Während man in Rottweil auf die Hängebrücke wartet, gibt es plötzlich eine kuriose Nachricht: „Wir haben eine Brücke gefunden.“
Um Brücken dreht es sich in Rottweil gerade vielfach: Die seit Jahren erwartete Hängebrücke ist endlich im Bau, eine neue Landesgartenschaubrücke ist in Planung, eine Brücke in der Au entsteht und im Neckartal ist über die Bahngleise hinweg auch ein neues Millionenprojekt im Gange.
Im Rottweiler Stadtkern allerdings sind Brücken – bis auf die Hochbrücke – doch eher rar. Umso erstaunlicher, dass die Stadt nun auf ein recht unbekanntes Exemplar gestoßen ist, wie Fachbereichsleiter Rudolf Mager im Ausschuss verkündete: und zwar im Boltengässle.
Die schmale Gasse wird ebenso wie die Hintere Höllgasse und Schlachthausstraße ab 2027 neu gestaltet. Und bei genauerer Betrachtung wurde deutlich, dass sich da im Untergrund eine Brücke befindet. „Unverhofft kommt oft“, schmunzelte Mager. Das Boltenbrückle war in Vergessenheit geraten, im Stadtbild ist es eigentlich nicht zu sehen. Am „Haus 1“ der Narrenzunft lugt die Brücke heraus – den Narren ist sie deshalb, wie zu erfahren war, durchaus bekannt. Die Brücke war, wie Mager informierte, Teil der Stadtbefestigung.
Für den dritten Bauabschnitt der Neugestaltung des Heilig-Kreuz-Orts muss sie nun in die Planungen mit eingezogen werden. „Da gibt es was zu tun“, so Rudolf Mager. Der Brückenzustand ist mit 3,9 bewertet und damit ziemlich schlecht. „Die Skala geht nur bis vier“, verdeutlichte Oberbürgermeister Christian Ruf die Lage.
Derzeit erfolgt die Voruntersuchung zu den Schäden. Doch trotz der zusätzlichen Sanierungsaufgabe hat Mager die Hoffnung, im Kostenrahmen zu bleiben. Die Preise im zweiten Bauabschnitt seien nämlich erfreulicherweise besser gewesen, als erwartet.
Dieser zweite Abschnitt ist noch in vollem Gange. Der Münsterplatz wird nahe des alten Rathauses aktuell von vier Baggern gleichzeitig bearbeitet, während weiter oben schon Pflasterarbeiten laufen. Bis Ende 2026 will man mit diesem Abschnitt weitgehend fertig sein. Eine große Freitreppe verbindet dann die Rathausgasse mit dem Münster.
Zwischen Pflaster und Asphalt
Im Detail ging es im Gremium nun um die Gestaltungselemente im dritten Bauabschnitt. In den Fokus der Debatte rückte dabei die Tatsache, dass auch hier zwischen den Pflasterungen Asphaltbänder vorgesehen sind. Manchmal nur wenige Meter lang, weshalb sich die Sinnhaftigkeit dieser Unterbrechungen nicht für alle erschloss. Ganz weglassen? Oder länger ziehen?
Harald Sailer (FDP) gab zu Bedenken, dass diese häufigen Belagswechsel ja auch Kanten und Übergänge verursachen – was sich in der fertiggestellten Schulgasse am Hintereingang unserer Redaktion übrigens anschaulich zeigt.
Rudolf Mager plädierte dennoch eindringlich dafür, den aus Sicht der Verwaltung ausgewogenen Mix aus Pflasterbelag (1700 Quadratmeter) und Asphalt (150 Quadratmeter) zu belassen, im Sinne von Aufenthaltsqualität und Funktionalität gleichermaßen. Zumindest in der Schlachthausstraße entschied man sich nach einem Antrag von Ralf Banholzer (CDU) für eine Verlängerung des Asphalts bis zur Abschlusskante.
Rottweils kleinste Brücke
„Rottweils kleinste Brücke“, wie Oberbürgermeister Christian Ruf die neue Attraktion im Boltengässle benannte, soll übrigens nun auch durch die Oberflächengestaltung deutlicher sichtbar werden.
Kleine Grünflächen und Pflanzbeete entlang der Fassaden sorgen künftig laut Planung für ein wenig mehr Grün im Heilig-Kreuz-Ort – auch hier gab es den ein oder anderen Diskussionsbedarf.
Der Start für den nächsten Abschnitt ist im Frühjahr 2027 – Hermann Breucha (FWV) plädierte für einen möglichst nahtlosen zeitlichen Übergang der Bauarbeiten – und fertig sein soll alles dann Ende 2027. Wie bei den bisherigen Bauabschnitten werde es zeitnah für die Anwohner, Eigentümer und Geschäftsführende noch eine Informationsveranstaltung geben, so die Ankündigung.
Kosten von 1,17 Millionen Euro
Veranschlagt ist der dritte Bauabschnitt mit 1,17 Millionen Euro, 350 000 Euro Fördermittel sind eingeplant. Der Bauausschuss segnete die Planung einstimmig ab – eine von vielen aktuell. Der Gemeinderat berät darüber noch am 12. November. Nach der Herbstferien-Pause steht da, wie OB Ruf voraussagte, eine Mammutsitzung an.