Vorstandschaft und Ausschuss des MVL präsentieren sich mit Schlichter Ralf Ulbrich (links). Foto: Reinhardt

Der Musikverein Lauffen stand nach massiven inneren Zerwürfnissen vor der Auflösung. Jetzt wurden wegweisende Entscheidungen gefällt. Hier alle Einzelheiten.

Der Musikverein Lauffen, dessen 125-jährige Tradition jüngst auf dem Spiel stand, hat nach einer emotionalen Krisenzeit und intensiven Schlichtungsversuchen einen wichtigen Schritt in Richtung Neuanfang gemacht.

 

Die Mitgliederversammlung Freitagabend markierte einen Wendepunkt, nachdem der Verein aufgrund eines tiefen Risses innerhalb der Kapelle und der Nichtakzeptanz der Entlassung des ehemaligen Dirigenten vor der Auflösung stand.

Die angespannte Situation, die sogar dazu führte, dass Musiker sich nicht mehr grüßten und Proben sowie Konzerte von Misstrauen geprägt waren, konnte durch die engagierte Moderation von Bürgermeister Ralf Ulbrich entschärft werden.

Schlichtungsspruch des Bürgermeisters

Nach einer emotionalen Aussprache und einer Beratungspause präsentierte Bürgermeister Ulbrich einen Schlichtungsspruch, der von allen Beteiligten akzeptiert werden musste. Die Schlichtung, die in zwei Terminen erfolgreich abgeschlossen wurde, führte zu wegweisenden Einigungen: Alle Vertreter haben sich nun darauf geeinigt, dass sämtliche Konflikte aus der Vergangenheit in der Zukunft ruhen und nicht weiter thematisiert werden. Ein normaler Umgang untereinander soll wieder gepflegt werden, und alle aktiven Musiker stehen komplett hinter einem neuen Ausschussgremium.

Für alle eine Ehrenerklärung

Zudem müssen alle Musiker eine Ehrenerklärung unterschreiben. Christian Hensel, Simon Miller und Tobias Engesser sollen ein neues Ausschussteam zusammenstellen, welches sich zunächst für ein „Probejahr“ bis zur nächsten Hauptversammlung wählen lässt.

Mit vereinten Kräften in eine sichere Zukunft (von links): Thomas Drasch, Tobias Engesser, Christian Hensel und Simon Miller. Foto: Reinhardt

Eine Schlichtungsrunde tagt bei Bedarf, um mögliche neue Konflikte direkt zu besprechen, wobei grobe Abweichungen harte Konsequenzen wie einen Vereinsausschluss oder gar eine Auflösung nach sich ziehen können.

Künftig agieren Teams

Ein zentraler Punkt der Neuausrichtung ist die Umstrukturierung des Vorstandes und Ausschusses. Zukünftig sollen alle Vereinsaufgaben in Teams erledigt werden, um die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Jedes Team wird von einem vertretungsberechtigten Vorstandsmitglied geführt, und jedes aktive Mitglied übernimmt mindestens eine außermusikalische Aufgabe.

Geplant sind vier Teams: Musik und Jugend, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Technik, sowie Finanzen und Verwaltung. Dadurch werden die bisherigen Ämter Kassierer, Jugendleiter und Schriftführer abgeschafft, und alle Aufgaben sowie Verantwortlichkeiten in einer Geschäftsordnung definiert.

Die neue Satzung, die den Grundstein für diese Veränderungen bildet, war vor der Mitgliederversammlung online und vor Ort einsehbar. Unter anderem wurden neue Regeln für die Ehrenmitgliedschaft aufgenommen. Auch wurden Rechte der Mitglieder konkretisiert und eine Regelung für Zahlungsverzug hinzugefügt.

Die Ausschlusskriterien wurden präzisiert, und der „Ausschuss“ als neues Organ aufgenommen. Der Vorstand besteht künftig aus mindestens einem und höchstens drei gleichberechtigten Vorsitzenden sowie dem Geschäftsführer.

Der neue Ausschuss wird für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt, wobei bei Bedarf eine Verkürzung auf ein Jahr möglich ist. Er besteht aus dem Vorstand und mindestens sechs weiteren Mitgliedern.

Die neuen Teams

Ein Höhepunkt waren die Wahlen, die die neue Struktur des Vereins mit Leben füllten. Folgende Teams wurden gewählt: Für Musik und Jugend sind dies Tobias Engesser, Johanna Tischler, Silke Damaschek und Bettina Zehnder. Das Team Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit bilden Christian Hensel, Marita Gruler, Johannes Faitsch, Johanna Lohrmann, Angela Moser und Dennis Normann.

Für Organisation und Technik wurden Simon Miller, Clemens Miller, Joachim Ilg und Sebastian Grimm gewählt. Die Finanzen und Verwaltung übernehmen Thomas Drasch, Ruth Staiger, Katrin Spadinger und Manuela Drasch. Die Versammlung wählte in offener Abstimmung, wobei das Votum einstimmig bei jeweils einer Enthaltung war.

Die Mitgliederversammlung zeigte sich optimistisch, dass diese umfassenden Änderungen den Musikverein Lauffen vor der Auflösung bewahren und seine 125-jährige Tradition fortsetzen werden.

Der Beifall für Bürgermeister Ralf Ulbrich und für die neugewählten Vorstands- und Ausschussmitglieder zollte Respekt und Erleichterung, dass das Gespenst der Auflösung verschwunden ist.