Noch ist die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald nicht in trockenen Tüchern. Doch die Zustimmung des Nationalparkrats vom Freitag ist ein entscheidender Schritt. Jetzt muss noch der Landtag zustimmen. Werden die Kritiker nun schweigen?
Klaus Michael Rückert, Vorsitzender des Nationalparkrats und Landrat von Freudenstadt, kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Es ist Frühling, der Schnee schmilzt“ – und nun hat auch noch der Rat des Nationalparks Schwarzwald der lange und kontrovers diskutierten Erweiterung des Parks zugestimmt.
Lediglich eine Stunde habe die Sondersitzung am Freitag gedauert, so Rückert, auch das Ergebnis könne sich durchaus sehen lassen: Lediglich ein Mitglied des Rats habe dagegen gestimmt: der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf.
„Es ist gut, dass wir die Anregungen der Menschen so ernst genommen haben“, so Rückert mit Blick auf Kritiker der Erweiterung. In dem Ratsgremium sind neben dem Ministerium und der Nationalparkverwaltung alle angrenzenden Kommunen und Landkreise vertreten.
Ministerin: Strahlkraft für Schwarzwald insgesamt
Auch Umweltministerin Thekla Walker äußert sich nach der Sitzung im Nationalparkzentrum am Ruhestein hocherfreut. Sie hatte in den letzten Wochen mehrere Zugeständnisse an die Kritiker unter den unmittelbaren Nachbarn des Erweiterungsgebiets gemacht, hatte sich immer wieder auf Veranstaltungen kritischen Fragen gestellt.
„Der vereinigte, kompakte neue Nationalpark wird eine noch größere Strahlkraft für den Schwarzwald insgesamt entfalten“, sagt sie nun voraus. Man habe „viele Wünsche der Anrainerinnen und Anrainer berücksichtigt“. Dabei ging es vor allem um Wegerechte der Anwohner und um die Borkenkäferbekämpfung im neuen, rund 1500 Hektar großen Erweiterungsgebiet, das die beiden bisher getrennten Teile des Nationalparks verbinden soll.
Langenbachtal besonders betroffen
Der 2014 gegründete Nationalpark soll damit von derzeit rund 10 000 Hektar auf 11 500 Hektar anwachsen. Allerdings, bevor Anfang nächsten Jahres die Erweiterung tatsächlich in die Realität umgesetzt werden kann, muss sich zuvor der Landtag in Stuttgart damit beschäftigen – und zustimmen. Rückert und die Ministerin geben sich zwar beide optimistisch, aber: „Landtag ist Landtag“, sagt Rückert vieldeutig.
Erst in den letzten Wochen und Monaten ist die Kritik an der Erweiterung immer wieder aufgeflammt. Vor allem Ortschaften wie Schwarzenberg und Schönmünzach sowie Hundsbach, die in unmittelbarer Nähe des Erweiterungsgebiets liegen, hatten an ihren Bedenken festgehalten. Besonders betroffen ist das Langenbachtal – dort leben zwar lediglich 170 Menschen, doch das Gebiet ist vom Nationalpark vollkommen umschlossen. Immer wieder ist es die Sorge um die Wegerechte, die die Menschen umtreibt.
Schlund wirbt um Vertrauen
Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatten die Verantwortlichen des Nationalparks und die Ministerin erklärt, dass „alle breiten, geschotterten Waldwege im Erweiterungsgebiet“ offenbleiben und weiterhin zu Fuß und mit dem Rad genutzt werden können. Dies solle zunächst für eine Dauer von zehn Jahren gelten.
Innerhalb dieser Zeit, so betonte Nationalparkleiter Wolfgang Schlund nach der Sitzung am Freitag nochmals, solle „gemeinsam“ – also von der Nationalparkführung und den Anwohnern – geprüft werden, wie es mit den Wegen und deren Nutzung weitergehen soll. „Mir ist es wichtig, dass die Menschen, die am und zum Teil sogar im Nationalpark leben oder künftig leben werden, wissen, dass sie Vertrauen haben können und wir auch unbürokratische Lösungen finden können“, so Schlund.
Kritikern reichen zehn Jahre nicht
Jedoch, schon im Vorfeld wurde klar, dass den Kritikern eine zehnjährige „Wartezeit“ nicht reicht. „Da wird mit dem Nationalpark praktisch ein Jahrhundertwerk geschaffen“, meinte etwa Bernd Hein, der stellvertretende Ortsvorsteher von Schwarzenberg-Schönmünzach, unlängst – „und uns bietet man ein zehnjähriges Wegerecht an“. Das finde er „etwas dürftig.“
Die anhaltende Kritik aus seinen Teilorten führte auch zum Nein von Bürgermeister Ruf aus Baiersbronn: Sein Gemeinderat hatte ihn aufgefordert, der Erweiterung nicht zuzustimmen.
Ziel: Landtagsbeschluss im Herbst
Weitere Zusagen des Rats an die Kritiker: Das „Borkenkäfermanagement“ rund um den Park soll mindestens auf dem bisherigen Niveau dauerhaft fortgeführt werden. Außerdem sollen die Tal- und Waldflächen im Langenbachtal und im Schönmünztal dauerhaft Managementzonen bleiben, was auch weiterhin Eingriffe in den Wald ermögliche, etwa die Entnahme von vom Borkenkäfer befallenen Fichten. Zudem solle es Garantien zum Schutz der Anwohner vor Feuer und Hochwasser geben.
„Ich gehe davon aus, dass die Punkte und die Gebietskulisse, über die wir heute abgestimmt haben, sich im Gesetzgebungsverfahren genauso wiederfinden – nicht mehr, aber auch nicht weniger“, wurde denn Rückert in der Pressemitteilung des Rats zitiert. Ziel sei es, dass das neue Gesetz über die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald im Herbst dieses Jahres im Landtag beschlossen wird und im Januar 2026 in Kraft treten kann.