Die Mehrheit des Bauausschusses folgte dem Kompromissvorschlag der Hechinger Stadtverwaltung zum Streit um die Fürstengarten-Bepflanzung: Damit wird eine niedrige Hainbuchenhecke, 80 bis 100 Zentimeter hoch, gepflanzt werden. Foto: Stadtverwaltung zum

Zwischen Zollernstraße und Fürstengarten wird wieder eine Hainbuchenhecke gepflanzt – allerdings deutlich niedriger als die frühere.

„Eine kleine Hecke ist besser als keine Hecke“, sagte Gert Rominger von den „Freunden des Fürstengartens“, als er am Dienstagabend um 20.20 Uhr den Hechinger Ratssaal verließ. Zusammen mit Joachim Wien, dem Vorsitzenden des Fördervereins Villa Eugenia, und Jürgen Detel vom Nabu hatte er die kontroverse Debatte des Bauausschusses über die Wiederbepflanzung zwischen der sanierten Zollernstraße und dem Fürstengarten verfolgt. Die Stimmung bei den Herren war gemischt: Einerseits erleichtert über das Ergebnis der Abstimmung, andererseits verärgert über manche Diskussionsbeiträge.

 

Acht von 13 Räten für die kleine Hecke

Die Meinungen, die quer durch die Fraktionen geäußert wurden, waren so unterschiedlich wie die in der ganzen Hechinger Bevölkerung. Am Ende der Debatte stimmten jedoch 8 von 13 stimmberechtigten Räten für den Kompromissvorschlag, den die Stadtverwaltung erst Stunden vor der Sitzung öffentlich gemacht hatte. Er lautet: „An der Zollernstraße wird entlang des Fürstengartens eine Hainbuchenhecke mit einer Höhe von 80 bis 100 Zentimetern gepflanzt.“ Eine neue Hecke wird also kommen, wenn auch deutlich niedriger als die ursprünglich in Aussicht gestellte Neubepflanzung „in Brusthöhe“.

„Wir meinen, dass eine niedrige Hecke ein sehr guter Kompromiss ist“, erläuterte der Hoch- und Tiefbauchef bei der Stadtverwaltung, Michael Werner. „Er würdigt, was jahrzehntelang davor war, und lässt trotzdem die Sichtbeziehungen offen.“

Der Parkplaner will plötzlich keine Hecke mehr

Pikanterweise hatte sich ausgerechnet Albrecht Schaal, der für das Parkpflegewerk verantwortliche Landschaftsarchitekt vom Büro grün3 in einer aktuellen Stellungnahme für den gänzlichen Verzicht auf eine Hecke ausgesprochen – in Abweichung von seiner ursprünglichen Haltung. Bei den strikten Heckenbefürwortern von Nabu, Villa-Förderverein und „Freunden des Fürstengartens“ löste diese Kehrtwendung Kopfschütteln aus.

Roland Huber ist „für gar keine Hecke“

Die Heckengegner am Ratstisch hatten jedoch einen neuen Kronzeugen gefunden. Vorneweg der Freie Wähler Roland Huber, der es „Nonsens“ nannte, „öffentlichen Raum gegen öffentlichen Raum abzugrenzen“ und damit die neuerdings „wunderbare Sicht in den Fürstengarten“ zunichte zu machen. Huber war ganz klar „für gar keine Hecke“.

Ronny Stengel hält sich an Gertrude Stein

Unterstützung erhielt er auf der anderen Seite des Ratstisches von Ronny Stengel. Der Christdemokrat zeigte sich literarisch versiert und stellte in Anlehnung an die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein („Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“) fest: „Eine Hecke ist eine Hecke ist eine Hecke.“ Was er damit meinte: Auch die von der Verwaltung vorgeschlagene kleine Hecke würde den Charakter des Fürstengartens „als Stadtpark“ stören. Stengel befürwortete die vom Parkplaner Schaal neuerdings angeregte „lockere Sträucherbepflanzung“.

Wichtig: die neuen Sichtbeziehungen

Auch Stengels CDU-Nebensitzerin Ingrid Riester pflichtete bei: „Eine große Hecke ist unnötig.“ Sie würde nur den „wunderbaren Blick auf die Villa“ verstellen. Sozialdemokrat Felix Miller sah es ähnlich: „Die neue Zollernstraße ist auf Sichtbeziehungen angelegt. Ohne Abgrenzung rückt die Villa näher an den Stadtraum heran.“

Niedrige Hecke ist pflegeleichter

Quer durch die Fraktionen gingen indes auch die Pro-Hecken-Stimmen. Andreas Bogenschütz (CDU) begrüßte die Idee mit der kleinen Hecke: „Man kann drüberschauen, aber nicht drüberlaufen.“ Außerdem sei eine niedrige Hecke pflegeleichter als die große Hecke von früher, die ja auch nur durch Vernachlässigung so groß geworden sei.

Vees: „Nicht, damit sich die Autofahrer wohlfühlen“

Einen „sehr guten Vorschlag der Verwaltung“ lobte der Freie Wähler Alexander Vees. „Ein Park braucht den Halt zur Straße hin“, lautete sein Plädoyer für eine begrünte Abgrenzung. Denjenigen, die die freie Sicht von der Zollernstraße her rühmten, hielt Vees entgegen: „Wir haben den Fürstengarten nicht, damit sich die Autofahrer wohlfühlen, sondern damit sich die Parkbesucher wohlfühlen.“

Bunte Liste will eine Hecke

Für die Bunte Liste stellte Winfried Rullof klar: „Unsere Fraktion will eine Hecke.“ Der Park brauche eine Einfassung. Die Hecke müsse ja nicht so hoch wie früher sein, als man die Villa dahinter überhaupt nicht gesehen habe. Also: „Wir können mit einer niedrigen Hecke leben“.

Jürgen Staib will den freien Blick

Der Freie Wähler Jürgen Staib hielt noch einmal dagegen: „Viele Leute in der Bevölkerung wollen keine Hecke. Wir machen zu wenig aus unseren Schmuckstücken. Der freie Blick auf die Villa ist entscheidend.“

Vier Räte gegen den Kompromiss

Bei der Abstimmung enthielt sich Staib freilich. Anders als Huber, Riester, Stengel und Miller, die gegen den Kompromissvorschlag der Verwaltung mit der kleinen Hecke votierten. Acht Befürworter reichten schließlich für eine deutliche Mehrheit.

Das Schlusswort nahm sich Ronny Stengel. Er nahm die Stadt in die Pflicht, „dafür Sorge zu tragen, dass die Wuchshöhe nicht über einen Meter hinausgeht“.

„Verstoß gegen das Transparenzgebot“

Munter weiterdiskutiert wurde anschließend im Treppenhaus. Die Hecken-Freunde aus dem Publikum zeigten sich zwar mit dem Abstimmungsergebnis zufrieden, waren aber fassungslos über den Tenor der Debatte. Jürgen Detel vom Nabu brachte es auf diesen Punkt: „Es ist erschütternd, dass fast keiner aus der Perspektive der Parknutzer diskutiert hat.“ Die meisten hätten nur die Sichtweise der vorbeifahrenden Autofahrer im Blick gehabt. Gert Rominger kritisierte zudem, dass die Stadtverwaltung ihren Beschlussvorschlag erst am Tag der Sitzung publik gemacht hat. Das sei „ein Verstoß gegen das Transparenzgebot“.