80 Prozent der Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen gepflegt – auch im Kreis Freudenstadt. Foto: Jens Kalaene/dpa

Es braucht bessere Ideen bei der Altenpflege – darüber ist sich der Kreistag einig. Ein neuer Beschluss soll Abhilfe schaffen. Auch das Thema Gewalt wird thematisiert.

Sozialplaner Hendrik Jacobi hatte den Plan erarbeitet und bereits im zuständigen Verwaltungs- und Sozialausschuss eine Woche zuvor ausführlich vorgestellt.

 

Im Kreistag ging es deshalb nur um die finale Beschlussfassung. Ausgangspunkt für den Pflegeplan ist die immer ältere Gesellschaft mit steigendem – deshalb auch immer teurerem – Pflegebedarf.

Man dürfe nicht den Fehler machen, Pflege nur für sich zu betrachten, sagte Jacobi gleich vorab. Sie stehe immer in einem Kontext. Die Lebensbedingungen älterer Menschen und die besonderen Herausforderungen könne man deshalb auch nur gesamtgesellschaftlich lösen.

Zuwanderung gegen alternde Gesellschaft

Er informierte über die Historie des jetzt vorgestellten Plans und seine Entstehung, ebenso über die Zahlen und Fakten, die diesem zugrundeliegen. „Die Tatsache, dass unsere Gesellschaft noch nicht schrumpft und nicht in dem Maße altert, wie man das auf Basis der Zahlen erwarten würde, liegt nur an der Zuwanderung junger Menschen in unser System“, stellte er unmissverständlich klar.

Fakt sei auch, dass Menschen im Alter am liebsten in dem Umfeld und so weiterleben würden, wie sie das gewohnt seien. Das müsse man wissen und das stelle sowohl beim Thema Wohnen als auch beim Thema Teilhabe vor die Herausforderungen, die man aktuell auch habe.

Zum größten Teil von Angehörigen gepflegt

Hinzu kämen Themen wie Altersarmut und Pflegebedürftigkeit, die manchmal kumulierten. Dass das Pflegesystem nicht längst kollabiert sei, habe nur einen Grund: 80 Prozent der pflegebedürftigen Personen würden von ihren Angehörigen– und das oft neben der eigenen Berufstätigkeit – gepflegt.

Jacobi hatte Handlungsfelder erarbeitet, die längerfristig dazu beitragen sollen, die Situation für die Senioren insgesamt zu verbessern. Positiv in diesem Zusammenhang erwähnte er beispielsweise die kommunale Pflegekonferenz, die wichtige Akteure im Bereich der Pflege vernetzt und verbindet.

Der Bereich der Prävention und das Engagement derjenigen, die sich einbringen wollten, gehöre aber noch gestärkt. Eine jährliche Fortschreibung des Plans und die zweijährige Vorstellung im zuständigen Ausschuss hält Jacobi für sinnvoll.

Antrag gegen Gewalt in der Pflege angenommen

Martina Sillmann (Frauenliste) hatte sich gewundert, dass das Thema Gewalt im Alter und in der Pflege nicht aufgegriffen wurde. In Untersuchungen hätten 45 Prozent der Pflegenden sogar selbst angegeben, im Rahmen der Pflege bereits gewalttätig geworden zu sein.

Sillmann wollte deshalb diese Thematik mit einem Antrag aufnehmen. Unterstützt wurde sie von Elisabeth Gebele (Grüne). „Gewalt in der Pflege ist ein Thema“, bestätigte Gebele. Die Anregung wurde aufgegriffen und der Kreissenioren- und Pflegeplan mit dieser zugesagten Ergänzung bei zwei Enthaltungen aus Reihen der AfD beschlossen.