Wenn Manuel Neuer heute Mittag die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld führt, wird er dies ohne die "One Love"-Binde machen. Die Fifa hat Tragen der bunten Kapitänsbinde bei der WM in Katar verboten, der DFB beugt sich dieser Entscheidung. Ortenauer Spielführer können das nicht nachvollziehen. Foto: Charisius

Sie sollte ein Zeichen für Vielfalt werden, stattdessen wurde sie zum Politikum: die "One Love"-Kapitänsbinde bei der WM. Spielführer aus der Ortenau kritisieren das Fifa-Verbot und hätten sich vom DFB gewünscht, die Binde trotzdem zu tragen.

Der Fußball ist bislang bei dieser Weltmeisterschaft allenfalls Nebensache: Fans, die zur Halbzeit gehen, Alkoholverbot in den Stadien und nun das Verbot der "One Love"-Kapitänsbinde durch die Fifa dominieren die Schlagzeilen. Vor allem letzteres schlug am Montag große Wellen, als mehrere europäische Verbände – darunter auch der DFB – aus Angst vor Sanktionen entschieden, ihre Spielführer nicht mit der bunten Kapitänsbinde aufs Feld zu schicken. Unsere Redaktion hat Ortenauer Teamkapitäne von der Verbands- bis zur Kreisliga gefragt, was sie von der Entscheidung von Fifa und DFB halten.

Johannes Wirth vom SC Lahr:
Der Kapitän des Verbandsliga-Tabellenführer hat bei der Diskussion das Gefühl, "dass die Fifa sich ein Eigentor schießt". Denn durch das Verbot werde mehr über das Thema gesprochen, als vorher. Dass der Weltverband das Tragen der Binde untersage, findet Wirth "schwach". "Die Binde steht ja für etwas, das jeder unterschreiben sollte. Dass man das dann verbietet, ist umso trauriger", so der Sportclub-Spielführer. Vom DFB hätte er sich mehr Widerstand gegen die Entscheidung gewünscht. Das Verbot einfach hinzunehmen sei "ein Tick zu wenig", so Wirth, der den Nationalspielern in dieser Situation keinen Vorwurf machen will.

Matthias Schweiß vom FSV Seelbach:
"Es ist wahnsinnig, dass so etwas überhaupt verboten wird. Es ist ja schon schlimm genug, dass die WM in dem Land ausgetragen wird", äußert der Kapitän des Landesligisten sein Unverständnis über die Entscheidung der Fifa. Das Verbot der Kapitänsbinde bezeichnet Schweiß als "peinlich, aber die Entscheidung passt zum Gesamtbild", sagt er. Auch die Entscheidung des DFB, die Binde nicht zu nutzen, kann er nicht verstehen. "Eine mögliche Strafe wäre ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Schweiß, der zumindest hofft, dass die Debatte etwas bringt. "Dadurch, dass die Binde jetzt verboten wurde, wird sie ja zumindest zum Thema gemacht", sagt Schweiß, der bei seinen eigenen Spielen eine Regenbogen-Kapitänsbinde trägt.

Mirko Weidenbach vom FV Sulz:
Der Spielführer des Bezirksligisten findet es "schade, dass die Fifa da einen Riegel vorschiebt". Für Weidenbach wäre die bunte Binde am Arm des Kapitäns ein "starkes Zeichen" gewesen, das nun nicht zum Einsatz kommt. Dass der Deutsche Fußball-Bund entschieden hat, sich der Fifa-Ansage zu beugen, überrascht den Sulzer Kapitän ein wenig. "Ich bin verwundert, dass der DFB es lässt. Ich hätte erwartet und damit gerechnet, dass ein paar Mannschaften die Binde trotzdem tragen", sagt er.

David Wagner vom FV Dinglingen:
Für den Kapitän des Kreisliga-A-Aufsteigers ist das Verbot durch die Fifa ein "schwaches Zeichen", das er nicht verstehen kann. Auch, dass die europäischen Verbände nun kleinbeigeben, finde er nicht gut. "Ich hätte es gut gefunden, wenn die europäischen Mannschaften die Binde trotz des Verbots getragen hätten – auch wenn schwer vorherzusehen ist, was die Strafe dafür ist", so Wagner. Den Spielern könne man keinen Vorwurf machen, "für sie ist es eine vielleicht einmalige Chance, für ihr Land zu spielen". Er hätte sich stattdessen vom DFB gewünscht, dem Kapitän auch bei drohender Strafe Rückendeckung zu geben.