Früher bekam jeder internationale Spielfilm einen deutschen Titel. Das ging nicht immer gut. Aber manchmal war die Übersetzung am Ende sogar besser als das Original, meint unsere Kolumnistin.
Weihnachten ist da, und Deutschland macht Kartoffelsalat und plant das familiäre Fernsehprogramm. Wahrscheinlich wird „Kevin allein zu Haus“ am Heiligabend das Rennen machen. Der heißt im englischen Original „Home alone.“ Der deutsche Filmtitel ist fantasievoller, aber durch die Übersetzung geht der Reim verloren. Auch die Romanze „Liebe braucht keine Ferien“ heißt auf Englisch viel schlichter „The Holiday.“ Beide Filme sind ja nun schon etwas älter; heute werden keine Übersetzungen mehr gebastelt. „Dune“, „The Substance“, „The Fall Guy“, „Love lies bleeding“ – alle diese Filme kamen in den letzten Monaten mit ihrem englischen Originaltitel in die deutschen Kinos. Offensichtlich geht die Filmindustrie davon aus, dass wir Deutschen mittlerweile genug Englisch können, um keine Übersetzungen mehr zu benötigen.
Ewig gut: „Spiel mir das Lied vom Tod“
Ältere Filme hingegen heißen im Original oft ganz anders, sodass man sie gar nicht ohne Weiteres wiedererkennt. Der Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone etwa heißt im italienischen Original „C’era una volta il West“, also wörtlich „Es war einmal der Westen.“ Da ist der deutsche Titel im Vergleich zum fast langweiligen Original einfach grandios. Man braucht den Film ja nur zu erwähnen, schon pfeift irgendjemand reflexartig die von Ennio Morricone komponierte Mundharmonika-Melodie des namenlosen Helden.
Es gibt noch mehr Beispiele, wo der deutsche Titel eine ganz eigene Qualität hat. „The fault in our stars“, also in etwa „Der Makel in unseren Sternen“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von John Green, erzählt herzzerreißend, aber nie kitschig die Liebesgeschichte zweier todkranker Jugendlicher. Buch- und Filmtitel lauten auf Deutsch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter.“ Wer auch immer sich das ausgedacht hat, hatte eine wirklich geniale Eingebung! Der zweite Bondfilm mit Daniel Craig hingegen klingt auf Englisch genauso doof wie auf Deutsch: „Quantum of Solace“ kam als „Ein Quantum Trost“ in die deutschen Kinos. Ganz im Ernst, wer weiß denn heute überhaupt noch, was das Wort „Quantum“ bedeutet?
Wer weiß schon, was „The Outrun“ heißt?
Wahrscheinlich wissen auch viele Muttersprachler nicht, was „outrun“ bedeutet. Der Film „The Outrun“, der unter seinem Originaltitel momentan bei uns im Kino läuft, bietet keine Erklärung. Man muss schon die Autobiografie von Amy Liptrot zur Hand nehmen, die dem Film zugrunde liegt. Dann erfährt man, dass ein „outrun“ ein abgelegenes Stück Land bezeichnet, auf dem nicht nur Schafe weiden, sondern auch Fabelwesen wohnen. Der Film spielt in London und auf den Orkney-Inseln und fällt ganz bestimmt nicht in die Kategorie weihnachtlicher Wohlfühlfilm, ist aber genauso empfehlenswert wie das Buch. Mein persönlich größter Irrtum in Sachen Filmtitel? „Der weiße Hai.“ Nein, der heißt im Original nicht „Teeth“- sondern „Jaws.“