Das Gebiet um das Umspannwerk vor Trillfingen ist heiß begehrt. Jetzt flatterten dem Ortschaftsrat Pläne zur Aufstellung von Batteriespeichern auf den Tisch.
In Zeiten der Energiewende sind die Äcker und Wiesen rings um das 110/20 kV-Umspannwerk (zwischen Seehof und Trillfinger Sportgelände Wollensack) nahezu so begehrt wie ein freies Baugrundstück mitten in Stuttgart. Schon im vergangenen Jahr wollten dort die „Feldwerke“ GmbH aus München und „Stromernte“ aus Bad Boll auf privaten landwirtschaftlichen Flächen Photovoltaik-Anlagen auf Ständern realisieren. Der Haigerlocher Gemeinderat erteilte diesen Plänen aber mit knapper Mehrheit eine Abfuhr.
Jetzt tut sich etwas Neues. Die Stromgut GmbH aus Neukirche nahe Wangen im Allgäu ist auf den Plan getreten. Ihr Vorhaben: Sie möchte auf einem städtischen Grundstück im Gewann „Reichertsweg“ mehrere in Container eingehauste Batteriespeicher bauen und ans Umspannwerk und an die Stromleitungen in diesem Gebiet ankoppeln. Ihr Versprechen: Die Batteriespeicher sollen eine stabile Stromversorgung sichern, die Netze entlasten und Lastschwankungen ausgleichen. Damit sei es möglich, erneuerbare Energien effizient zu nutzen und eine Stromversorgung unabhängiger vom Wetter zu gestalten.
Speicher kaum sichtbar
Es gibt noch weitere Vorteile einer solchen Anlage, zumindest in der Argumentation des Unternehmens: Die Container sind maximal drei Meter hoch und kaum sichtbar in der Landschaft, sie benötigen wenig Fläche; mit Punktfundamenten und Schotterbetten wird eine Vollversiegelung von Flächen vermieden. Auch Kritikpunkte wie Lautstärke oder Sicherheit – gerne bei Windrad-Debatten ins Feld geführt – sind für „Stromgut“ kein Thema. In einem Abstand von einem Meter wird nach Angaben der Firma eine Geräuschkulisse von 60 bis 70 Dezibel erzeugt, so viel wie ein lautes Gespräch unter Menschen, ab zehn bis 20 Meter sinke der Lärmpegel auf 45 bis 40 Dezibel.
Und was die Sicherheit betrifft: „Stromgut“ verwendet nach eigenen Darstellungen in seinen Speichern Lithium-Eisenphosphat-Zellen, die nicht explosionsartig abbrennen können und frei von Kobalt und Nickel sind. Im Falle eines Falles: Die Container sind mit vollautomatisierten Löschsystemen ausgerüstet.
Das Argument, bei dem die meisten im Ortschaftsrat aber hellhörig geworden sein dürften: „Stromgut“ stellt die Batteriespeicher als attraktive Einnahmequellen dar, die der Stadt sowohl eine jährliche Pacht fürs Grundstück als auch einen möglicherweise fünfstelligen Betrag an Gewerbesteuer (siehe Info) bescheren könnten. Trotz solcher interessanten Aussichten gab es im Ortschaftsrat jedoch mahnende Stimmen.
Ortschaftsrat stimmt dem Projekt zu
„Sicher wird man solche Speicher brauchen, aber wir sollten jetzt nicht nur Zahlen aus einem Hochglanz-Prospekt glauben. Es sollten schon richtige Berechnungen der Einnahmemöglichkeiten her“, erklärte Ortschaftsrat Ralf Heim. Sein Kollege Noah Beck glaubt eher daran, dass sich die Leute künftig Akkus zur Sicherung der Stromversorgung in ihren eigenen Kellern aufstellen.
Simon Fecht meinte dagegen, dass man sich solchen Projekten nicht verschließen sollte. Und Alexandra Graf wies darauf hin, dass praktisch jeder, der beim Trillfinger Umspannwerk eine Fläche besitze, von einer Firma aus der Batteriespeicher-Branche angeschrieben worden sei. Wenn die Stadt das nicht mache, dann möglicherweise Privatleute.
Am Ende gab der Ortschaftsrat dem Projekt seine Zustimmung – allerdings legt er Wert darauf, dass die möglichen Einnahmen konkret dargestellt werden und Fragen zu Umwelt- und Sicherheitsrisiken noch detaillierter beantwortet werden.
Zahlen und Fakten
Pro Megawatt installierter Leistung bietet „Stromgut“ 1000 Euro Pachteinnahmen an. Bei einer geplanten Speicherkapazität von 6,5 Megawatt wäre für das Grundstück im „Reichertweg“ an die Stadt jährlich eine Pacht von 6500 Euro. Das Unternehmen aus Oberschwaben rechnet mit 100.000 Euro Gewerbesteuer pro Jahr (bei einem Hebesatz von 350 Prozent). Aufgrund der „gesetzlichen Zerlegung“ würden davon 90 Prozent an die Stadt Haigerloch fließen.
Keine versteckten: Kosten: „Stromgut“ will die Kosten für Planung, Netzanschluss, Bau, Betrieb und einen etwaigen späteren Rückbau zu 100 Prozent selbst finanzieren.
Für Erdarbeiten, Begrünung und Pflege sollen Firmen aus dem Raum Haigerloch beauftragt werden.