Die Anfang Mai geflüchteten Psychiatriepatienten aus Emmendingen bleiben verschwunden. Der Klinikchef spricht von einer „willentlichen Entscheidung“.
Nach den Vorfällen im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen, bei denen Anfang Mai zwei psychisch kranke Straftäter nicht vom Ausgang zurückgekehrt sind, sieht das Klinikum keine Fehler bei sich selbst.
Die Patienten hätten „eine willentliche Entscheidung“ getroffen, als sie vom Ausgang nicht zurückgekehrt seien, sagte der stellvertretende Chef der Forensik am ZfP, Franz-Xaver Regel, am Montag gegenüber Journalisten.
Straftaten nach Flucht laut Klinikchef „absolute Ausnahme“
Grundsätzlich werde man an den gesetzlich vorgeschriebenen Lockerungen in der Unterbringung im Maßregelvollzug nichts ändern, auch wenn derzeit „genau hingeschaut“ werde, wie Lockerungsentscheidungen im Team getroffen werden, so Regel weiter. Die Fälle hätten allerdings in der Öffentlichkeit für Beunruhigung gesorgt, sagte ZfP-Geschäftsführer Michael Eichhorst. Viele Menschen hätten besorgt im Klinikum angerufen. Man sei mit der Stadt Emmendingen und der Polizei in einem engen Austausch.
Dass Patienten nicht wie vereinbart nach einem Ausgang zurückkehren, komme „im Promillebereich“ immer wieder vor, so Eichhorst. Häufig komme es lediglich zu Verspätungen, die dann aber als Entweichung in der Statistik landen. Oft gebe es einen Zusammenhang zwischen der Drogensucht von Patienten und dem Entweichen aus der Klinik, erklärte Regel weiter. Eine Korrelation mit der Herkunft gebe es hingegen nicht.
Anteil nichtdeutscher Patienten ist gestiegen
Allerdings habe der Anteil der nichtdeutschen Patienten in der Klinik in den letzten Jahren zugenommen und liege nun bei 45 Prozent. Dass eine Entweichung umgehend zu erneuten Straftaten führt, wie im Fall eines am 23. April getürmten Patienten, der bei Gundelfingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ein zwölf Jahre altes Mädchen angegriffen und einen dem Kind zur Hilfe eilenden Passanten verprügelt hatte, sei „die absolute Ausnahme“. Der Mann hatte bei seiner Festnahme zudem einen Polizeihund schwer verletzt und ein Einsatzfahrzeug beschädigt.
Derzeit seien rund 220 Patienten im ZfP untergebracht, sagte Klinikchef Eichhorst. Seit 2021, sagte Regel, seien zusammen mit den beiden derzeit verschwundenen Insassen vom 1. Mai insgesamt sieben Patienten aus der Emmendinger Klinik abgängig und nicht wieder aufgetaucht.
Geflüchtete haben sich wohl ins Ausland abgesetzt
Regel wiederholte am Montag auch, dass er vermute, dass die beiden am 1. Mai Geflüchteten sich ins Ausland abgesetzt haben, um einer drohenden Abschiebung zu entgehen. Mit der Fortdauer ihres Verschwindens würde auch der „medikamentöse Schutz“ vor neuerlichen psychischen Problemen bei den Männern nachlassen, sodass theoretisch eine Gefahr weiterer Straftaten von den beiden ausgehen könne. Es bestehe aber die Hoffnung, dass beide nicht wieder „in eine Konstellation wie vor der jeweiligen Tat“ geraten, erklärte der Arzt.
Die beiden waren am 1. Mai nicht von einem Freigang auf dem Klinikgelände zurückgekehrt. Ein Mann war nach versuchtem Totschlag, der zweite wegen gefährlicher Körperverletzung im Zustand der Schuldunfähigkeit seit Herbst 2024 beziehungsweise Frühjahr 2025 in Emmendingen untergebracht.