Was soll mit den Nestern passieren, wenn die Störche Richtung Süden ziehen? Fachmann Wolfgang Hoffmann aus Ettenheim plädiert dafür, sie zu entfernen. Die zuständigen Behörden sehen das jedoch oft anders.
Fast alle Störche, die ziehen wollten, sind bereits in Richtung Süden gezogen. Nur vereinzelte sind dageblieben, weil sie – wie viele andere Zugvögel auch – wegen der ausbleibenden harten Winter es offenbar nicht mehr für nötig halten, die beschwerliche und gefährliche Reise auf sich zu nehmen, berichtet Hofmann unserer Redaktion.
Doch egal, ob die Störche in den Süden gezogen sind oder nicht: Nach der Aufzucht ihrer Jungen benötigen die Störche ihre Nester nicht mehr. So können die Reisignester ab Ende September ausgeräumt oder zurückgebaut werden, erklärt der Experte. Anfang Februar kommen die Zugstörche wieder zurück (die hier gebliebenen schauen schon vorher nach ihrem Nistplatz), weshalb solche Arbeiten spätestens im Januar erledigt sein sollten.
Bei einigen Gebäuden ist das auch dringend nötig: Vor allem Kirchen haben Probleme mit dem Nistmaterial, das die Störche herbeibringen. Es verrottet mit der Zeit und kann die Regenabläufe verstopfen.
Laut Hoffmann ist das Gebäude die Ruhestätte der Störche, nicht das Reisig
Storchenbetreuer Hoffmann aus Ettenheim rät, die Reisignester auf Nistplattformen, Masten oder Sockeln komplett zu entfernen, auch wenn manche Behörden und auch einige Insider das anders sehen. Denn laut dem Naturschutzgesetz Paragraf 44 ist es verboten, „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“ – dazu zählen auch Störche.
Nach Auffassung von Hoffmann aber ist beispielsweise die Kirche mit ihrem Sockel oder der Mast mit der Plattform die „Fortpflanzungs- oder Ruhestätte“, aber nicht das verrottete Reisig. Denn wenn die Störche zurückkommen, bauen sie in jedem Fall an gleicher Stelle oben drauf. „Genau wie auch die Singvögel, denen man die Nistkästen auch jährlich ausräumen und reinigen sollte“, gibt Hoffmann ein Beispiel. Da die Behörden diese Auslegung aber nicht teilen, bleibt den Besitzern der betroffenen Nester aber nur übrig, sogenannte Industriekletterer zu beauftragen, um die Regenabläufe und die Nester „auszuräumen“, sprich sie von ihrem Inhalt zu befreien, ohne sie zu zerstören. Das ist jedoch keine leichte Aufgabe. Es kommen etwa auch Pickel zum Einsatz. Denn wenn das von den Störchen gesammelte Material nicht zerbröselt, verklebt es fest mit dem Untergrund.
Änderung der gängigen Praxis kann dauern, weiß Hoffmann
Seit 1992 betreut Hoffmann die Störche in der Region und er habe noch nie erlebt, dass Störche ihren Nistplatz nicht angenommen hatten, weil das Reisig weg war. Andere Ursachen konnten gelegentlich erkannt werden, zum Beispiel, wenn ein Partner nicht mehr zurückgekommen war. Eine Änderung der gängigen Praxis könnte aber dauern, macht sich Hoffmann keine Illusionen: „Ich weiß, dass Gesetzesauslegungen so lange zementiert sind, solange kein neues Urteil ergangen ist. So hoffe ich, dass dieser Fall bald eintritt.“
Rund um die Störche
So lief das Storchenjahr 2024:
In dieser Brutsaison sind wegen des regenreichen Frühjahrs besonders viele Jungstörche eingegangen. Auch komplette Bruten sind verloren gegangen. So gab es in Storchennestern in Lahr (Storchenturm), Hugsweier, Seelbach, Stadtkirche Ettenheim, Wiss-Kamin Herbolzheim, Grundschule Herbolzheim, Alte Wache Herbolzheim, oder Kappel-Grafenhausen-Kirche überhaupt keine Nachkommen, weil sie wegen Nässe und Unterkühlung gestorben sind. Angesichts der hohen Population des Weißstorchs sind die Verluste gut zu verkraften, beruhigt Hoffmann. Das Wetter im Frühjahr und das Nahrungsangebot regeln den Bestand. Zwar finden die Störche kaum noch Amphibien, aber sie haben sich erfolgreich umgestellt auf das stark gewachsene Angebot an Mäusen.
Nachfolger für die Storchenbetreuung gesucht:
Eigentlich hatte Wolfgang Hoffmann schon 2016 seine Tätigkeit als Storchenbetreuer beendet, aber es fand sich kein Nachfolger. Hoffmann ist aber weiterhin bereit, zu beraten, auch mit anzupacken, wo notwendig. Wer Interesse an der Storchenbetreuung hat, kann sich an ihn per E-Mail an wolfghoffmann@aol.com wenden – auch erst einmal, um einen Einblick zu erhalten, wie die Arbeit eines Storchenbetreuers abläuft.