70 Altkleidercontainer des Landkreises stehen in der Region – und werden zunehmend zum Problem.
Die Zeit, als das Geschäft mit den Altkleidern auch für den Schwarzwald-Baar-Kreis noch ein rentierliches war, liegt noch gar nicht so lange zurück. Vor 15 Jahren führte das Recycling von Alttextilien, das sich zunehmend etablierte, sogar zu einem Preisanstieg.
Davon bekamen immer mehr gewerbliche Anbieter Wind und machten den blauen Containern des Landkreises mit eigenen Behältern mächtig Konkurrenz. Doch jetzt hat sich der Wind gedreht.
Jetzt ganz offensichtlich anders
Die Rahmenbedingungen sind anders, rauer, das Geschäftsmodell lohnt sich kaum mehr. Viele Gewerbliche haben sich deshalb aus diesem Markt zurückgezogen. Der Landkreis jedoch bleibt auf dem Problem sitzen. Denn das ist es mittlerweile, das Geschäft mit den Altkleidern. Lohnenswert ist das Aufstellen von Containern schon seit einiger Zeit nicht mehr wirklich. „Sie haben vielleicht auch schon bemerkt, dass es keine Haussammlungen mehr gibt“, so Abfallwirtschaftsamtsleiter Martin Fetscher. Statt der Erlöse also steigt der Ärger. „Wer mit offenen Augen durch den Landkreis fährt, der hat leider gesehen, dass rund um die Altkleidercontainer eine Riesensauerei war“, erklärte hierzu Landrat Sven Hinterseh und sprach Offensichtliches an.
Kaum einer will’s noch machen
Reichten die Erlöse zuletzt mindestens aus, um die Kosten für Sammlung, Logistik, Sortierung und Vermarktung zu decken, ist die Sache jetzt offenbar nicht mehr lukrativ genug. „Die Ausschreibung erbrachte erstmalig ein Ergebnis, bei welchem kein Bieter abzüglich der Sammel- und Logistikkosten noch Netto-Erlöse an den Landkreis zu bezahlen bereit war“, teilte die Kreisverwaltung nun im Ausschuss für Umwelt und Technik den Kreisräten mit.
Zu den recht geringen Kosten, die der Landkreis nun also für die Sammlung und Verwertung der Alttextilien bezahlen müsse, kämen die Reinigungspauschalen für die Reinigung der Containerplätze an die Städte und Gemeinden sowie Kosten für den Unterhalt der kreiseigenen Container hinzu. Kurzum: Der Landkreis legt unterm Strich drauf. Und auch der Ärger häuft sich: Immer öfter fallen vermüllte und überfüllte Containerplätze auf – die Menge steigt, die Behälter werden immer schneller voll, müssen in der Folge auch immer rascher wieder geleert werden, so Fetscher. Illegal wird auf den Arealen Sperrmüll und Restabfall entsorgt.
Und im Schwarzwald-Baar-Kreis war dieses Problem nun umso größer, da mit einem Wechsel des gewerblichen Partners parallel zu der neuen Situation im Altkleidermarkt auch noch eine Einarbeitungs- und Übergangsphase einher ging.
Container nur noch auf dem Wertstoffhof?
Zwischenzeitlich habe sich die Lage zwar beruhigt – der Landkreis reagierte unter anderem mit einem kürzeren Zyklus bei der Leerung, die neue Firma ist mittlerweile eingearbeitet. Und trotzdem: „Ich frage mich wirklich“, gab Landrat Sven Hinterseh zu, „wir haben so gute Wertstoff- und Recyclinghöfe, da ist jemand, der danach guckt – wäre es nicht ausreichend, wenn wir unsere Altkleidercontainer auf unseren Recycling- und Wertstoffhöfen hätten?“
Auch Abfallprofi Martin Fetscher gab bezüglich der im Landkreis verteilten Behälter zu: „Es würde ohne Weiteres funktionieren, wenn wir auf die Container verzichten“, 70 Stück seien es aktuell. Dass die Idee ihren Charme hat, musste auch Jörg Frey zugeben. „Ich könnte mir das sehr wohl auch vorstellen“, mit einem dicken „Aber“ goss er jedoch als Erster Wasser in den Wein: „Aber dann müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass wir dann auch alle Glascontainer abbauen müssen.“ Sonst sei klar, wie das Experiment ende: Die Leute stellten ihre Altkleidersäcke einfach neben die Glascontainer. Und: Wenn die Container nur noch auf den Wertstoffhöfen stünden, steige dort auch die Frequenz erheblich.
Auf Gemeinnützige kommt es an
Fetscher gab Anderes zu bedenken: Die Frage sei auch, was die Gemeinnützigen machen – solange die ihre Sammlung aufrecht erhalten, „kann es uns ja Recht sein“. Die Organisationen aber würden das nur tun, „wenn noch etwas hängen bleibt“ – und ziehen sie sich zurück, wären die Container mit einem Schlag aus den Städten und Gemeinden verschwunden, wenn die Kreiscontainer auf die Wertstoff- und Recyclinghöfe umziehen. Ein No-Go für den Landkreis, der auf wohnortnahen Service setzt – auch im Sinne älterer oder weniger mobilen Bürger.
Es sei auch eine Frage des Preises
Patrick Bossert, CDU, brachte es auf den Punkt: „Es hilft wohl nur ein kurzes Leerungsintervall. Wir sind tatsächlich, so wie alle hier drin, total unzufrieden mit der Situation.“ Wären die Altkleider wieder mehr wert, dann wäre der Markt auch für die privaten Anbieter wieder interessanter.
Dass die Altkleider-Entsorgung über die Frage des „Wohin“ ein echtes Thema bei den Bürgern ist, wurde in vielen Wortmeldungen der Kreisräte deutlich. Martina Braun von den Grünen wurde beispielsweise schon öfter angesprochen von Bürgern, „weil es hieß, keine Altkleider in den Restmüll – die Leute verstehen den Unterschied nicht, dass kaputte Kleidung ja doch in den Restmüll soll“.
Und Martin Fetscher berichtete von großem Andrang auf den Wertstoffhöfen bei den dortigen Containern – „wir haben zwischenzeitlich alle informiert, dass niemand mehr weggeschickt wird, wenn er mit Altkleidern kommt“, auch wenn der Container auf dem Wertstoffhof voll sei, „da müssen wir uns dann etwas Anderes überlegen, aber wir müssen das annehmen“.