Die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Raum Hechingen ist nach wie vor angespannt. Foto: stock.adobe.com/fovito

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Gebaut wird zu wenig; die Nachfrage steigt. Elisabeth Klaiber von der Kreisbau Hechingen spricht über Probleme und Lösungen.

Die Bautätigkeit ist in jüngster Zeit zurückgegangen, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Auch in Hechingen und Umgebung nimmt der Druck auf dem Wohnungsmarkt zu, insbesondere in zentraler Lage. Im Interview spricht Elisabeth Klaiber, Geschäftsführende Vorständin der Kreisbaugenossenschaft Hechingen, über gestiegene Mietpreise, wer es bei der Wohnungssuche besonders schwer hat und wo die Politik nachbessern muss.

 

Frau Klaiber, deckt derzeit das Angebot noch die Nachfrage nach Wohnraum im Raum Hechingen?

Elisabeth Klaiber: Fest steht: Es gibt zu wenige Wohnungen im Raum Hechingen/Rangendingen. Wir als Kreisbau haben für unsere Wohnungen stets mehrere Bewerber. Der hiesige Wohnungsmarkt steht zwar nicht unter einem solchen Druck wie beispielsweise der in der Region Stuttgart. Es ist aber spürbar, dass in der jüngeren Vergangenheit zu wenig gebaut wurde. Gerade in zentraler Lage ist die Nachfrage groß. Um in Zahlen zu sprechen: Die Kreisbau hat derzeit eine Leerstandsquote von 2,9 Prozent – und dies nur, weil jene Wohnungen momentan nicht bezugsfähig sind, weil beispielsweise Sanierungsarbeiten laufen.

Stichwort Mietpreise: Steigen diese nach wie vor?

Im Bereich Hechingen steigen die Mietpreise moderat, Sprünge sind nicht zu verzeichnen. Im dritten Quartal 2025 lag die durchschnittliche Angebotsmiete bei 9,80 Euro pro Quadratmeter, das sind etwa zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kreisbau liegt aber bei einer durchschnittlichen Kaltmiete über ihren gesamten Bestand in Höhe von 6,88 Euro pro Quadratmeter pro Monat. Aber auch wir kommen um Mieterhöhungen nicht herum. Sonst können wir – gerade bei Neubauprojekten – nicht wirtschaftlich arbeiten. Wir passen Mieten aber maßvoll und differenziert an, orientieren uns am Mietspiegel und bleiben unterhalb der zulässigen Möglichkeiten.

Worin sehen Sie die Gründe für die hohen Mietpreise – auch im ländlichen Raum?

Da gibt es mehrere. Einerseits wird zu wenig gebaut. Das senkt das Angebot, was sich perspektivisch auf die Mieten auswirkt. Wer eine Wohnung wiederum mietet und nicht kauft, tut sich schwer, selbst Eigentum zu bilden, um zu bauen. Hinzu kommt, dass der Kostenblock aus Baukosten, Zinsen und Energiestandards sowie die Energiepreise in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt sind. Die Nachfrage hingegen bleibt durch demografische Effekte und Haushaltsverkleinerungen konstant.

Elisabeth Klaiber ist Geschäftsführende Vorständin der Kreisbaugenossenschaft Hechingen. Foto: Klaiber

Auch in Hechingen?

Ja. Hechingen ist für viele Interessensgruppen ein attraktiver Wohnort. Wir haben direkt vor der Haustür und in der Nachbarschaft viele erfolgreiche Unternehmen, insbesondere aus der Medizintechnik, deren Mitarbeiterzahlen steigen. Diese Menschen suchen für sich und ihre Familien Wohnraum. Dazu liegt Hechingen direkt an der B 27, der Weg für Pendler nach Tübingen ist nicht weit. Weiter ist der Bahnhof vergleichsweise zentral gelegen. Der Ausbau der Regionalstadtbahn wird sich zudem spürbar bemerkbar machen.

Wer hat es besondersschwer, eine Wohnung zu finden?

Haushalte mit geringem Einkommen, die gerade knapp oberhalb der Wohngeldgrenze liegen. Sprich jene Personen, die kein Geld vom Amt erhalten. Darunter fallen beispielsweise Alleinerziehende, große Familien oder Rentner. Schwierig ist es auch für Zugewanderte mit unsicherem Beschäftigungsstatus. Diese Personengruppen konkurrieren um ein kleines Teilsegment des Mietmarktes. Ein weiteres Problem: Der Anteil an preisgebundenen Wohnungen am Wohnungsmarkt ist gering. Auch die Kreisbau hat nicht sehr viele solcher Objekt im Bestand.

Immer wieder werden Forderungen an die Politik laut, den angespannten Mietmarkt zu entlasten. Was wünschen Sie sich von Land und Bund?

Da haben wir als Kreisbau einen ganzen Blumenstrauß an Forderungen. Grundsätzlich gesagt stecken wir in einer Doppelklemme aus Klimawende im Bestand und zu geringem Neubau bei hohen Kosten. Wichtig wäre, Genehmigungsverfahren für den Bau zu beschleunigen. Hierzu müssen Standards gesenkt und so serielles, günstigeres Bauen ermöglicht werden. Dass dies in der Praxis funktionieren kann, zeigt der sogenannte Hamburger Standard, den das Land ähnlich auch in Baden-Württemberg einführen könnte. Weiter sorgen der Mindeststellplatzschlüssel der Landesbauordnung und auch bürokratische Artenschutzvorgaben für Verzögerung.

Was stört Sie noch?

Wir setzen uns für den Erhalt von Wohnbestand ein. Statt immer weiter neu zu bauen, müssen wir auch einen Blick auf die Bestandserhaltung und Nachverdichtung haben. Hilfreich wäre dabei, den Klimaschutz effizient zu gestalten. Wir müssen uns die Frage stellen: Welche Maßnahmen sorgen mit möglichst wenig Aufwand für die größte CO₂-Einsparung. Überhöhte Energiestandards sind kontraproduktiv und treiben auch die Mieten in die Höhe. Klar ist: Wir wollen in Baden-Württemberg im Gebäudebestand bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreichen. Das ist unsere größte Herausforderung.