Ein Auto des Car-Sharing-Anbieters Teilauto fährt durch Leipzig. Auch in Ergenzingen hat sich der Ortschaftsrat für Teilauto entschieden. (Symbolfoto) Foto: Jan Woitas/dpa

In Ergenzingen ist die Entscheidung gefallen: Nach intensiver Debatte setzt der Ortschaftsrat auf ein regionales Car-Sharing-Modell.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen ist entschieden: Für Car-Sharing in Ergenzingen bekam das Unternehmen „teilAuto Neckar-Alb“ in Kooperation mit den Rottenburger Stadtwerken (SWR) bei der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch den Zuschlag.

 

Das hatte bei der Probeabstimmung im November vergangenen Jahres anders ausgesehen. Da wurde die Deer GmbH deutlich favorisiert.

Die finale Entscheidung ist bei der Novembersitzung vertagt worden. Der Ortschaftsrat wollte noch mehr Informationen zu den Kosten haben.

Angebot nachgebessert Jetzt hat sich etwas getan, unter anderem hat „teilAuto“ sein Angebot nachgebessert. Auch hat sich die Stadt geäußert, in der Form allerdings, dass Philipp Schäfer (NUR) von „Beeinflussung des Ortschaftsrats durch die Stadt“ sprach. Ortsvorsteher Timo Wachendorfer erläuterte dies: OB Stephan Neher habe gesagt, dass „Deer“ eine Konkurrenz zu den eigenen Stadtwerken sei. Die SWR beteiligt sich nämlich mit einer Kostenpauschale an dem Vorhaben und stellt außerdem die Ladesäulen. Mittel aus dem städtischen Haushalt werde es für Deer daher nicht geben, habe der OB mitgeteilt.

Sponsor Kolpingfamilie Die Kolpingfamilie ist als Sponsor mit dabei, um die Elektromobilität zu fördern. Sie habe zunächst Deer bevorzugt, sagte Josef Weber. Ausschlaggebend dafür war, dass der Car-Sharing-Anbieter aus Calw ausschließlich Elektrofahrzeuge bereit stellt und dafür an der Ladesäule den Öko-Strom liefert. Der Konkurrent aus der Region Neckar-Alb würde, zumindest für die Anfangszeit, auch einen Verbrenner hinstellen. Später solle aber auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden.

Testfahrt unternommen Weber hat, ebenso wie Ortschaftsrätin Cornelia Ziegler-Wegner (BfE), eine Testfahrt nach Tübingen unternommen. Das Ergebnis war, dass Deer etwas günstiger als „teilAuto“ ist. Dass Deer auch Einwegfahren ermöglicht, wurde ebenfalls als Plus angesehen. Noch genauer hatte sich Alexander Nisch (UB) mit den Angeboten der beiden Anbieter beschäftigt. Letzten Endes ging es aber darum, was Car-Sharing die öffentliche Hand kostet.

Die Kolpingfamilie hatte sich bereit erklärt, einen Beitrag von 8000 Euro zu leisten, egal welches Unternehmen zum Zug kommt. Dieser Betrag spielt bei der Finanzierung denn auch eine große Rolle.

5000 Euro fehlen Was schließlich gegen Deer sprach, war, dass am Ende noch 5000 Euro fehlen. Diese Summe müsste die Ortschaft, eventuell durch weitere Sponsoren, aufbringen. Wenn das Car-Sharing-Projekt aber nicht funktioniere, käme es, so Reinhold Baur (UB), zu einem „ordentlichen Verlust“. Dann wäre auch der Beitrag der Kolpingfamilie verloren. Bei „teilAuto“ sah er die Hürden abgebaut. Das Unternehmen hat im Nachhinein, wie Ortsvorsteher Wachendorfer mitgeteilt hatte, auf eine Anmeldegebühr für die Fahrzeugnutzung verzichtet. Der Vorteil sei auch, dass die Stadtwerke den Strom für die Ladesäule lieferten. Das Gemeinschaftsprojekt könne sofort umgesetzt werden und sei bezahlbar, meinte Cornelia Ziegler-Wegner.

Stadtwerke als Partner Der Ortschaftsrat entschied sich bei einer Enthaltung für „teilAuto“ mit den Stadtwerken als Partner. Bedingung ist allerdings, dass der monatliche Zuschuss über zwei Jahre hinweg als eine Art Anschubfinanzierung auf 300 Euro begrenzt bleibt. Außerdem muss nach einem halben Jahr ein Elektro-Fahrzeug zur Verfügung gestellt werden.