Über eine Million Euro flossen in den vergangenen Jahren in die Instandhaltung der Rangendinger Sammelkläranlage. Das hat Auswirkungen auf die Gebühren der Schmutzwasserbeseitigung, was die Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem kommenden Jahr deutlich zu spüren bekommen. Foto: Stifel

Auf eine drastische Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren müssen sich die Rangendinger ab dem kommenden Jahr einstellen.

Der Gemeinderat Rangendingen hat in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr am Montag eine Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren um insgesamt 1,68 Euro pro Kubikmeter, was einer Steigerung von 27 Prozent entspricht, einstimmig beschlossen. Zum 1. Januar 2026 klettert der Preis für Frischwasser pro Kubikmeter von 3,16 Euro auf 3,77 Euro (zuzüglich 7 Prozent Mehrwertsteuer).

 

Am stärksten betroffen ist die Abwassergebühr. Sie steigt von 3,07 Euro auf 4,14 Euro. Die Anpassung bedeutet für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmetern Mehrkosten von etwa 250 Euro. Und auch beim Niederschlagswasser, das nach abflussrelevanter Fläche abgerechnet wird, wird kräftig zugelangt.

Künftig müssen dafür 44 Cent statt bisher 33 Cent bezahlt werden. Die Niederschlagswassergebühr gliedert sich auf in 29 Cent Kanalgebühr und 15 Cent Klärgebühr. Die letzte Gebührenanpassung liegt zwei Jahre zurück.

Gemeinderat folgt Vorschlag der Verwaltung

Der Gemeinderat folgte bei Abstimmung über die Satzungsänderungen dem Vorschlag der Verwaltung. Die wiederum hat die Kalkulationsdokumente der Kommunalberatungsfirma Firma Heyder+Partner aus Tübingen zugrunde gelegt. Es müsse kostendeckend gearbeitet werden, sagte Kämmerer Alexander Wannenmacher in der Gemeinderatssitzung. Man wolle weder einen Gewinn noch einen Verlust erzielen.

Wannenmacher machte deutlich, dass der Eigenbetrieb Wasserversorgung in seinen Jahresabschlüssen 2022 und 2023 einen Verlust von insgesamt 375 000 Euro ausweist – für ihn eine „massive Unterdeckung“. Der Eigenbetrieb müsse deswegen regelmäßig auf Kassenmittel aus dem Gemeindehaushalt zurückgreifen, um über ausreichend liquide Mittel zu verfügen. Um eine Quersubventionierung aus anderen Bereichen des Gemeindehaushalts für die Wasser- und Abwasserversorgung sowie Ausschlüsse aus möglichen zukünftigen Förderprogrammen zu vermeiden, seien die Gebühren entsprechend kostendeckend für die Zeiträume 2026 und 2027 neu kalkuliert worden. Die Neukalkulation wolle man alle zwei Jahre vornehmen.

Personal- und Verwaltungskosten sind gestiegen

Für den Preisanstieg beim Trinkwasser machte Wannenmacher gestiegene Personal- und Verwaltungskosten, Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen für das Anlagevermögen und Unterhaltungskosten für die Wasserversorgung verantwortlich. „In letzten Jahren haben wir im Wasser- und Abwasserbereich wahnsinnig viel investiert. Das schlägt sich nun nieder.“ Steigerungen werde es künftig ebenso beim Wasserbezugspreis vom Zweckverband Starzel-​Eyach Wasserversorgungsgruppe geben. „Das verzögert sich noch, er wird aber in den nächsten Jahren stark nach oben gehen.“ 2024 lag der Wasserbezugspreis bei 1,81 Euro pro Kubikmeter.

Während beim Schmutzwasser 2022 noch ein Gewinn von 5000 Euro übrigblieb, schlug ein Jahr später ein heftiges Defizit von 192 000 Euro mit fast den gleichen Faktoren zu Buche. Kämmerer Wannenmacher sprach in einzelnen Bereichen von teils über 50 Prozent Mehrausgaben. Hohe Investitionen in die Kläranlage verschärften die Kostensituation, zu der Haug Stellung bezog. Die Kläranlage sei umgebaut und komplett erneuert worden, argumentierte er.

„Die großen Gebührensprünge machen wir nicht freiwillig“

„So wie bisher konnten wir nicht weitermachen.“ Über eine Million Euro flossen in den vergangenen Jahren in den Erhaltungsaufwand der Sammelkläranlage als Pflichtaufgabe der Gemeinde. „Das ist immens und schlägt sich durch. Dafür haben wir jetzt eine sehr gut aufgestellte Kläranlage. Die großen Brocken im Abwasser haben wir hinter uns und wir hoffen, dass das so bleibt.“

Was die Eigenkontrollverordnung zur systematischen Überprüfung des Kanalnetzes anbelangt, sagte Haug, dass momentan keine größeren Maßnahmen zu befürchten seien. Zusammenfassend meinte er: „Die großen Gebührensprünge machen wir nicht freiwillig. Wir haben keine andere Wahl.“ Schließlich müsse kostendeckend gewirtschaftet werden. Die Kosten für Verbrauchs- und Betriebsmittel hätten sich teils vervierfacht.