Aller Kritik zum Trotz wird die Lahrer Stadtverwaltung den Verkehr auf der B 415 in Kuhbach und Reichenbach wohl herunterbremsen – weil sie es muss. Auch die Kernstadt könnte betroffen sein.
Es war ein wahrer Sturm der Entrüstung, der vor fast genau einem Jahr über das Rathaus hinwegfegte: Am 5. Juli 2023 gab die Verwaltungsspitze per Pressemitteilung bekannt, die erlaubte Geschwindigkeit entlang der B 415 in Kuhbach und Reichenbach von 40 auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Grund für die Entscheidung war eine verkehrs- und schalltechnische Untersuchung – die „eine erhebliche Überschreitung der Lärmwerte“ in beiden Ortsteilen belegte, wie es damals hieß.
Rathaus kündigt Info-Termin an
Doch was zum Schutz der Menschen vor Ort gedacht war, kam bei Anwohnern wie Pendlern gleichermaßen nicht gut an. Letztere fürchteten, künftig noch mehr Zeit zu verlieren im schon heute stockenden Verkehr durch die Lahrer Ortsteile. Die Kuhbacher und Reichenbacher stellten sich auf den Standpunkt: Fahren die Autos langsamer durch die Dörfer, bleiben sie länger und pusten mehr Abgase in die Luft. Zudem fühlten sich die Stadtteile bei der Tempo-30-Entscheidung übergangen. Auch in betroffenen Umlandgemeinden, vor allem im Schuttertal, sorgte die angekündigte Maßnahme für Unmut.
Die Stadtspitze ließ die Kritik im vergangenen Sommer über sich ergehen und kündigte weitere Untersuchungen an. Sicher nicht zuletzt um Zeit zu gewinnen, sollte das beauftragte Büro Fichtner Water & Transportation das Gutachten von 2022, auf dem der Plan zur Temporeduzierung beruhte, mit aktuellen Zahlen und Daten belegen, respektive widerlegen.
Ergebnis liegt schon lange vor
Das Ergebnis liegt seit Monaten vor, doch die Verwaltung rückt bis heute nicht damit heraus. Unsere Redaktion hatte in den vergangenen Wochen mehrfach erfolglos nachgehakt, am Donnerstag ließ das Rathaus immerhin verlauten, dass eine Entscheidung naht: „Es wird noch vor der Sommerpause eine öffentliche Infoveranstaltung geben.“
Der Grund für die Geheimniskrämerei scheint auf der Hand zu liegen. Offenbar hat sich an den Lärmwerten, mit denen die Anwohner der B 415 Tag und Nacht beschallt werden, in den vergangenen zwei Jahren nichts geändert, oder sie sind sogar noch weiter gestiegen – und die Verwaltung überlegt nun, wie sie es den Kuhbachern und Reichenbachern beibringt. Denn eines machten OB Markus Ibert und der zuständige Bürgermeister Guido Schöneboom in der Sache immer wieder klar: Wenn die Belastung in den gesundheitsgefährdenden Bereich geht, bleibt kein Ermessensspielraum, dann muss die Stadt als Straßenverkehrsbehörde einschreiten und buchstäblich auf die Bremse treten. So will es das Gesetz. Auch der Gemeinderat hat dann kein Mitspracherecht.
Ortsvorsteher will noch nicht aufgeben
Die beiden Ortschaftsräte waren im vergangenen Jahr im Nachgang über die Anordnung informiert und somit aus ihrer Sicht vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Norbert Bühler, Ortsvorsteher von Kuhbach, ist nach wie vor kämpferisch: „Aus unserer Sicht muss man nichts ändern, was sich bewährt hat. Und das ist bei Tempo 40 definitiv der Fall.“ Das sehe der Ortschaftsrat und „im Grunde der ganze Ort“ so, wie eine Umfrage schon 2023 gezeigt habe. Bühlers Amtskollege aus Reichenbach, Klaus Girstl, würde zwar auch gerne an der aktuellen Regelung festhalten, zeigt sich aber realistisch: „Wenn die Lärmwerte zu hoch sind, muss die Stadt handeln. Daran können wir dann nichts ändern.“
Derweil könnte der „Brems-Plan“ der Stadtverwaltung noch weitreichender werden als bisher angekündigt. Die Verkehrsexperten des Büros Fichtner haben in ihre Betrachtung zusätzlich die Kernstadt einbezogen: Sollten die Lärmwerte auch hier eine Gesundheitsgefährdung ergeben haben, müsste Tempo 30 auf der B 415 auch von der Geroldsecker Vorstadt bis zum Friedrich-Ebert-Platz (nahe des Einkaufszentrums Arena) angeordnet werden.
Kommt das Nachtfahrverbot für Lkw?
Die Stadt Lahr hatte parallel zur Anordnung von Tempo 30 auf der B 415 angekündigt, zum wiederholten Male ein Lkw-Nachtfahrverbot in Kuhbach und Reichenbach zu beantragen. Das zuständige Regierungspräsidium in Freiburg wollte sich auf LZ-Nachfrage zum aktuellen Stand nicht äußern: Weil die Stadt das jüngste Gutachten dazu in Auftrag gegeben habe, obliege auch ihr es, dessen Ergebnisse zu kommunizieren.