Die Polizei konnte vier mutmaßliche Haupttäter einer Entführung in Villingen hinter Schloss und Riegel bringen – ein Beteiligter ist derzeit noch auf der Flucht. Foto: Marc Eich

Nach der brutalen Entführung in Villingen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs junge Menschen erhoben, darunter zwei Frauen. Ein Tatverdächtiger ist weiter auf der Flucht.

Dieser brutale Fall hat für großes Aufsehen in Villingen-Schwenningen gesorgt, nun sind die Ermittlungen zur der Entführung eines 24-Jährigen vorerst abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat im Februar bei der Jugendkammer des Landgerichts Konstanz Anklage erhoben – mit schwerwiegenden Vorwürfen.

 

Wie Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz erklärte, richtet sich die Anklage gegen insgesamt sechs Beschuldigte im Alter zwischen 19 und 21 Jahren. Sie wohnten Informationen unserer Redaktion zufolge in VS, Donaueschingen sowie Unterkirnach und sollen in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober einen 24-Jährigen in der Villinger Südstadt überfallen, schwer verletzt und anschließend beraubt haben. Das Opfer war später gefesselt am Pfadfinderheim beim Friedengrund aufgefunden worden.

Hintergrund des brutalen Übergriffs sollen Drogengeschäfte sein. Einer der Täter hatte, wie unsere Redaktion erfuhr, das Opfer in eine Falle gelockt, um ihm Geld abzunehmen und später seine Wohnung in Bad Dürrheim auszuräumen. Dabei soll die Gruppe arbeitsteilig vorgegangen sein.

Den Angeklagten werden unter anderem gemeinschaftlicher besonders schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Aussetzung sowie schwerer Wohnungseinbruchdiebstahl vorgeworfen.

Frauen sollen als Fahrerinnen fungiert haben

Besonders bemerkenswert: Unter den Angeklagten befinden sich auch zwei junge Frauen. Die 19- und 20-Jährigen aus VS waren nach Angaben von Mathy insbesondere als Fahrerinnen in die Tat eingebunden. Ihnen wird unter anderem Beihilfe zum gemeinschaftlichen besonders schweren Raub vorgeworfen.

Die fünf jungen Männer sitzen derweil in Untersuchungshaft. Mathy: „Einer der Täter befindet sich weiter auf der Flucht.“ Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und einen möglichen Prozessbeginn muss nun das Landgericht Konstanz entscheiden.

Empfindliche Freiheitsstrafen drohen

Den Angeklagten dürften angesichts der umfangreichen Beschuldigungen empfindliche Freiheitsstrafen drohen. Insbesondere der Vorwurf des besonders schweren Raubes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung wiegt strafrechtlich erheblich.

Die Ermittlungen hatten über Wochen angedauert und auch internationale Fahndungsmaßnahmen umfasst. Drei mutmaßliche Täter sind auf ihrer Flucht von der Kantonspolizei Basel-Stadt festgenommen und anschließend ausgeliefert worden. Ein 21-Jähriger hatte sich wohl aufgrund des Fahndungsdruck drei Wochen nach der Tat der Polizei gestellt. Bis zuletzt hatten sich die Behörden nur zurückhaltend zu der Tat und den entsprechenden Ermittlungen geäußert.