"Dieses Tal könnte so schön sein, wenn die Straße nicht wäre", seufzt Hausens Revierleiter Thomas Stocker beim Gang zwischen Hausen und Neuweiler. Und doch, um die Straße und den auf ihr fließenden Verkehr abzusichern, haben er und seine Albstadt-Kollegen unlängst richtig reingehauen - und viele Bäume ab.
Burladingen-Hausen/Albstadt-Tailfingen - Die meisten davon waren erkrankte Eschen. Wenn die um- und auf die Straße fallen wird es richtig gefährlich. Denn täglich rollen viele hundert Fahrzeuge durchs Tal über die Landesstraße 442 zwischen Tailfingen-Neuweiler und Burladingen-Hausen. Viel davon ist Schwerlastverkehr. Dass man Hand an die Bäume legen müsste, das hatten auch die Albstädter Forstkollegen bemerkt, denn auch sie müssen jährlich zweimal die Bäume an derlei Straßen kontrollieren - wegen der Verkehrssicherung.
Thomas Stockers Revier reicht vielfach an das der Albstädter und Bitzer Kollegen. Richtung Onstmettingen etwa oder hier an der Landstraße 442. "Da sind wir es gewohnt, uns auszutauschen und abzustimmen. Das klappt immer ganz prima. Die Revierleiter Wolfgang Bitzer und Annette Schmid und ich sind in gutem Kontakt", sagt Stocker zur quasi grenzübergreifenden Zusammenarbeit der Schwesterstädte Albstadt und Burladingen.
Dass die Arbeiten bei einseitiger Sperrung des Verkehrs nicht stattfinden können, das war wegen der Anzahl der Fahrzeuge auf beiden Seiten schnell klar. "Das hätte kilometerlange Autoschlangen gegeben. Und wir hätten länger als vier Wochen gebraucht und alle nur genervt", beschreibt Stocker die Situation.
Also entschlossen sich die Revierleiter samt Forstamtsleiter Hermann Schmidt vom Landratsamt zu einer konzertierten Aktion in den Fasnetsferien, sperrten die Straße vom 15. bis 19. Februar erst einmal ab. So sind von der Umleitung über Hermannsdorf nach Burladingen nicht einmal die Schulbusse betroffen – das war die Idee.
Künstler mit der Motorsäge schnitzt das Hausener Wappen
Die Forstarbeiter der beiden Städte – jeder aus seiner Richtung – kamen sich in dem engen Tal also quasi tagelang entgegen, arbeiteten sich gewissermaßen zu. Rückeunternehmen wie das von Helmut Reess und Eberhard Stotz waren im Einsatz, auf Albstädter Seite die Firma Leibold, große Maschinen, Sicherungs-Seile, viele Motorsägen und Männer mit Fachkompetenz. Einer von ihnen hat offensichtlich eine künstlerische Ader und hat am Beginn der Gemarkung Hausen auf einem übrig gebliebenen Baumstamm das Wappen der Gemeinde, die Welle, die an die europäische Wasserscheide erinnert, hineingesägt und den Wald mit etwas Kunst verschönert.
Beim Arbeiten merkte man auf beiden Seiten aber schnell: Es sind mehr Bäume betroffen als erwartet, es ist mehr Arbeit als gedacht, und deswegen mussten die Forstarbeiter samt der Rückeunternehmen noch drei Tage ranhängen. "Mit dem Abholzen waren wir bis zu diesem Tag eigentlich fertig. Aber es war noch nicht weggeräumt", erklärt Stocker. Denn: Der Verkehr war nicht die einzige Kniffeligkeit, der sich die Forst- und Rückeleute gegenübersahen.
Da gibt es die Telefonleitung zum Gasthaus Sissi. Da gibt es die Fischzucht in den Teichen, für die genügend Schatten übrig bleiben sollte. Und es gibt die 20-Kilovolt- Starkstromleitung, auf die es aufzupassen galt.
"Aber jetzt ist alles gemacht und erst einmal sicher", sagt Forstamtsleiter Hermann Schmidt. Was ihn freut: "Wo immer es ging, haben die Arbeiter die Naturverjüngung zwischen den kranken Eschen, die sie beseitigen mussten, ganz sensibel umrundet und bestehen lassen. Dann ist der Hang bald wieder grün, die Erde hat Halt", meint Schmidt.
Förster mahnen Autofahrer zur Vorsicht auf Straße im Wald
Er und Stocker erinnern aber auch daran, dass es eine hundertprozentige Sicherheit trotz regelmäßiger Kontrollen nie gibt. Sie raten Autofahrern auf derlei kurvigen Straßen durch Waldgebiete mit Steilhang immer ein wenig vorausschauend und bremsbereit zu fahren. Denn nur, wenn schwere Unfälle vermieden werden, kann das idyllische Tal wirklich schön bleiben.