleiskörper der Hohenzollerischen Landesbahn der Hochwasserschutz nur sehr aufwendig technisch umzusetzen wäre. Die umfängliche Funktionsfähigkeit konnte in dieser Planungsphase nicht bestätigt werden.

Wann war das letzte Hochwasser?